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Die einzelnen Oceane zeigen in Bezug auf die Grösse und Vertheilung
des specifischen Gewichtes, sowohl an der Oberfläche, als in den Tiefen, grosse
Verschiedenheiten; namentlich weisen der Atlantische und Stille Ocean hinsichtlich
der Temperaturvertheilung und in dem Verhalten des specifischen Gewichtes
beträchtliche Unterschiede auf, wie bei Betrachtung der Tiefseeverhältnisse der
einzelnen Oceane näher erläutert werden wird.
Die Vertheilung des specifischen Gewichtes des Wassers an der Ober-
fläche der Oceane ist nach Buchanan von denselben Elementen abhängig, wie
das Klima, und. steht in inniger Verbindung mit den jeweilig herrschenden
Winden. Die grosse koncentrirende Kraft der Passate rührt davon her, dass
sie als trockene Winde von einer kalten Gegend her in heissere hineinwehen,
so zwar, dass sie bei ihrem Fortschreiten eine grössere Kapacität für Wasser-
dampf erhalten. Die Westwinde der nördlichen und südlichen gemässigten Zone,
welche in den Gegenden der barometrischen Maxima entstehen, entwickeln
nicht dieselbe evaporirende Kraft, weil sie von wärmeren zu kälteren Gegenden
fortschreiten und rasch mit Wasserdampf gesättigt werden.
Der Salzgehalt des Wassers an irgend einer Stelle ist also schliesslich
eine Funktion der relativen Trockenheit der Atmosphäre an diesem Orte, d. h.
je weiter die Luft von ihrem Sättigungspunkte für Wasserdampf entfernt ist,
desto grösser ist ihre evaporirende Kraft und damit auch : deren Einwirkung
auf den Salzgehalt des ihrem Einflusse ausgesetzten Wassers. Die Gögenden
der Oceane mit hohem specifischem Gewicht werden also zusammenfallen mit
Gegenden von hoher atmosphärischer Trockenheit, so in den Passat-Zonen;
dagegen zeigt die Region der Kalmen niedriges specifisches Gewicht und feuchte
Atmosphäre. —
Die Tiefseeforschungen der Nouzeit haben sich aber nicht allein auf die
Tiefen und die Gestaltung und Beschaffenheit des Meeresbodens, oder auf das
Verhalten und die Vertheilung der Wärme und des. specifischen Gewichtes oder
Salzgehaltes in den verschiedenen Wasserschichten von der Oberfläche bis zum
Meeresboden beschränkt, — sie haben sich auch auf die chemischen Eigenschaften
des Meerwassers und das organische Leben in den verschiedenen Meerestiefen
erstreckt. Auch in diesen Gebieten der Forschung haben die neueren Unter-
suchungen Ergebnisse erzielt, welche die früheren Ansichten über die Natur
des Meerwassers, über das Thierleben der Meerestiefen und über dessen
Grenzen nach unten wesentlich umgestalteten und nicht unerhebliche Bestätigungen
der Theorie der allgemeinen oceanischen Cirkulation lieferten,
Die Chemie des Meerwassers ist wesentlich durch die Untersuchungen
des Prof, 0. Jacobsen in Rostock in eine ganz neue Phase getreten und ver-
spricht für die Zukunft neben den anderen physikalischen und geologischen
Grundlagen für das organische Leben im Meere ein wichtiger Zweig der Tief-
seeforschung zu werden.
Während der Expedition der „Gazelle“ in den Jahren 1874 bis 1876
wurde eine grosse Anzahl von Wasserproben in äusserst sorgfältig verschlossenen
Flaschen für eine spätere chemische Untersuchung aufgehoben; diese hat
Prof. Jacobsen bei 39 Wasserproben, welche aus verschiedenen Theilen des
Atlantischen, Stillen und Indischen Oceans und aus verschiedenen Tiefen der-
selben herstammen, ausgeführt. Er hat hierbei nach einer, im Vergleich mit
früheren Untersuchungen, kritisch schärferen und zuverlässigeren Methode nach-
gewiesen, dass in dem Meerwasser eine sehr gleichartige Mischung der Salze
stattfindet, und ‚dass der Gehalt des Meerwassers an Kkohlensaurem Kalk nur
sehr geringen Schwankungen unterliegt, während man früher eine ungleiche Be-
schaffenheit des Meerwassers in den verschiedenen Oceanen annahm, — so sollte
z. B. das Wasser des Atlantischen Oceans mehr Kalksalze und das des Stillen
Oceans mehr Kieselsalze enthalten.
Bei den 39 oben erwähnten Wasserproben schwankte der Gebalt des
Meerwassers. an kohlensaurem Kalk zwischen den engen Grenzen von 0,220 und
0,312 Theilen in 10000 Theilen Wasser, und auch diese Abweichungen können
— wie Prof. Jacobsen bemerkt — von Versuchsfehlern herrühren. Der ge-
ringste Gehalt von 0,220 Theilen wurde bei einer Wasserprobe gefunden, welche
aus einer Tiefe von 3110m im südlichen Indischen Ocean in 45° 46,5‘ S-Br und
70° 39,5‘ O-Lg herstammte; einen fast ebenso niedrigen Gehalt an kohlensaurem
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