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Kulminationszeit des Mondes vollständig, aber auch die Verschiedenheit für
nördliche und südliche Deklinationen findet dadurch ihre theoretische Begründung.
Der Winkel C = %— U + m —m = 6 + mı — mı, setzt sich nämlich
zusammen aus einem konstanten und einem innerhalb gewilser Grenzen ver-
änderlichen Teile. Der veränderliche Teil m — mı oder der Unterschied der
Rektascensionen des Mondes, welche resp. für -die halbtägige und die eintägige
Flut anzuwenden sind, hängt von der Geschwindigkeit der Bewegung des
Mondes in seiner Bahn ab: er wird größer sein, wenn der Mond sich im
Perigäum befindet, kleiner, wenn er im Apogäum steht. Der Unterschied
zwischen dem gröfsten und kleinsten Werth von mı-—mı ist verschieden, je
nach der Zwischenzeit zwischen den Epochen, für welche die Mondörter für
die beiden Gezeiten genommen werden müssen, oder, wie man auch sagen kann,
je nach dem Altersunterschied der ein- und halbtägigen Flut. Für unsere
Gegend, wo dieser Unterschied etwa 3'/2 Tage beträgt, ist der :gröfste Wert
von mı — mı um ca 13° gröfser als der kleinste. . .
Wenn nun die Apsidenlinie oder die grofse Achse der Mondbahn auf der
Durchschnittslinie der Bahnebene und der Ebene des Aquators senkrecht steht,
so fällt das Perigäum mit der gröfsten nördlichen oder südlichen Deklination
und das Apogäum mit der gröfsten südlichen oder nördlichen Deklination zu-
sammen. Nehmen wir an, das erstere sei der Fall, Perigäum und. gröfste
nördliche Deklination fallen zusammen, dann ist die Bewegung des Mondes in
dem ganzen Theile seiner Bahn, der nördlich vom Aquator liegt, schneller als
in demjenigen, der südlich liegt, oder mı-— mı ist für nördliche Deklination
gröfser als für südliche, und kann dieser Unterschied für unsere Gegend bis
zu 13° und mehr steigen. Wenn nuü C nicht viel von 0° oder 180° verschieden
ist, so wird eine Anderung dieses Winkels um 13° einen sehr erheblichen
Einflufs auf die Gröfse von sin C und damit auf die tägliche Ungleichheit in
Zeit haben, wogegen cos C und damit die tägliche Ungleichheit in Höhe
nur wenig geändert wird. Wir dürfen also erwarten, dafs in diesem Falle die
tägliche Ungleichheit in Zeit für nördliche Deklinationen wesentlich größer, als
für südliche wird gefunden werden müssen, während in Höhe nur ein geringer
Unterschied stattfindet und sich eher ein gröfserer Wert für die südlichen
Deklinationen ergeben müsse.
Ein glücklicher Zufall hat es nun so gefügt, dafs die Beobachtungen,
aus denen die tägliche Ungleichheit für Wilhelmshaven abgeleitet wurde, aus
dem Jahre 1876 stammen, in welchem Jahre der hier vorausgesetzte Fall, dafs
Apsiden- und Knotenlinie der Bahn mit dem Aquator auf einander senkrecht
stehen, und das Perigäum mit der gröfsten nördlichen Deklination zusammenfällt,
stattfand. Das Resultat der Ableitung war folgendes:
Hochwasser,
Deklination!
nördlich |
0,0°
+ 61
11,7
418,7 |
496.2
Tägliche Ungleichheit I Tägliche Ungleichheit
GBC . BIS " ‚Deklination| 8 8
in
Zahl der Beobachtungen
‚Deklination ] Deklination‘
— nördlich ' südlich
Zeit
Höhe
südlich I
Zeit ! Höhe
+ 0,6m
+22
+56
+78
+93
+ 0,020m } 2
30,027 | — 5,9°
70,085 | — 1222
+ 0,137 — 186
70147 | — 263
FT 0,4m
+24
+ 4,0
4.6
36
-+0,072mı 88
+4 0,096 30
-+0,140 39
—+0,.152 89
36
38
54
118
Dies ist vollständig im Einklang mit dem, was nach der obigen Theorie
zu erwarten ist. Dafs die Verschiedenheit für die kleineren Deklinationen
größer ist, als nach der Theorie zu erwarten ist, ist ohne Zweifel der geringen
Zahl von Beobachtungen zuzuschreiben.
Wir wollen noch die Ausdrücke für Niedrigwasser entwickeln, Niedrig-
wasser ist, wenn 1—m —-x-+F+4CG = 90° oder 270°, oder wenn:
1—m—% =.90°— F—G, oder = 270° — F—G.