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dieser Weise das Gebiet des Passats erreicht. Der in demselben zuerst herr-
schende kräftige Wind wurde unweit 20° N-Br in 33° W-Lg flau und unbe-
ständig, fafste aber bald wieder kräftig durch und führte die Bark bis zum
14. März in die Nähe der Insel Martinique.
Auch im Caraibischen Meere wurde kräftiger beständiger Passat ange-
troffen, mit dem „Julius“ bis zum 19. März in Sicht der an ihrer Südseite
passirten Insel Jamaika gelangte. Westlich von derselben wurde der Passat
für längere Zeit Sau und unbeständig, erst wieder zunehmend an Stärke, nach-
dem 85° W-Lg überschritten worden war. Im Golf von Mexiko wehten an
2 Tagen nordwestliche Winde, und schliefslich führte südöstlicher Wind das
Schiff am 30. März zum Bestimmungshafen. Die Dauer der Reise von 50° N-Br
ab war 43 Tage; und in dieser Zeit war 40° N-Br in 16,2° W-Lg am 24, Fe-
bruar, 30° N-Br in 21,9° W-Lg am 28. Februar und 20° N-Br in 32,7° W-Lg
am 4, März; ferner der Meridian von 30° West in 20,9° N-Br am 3. März und
der von 50° West in 14,4° N-Br am 12, März überschritten worden.
Am 21. Mai trat „Julius“ von Galveston aus die Rückreise nach Liverpool
an. Zu Anfang derselben arbeitete die Bark gegen leichte, anhaltend aus süd-
östlicher Richtung wehende Winde in der Nähe der Küste ostwärts. Man
konnte nur sehr langsam nach dieser Richtung hin Fortschritte machen, und am
30. Mai befand man sich noch in Sicht des Leuchtfeuers an der Missiesippi-
Mündung. Am 2, Juni kam leichter Westwind durch, auf den später wieder
östliche Winde folgten. Am 11. Juni wurde die Küste von Cuba gesichtet und
am 14. Jum der Meridian von 80° West überschritten. Kräftiger Nordstrom, der
in 24 Stunden 60 Sm betrug, trat jetzt helfend ein, und konnte daher schon am
15. Juni die Enge von Bemini passirt werden, Im Atlantischen Ocean war
östlicher Wind zunächst noch für längere Zeit vorherrschend. Krst unweit
34° N-Br in 75,5° W-Lg kam westlicher Wind durch, der zwar nicht sehr be-
ständig war, aber doch für einige Zeit anhielt. Oestlich von 40° W-Lg fand
„Julzus“ fast nur aus östlicher Richtung kommende Winde, bei denen nur, weil
sie meist aus südöstlicher, für kürzere Zeit aus nordöstlicher Richtung wehten,
ein wenn auch langsamer Fortschritt zu erzielen war. Erst als man sich
schon in der Nähe von Irland befand, trat wieder westlicher Wind auf. Am
24. Juli befand „Julius“ sich in Sicht des Tuskar-Feuers. Die Reisedauer be-
trug 64 Tage; während derselben war 70° W-Lg in 37 N-Br am 23. Juni,
60° W-Lg in 40,8 N-Br am 27. Juni, 50° W-Lg in 43,1° N-Br am 1. Juli und
30° W-Lg in 48,9° N-Br am 10. Juli gekreuzt worden. Am 1. und 2, Juli war
von „Julius“ unweit 43° N-Br und 50° W-Lg eine grofse Anzahl von Eisbergen
erblickt worden.
[9. Reise der Altonaer Bark „Conrad Hinrich“, Kapt. F. H. 6. Brandt.
Am 31. Oktober 1878 befand sich die auf einer Reise von Kronstadt nach
der im südlichen Theile der Insel Saghalin gelegenen Korsakow-Bai bestimmte
Bark „Conrad Hinrich“ in 50° N-Br und 16° W-Lg. Am 7. November hatte
sie 33,5° N-Br und 23,4° W-Lg erreicht, und wurde an diesem letzteren Orte
mit der Führung des meteorologischen Journals begonnen. Bei leichten, meist
aus südöstlicher Richtung wehenden Winden, wurde vom letzterwähnten Punkte
aus südwärts gesteuert, Unweit 30° N-Br und 26,3 W-Lg, wo der Luftdruck
auf 752,0 mm gesunken war, nahm der SE-Wind bis zum Sturme zu, und be-
fand sich das Schiff hier offenbar in gröfster Nähe einer jener auch in diesem
Jahre beobachteten Herbst-Depressionen. Auf den südöstlichen Wind folgte,
als derselbe sich gemäfsigt hatte und der Luftdruck zuzunehmen begann, süd-
westlicher Wind, mit dem das Schiff von seinem gut westlichen Standpunkte
aus nach Südosten segelte. Am 18. November erreichte „Conrad Hinrich“ in
etwa 26° N-Br und 26,8° W-Lg die nördliche Grenze des Passatgebietes, welches
sich bis nach 9,3° N-Br in 26,5 W-Lg ausdehnte und in welchem fast überall
kräftiger, beständiger Wind angetroffen wurde. Im Stillengürtel verlor die Bark
bei nördlicher und westlicher Mallung 2 Tage, nach deren Verlauf es am 26. No-
vember gelang, unweit 8,8° N-Br in 26,1 W-Lg östlichen Wind anzutreffen,
welcher fast ohne jede fernere Störung in den SE-Passat überging. Am 1. De-
zember kreuzte „Conrad Hinrich“ in 31° W-Lg den Aequator. Um diesen
Punkt von 50° N-Br ab zu erreichen, waren 31 Tage erforderlich gewesen, und