accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

90 
Die einzelnen Oceane zeigen in Bezug auf die Grösse und Vertheilung 
des specifischen Gewichtes, sowohl an der Oberfläche, als in den Tiefen, grosse 
Verschiedenheiten; namentlich weisen der Atlantische und Stille Ocean hinsichtlich 
der Temperaturvertheilung und in dem Verhalten des specifischen Gewichtes 
beträchtliche Unterschiede auf, wie bei Betrachtung der Tiefseeverhältnisse der 
einzelnen Oceane näher erläutert werden wird. 
Die Vertheilung des specifischen Gewichtes des Wassers an der Ober- 
fläche der Oceane ist nach Buchanan von denselben Elementen abhängig, wie 
das Klima, und. steht in inniger Verbindung mit den jeweilig herrschenden 
Winden. Die grosse koncentrirende Kraft der Passate rührt davon her, dass 
sie als trockene Winde von einer kalten Gegend her in heissere hineinwehen, 
so zwar, dass sie bei ihrem Fortschreiten eine grössere Kapacität für Wasser- 
dampf erhalten. Die Westwinde der nördlichen und südlichen gemässigten Zone, 
welche in den Gegenden der barometrischen Maxima entstehen, entwickeln 
nicht dieselbe evaporirende Kraft, weil sie von wärmeren zu kälteren Gegenden 
fortschreiten und rasch mit Wasserdampf gesättigt werden. 
Der Salzgehalt des Wassers an irgend einer Stelle ist also schliesslich 
eine Funktion der relativen Trockenheit der Atmosphäre an diesem Orte, d. h. 
je weiter die Luft von ihrem Sättigungspunkte für Wasserdampf entfernt ist, 
desto grösser ist ihre evaporirende Kraft und damit auch : deren Einwirkung 
auf den Salzgehalt des ihrem Einflusse ausgesetzten Wassers. Die Gögenden 
der Oceane mit hohem specifischem Gewicht werden also zusammenfallen mit 
Gegenden von hoher atmosphärischer Trockenheit, so in den Passat-Zonen; 
dagegen zeigt die Region der Kalmen niedriges specifisches Gewicht und feuchte 
Atmosphäre. — 
Die Tiefseeforschungen der Nouzeit haben sich aber nicht allein auf die 
Tiefen und die Gestaltung und Beschaffenheit des Meeresbodens, oder auf das 
Verhalten und die Vertheilung der Wärme und des. specifischen Gewichtes oder 
Salzgehaltes in den verschiedenen Wasserschichten von der Oberfläche bis zum 
Meeresboden beschränkt, — sie haben sich auch auf die chemischen Eigenschaften 
des Meerwassers und das organische Leben in den verschiedenen Meerestiefen 
erstreckt. Auch in diesen Gebieten der Forschung haben die neueren Unter- 
suchungen Ergebnisse erzielt, welche die früheren Ansichten über die Natur 
des Meerwassers, über das Thierleben der Meerestiefen und über dessen 
Grenzen nach unten wesentlich umgestalteten und nicht unerhebliche Bestätigungen 
der Theorie der allgemeinen oceanischen Cirkulation lieferten, 
Die Chemie des Meerwassers ist wesentlich durch die Untersuchungen 
des Prof, 0. Jacobsen in Rostock in eine ganz neue Phase getreten und ver- 
spricht für die Zukunft neben den anderen physikalischen und geologischen 
Grundlagen für das organische Leben im Meere ein wichtiger Zweig der Tief- 
seeforschung zu werden. 
Während der Expedition der „Gazelle“ in den Jahren 1874 bis 1876 
wurde eine grosse Anzahl von Wasserproben in äusserst sorgfältig verschlossenen 
Flaschen für eine spätere chemische Untersuchung aufgehoben; diese hat 
Prof. Jacobsen bei 39 Wasserproben, welche aus verschiedenen Theilen des 
Atlantischen, Stillen und Indischen Oceans und aus verschiedenen Tiefen der- 
selben herstammen, ausgeführt. Er hat hierbei nach einer, im Vergleich mit 
früheren Untersuchungen, kritisch schärferen und zuverlässigeren Methode nach- 
gewiesen, dass in dem Meerwasser eine sehr gleichartige Mischung der Salze 
stattfindet, und ‚dass der Gehalt des Meerwassers an Kkohlensaurem Kalk nur 
sehr geringen Schwankungen unterliegt, während man früher eine ungleiche Be- 
schaffenheit des Meerwassers in den verschiedenen Oceanen annahm, — so sollte 
z. B. das Wasser des Atlantischen Oceans mehr Kalksalze und das des Stillen 
Oceans mehr Kieselsalze enthalten. 
Bei den 39 oben erwähnten Wasserproben schwankte der Gebalt des 
Meerwassers. an kohlensaurem Kalk zwischen den engen Grenzen von 0,220 und 
0,312 Theilen in 10000 Theilen Wasser, und auch diese Abweichungen können 
— wie Prof. Jacobsen bemerkt — von Versuchsfehlern herrühren. Der ge- 
ringste Gehalt von 0,220 Theilen wurde bei einer Wasserprobe gefunden, welche 
aus einer Tiefe von 3110m im südlichen Indischen Ocean in 45° 46,5‘ S-Br und 
70° 39,5‘ O-Lg herstammte; einen fast ebenso niedrigen Gehalt an kohlensaurem 
4
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.