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66: Bei dem grofsen Umfange, welchen die Eingänge von meteorologischen
Journalen nunmehr “erlangt haben, und mit Rücksicht auf den Raum, welchen
die volle: Veröffentlichung !der den Journalen entnommenen Reiseberichte be-
anspruchen- würde, ‘werden in’ Zukunft die Berichte an dieser Stelle nur zum
Theil zum Abdruck gebracht werden.!): Eine Separatausgabe aller Reiseberichte
bleibt für: den: Schlufs des Jahres vorbehalten.
Fi en SO ; Die Direktion der Seewarte.
: um], Reise des Bremer Vollschiffes „Constantia“, Kapt. J. Kühlken,
‘""' "Am 26. Februar 1880, dem vierten Tage ihrer Reise von Liverpool nach
Newöorleans, überschritt das Vollschiff „Constantia“ unweit 8° W-Lg den Parallel
von 50° Nord. Mäfsige Westwinde, die günstig genug waren um mit ihnen
einen Südkurs verfolgen zu können, führten das Schiff von dort aus bis nach
38,5° N-Br. Dann folgten auf kurze Stille, welche hier geherrscht hatte, vor-
herrschend ‘südöstliche Winde und später südlich von 33° N-Br sehr leichte,
veränderliche, wiederholt von Windstille unterbrochene Briese. Nachdem diese
letzteren Verhältnisse nicht weniger als 10 Tage gedauert hatten, nahmen sie
endlich unweit 23° N-Br in 26,5° W-Lg, wo sich aus nordwestlichem Winde
durch Drehen nach Nord und NE der Passat entwickelte, ein Ende. Bei
diesem mäflig-: starken Winde schlug „Constantia“ einen westlicheren Kurs
ein, auf‘ welchem man am 4. April in die Nähe der Insel Guadeloupe gelangte.
Im ‘Cardibischen Meere herrschte kräftigerer Passat als im Atlantischen Ocean
angetroffen worden war; „Constantia“ erreichte mit demselben am 9. April die
an ihrer Südseite passirte Insel Jamaika und am 13. April das Kap Antonio,
die ‚Westspitze Cubas. Bei frischem, meist südöstlichem Winde durchsegelte
„Constantia“ schliefslich den Golf von‘ Meziko, bis am 17. April die Mündung
des "AMississippi erreicht wurde. Die Reisedauer von 50° N-Br ab betrug
51’ Tage. Während derselben war 40° N-Br in 13,4° W-Lg am 3. März,
30° N-Br in 23° W-Lg am 13. März und 20° N-Br in 31° W-Lg am 21 März;
ferner der Meridian von 30° West in 20,3° N-Br am 20. März und der von
50° West in 16,7° N-Br am 29. März überschritten worden.
‘ Am 9, Juni passierte die mit Baumwolle beladene und nach Bremen
bestimmte „Constantia“ wieder die Barre des Mississippi-Stromes.
Leichte vier Tage anhaltende SE-Winde verzögerten den Anfang dieser
Reise, und erst nachdem unweit 27° N-Br in 88° W-Lg auf dort an einem Tage
herrschende Windstille leichte westliche Winde gefolgt waren, nahm die Reise
einen rascheren Verlauf, Sie führten das Schiff fast bis zum 80. Grade der
Länge und weit genug, dafs, als wieder leichte Ostwinde durchkamen, bei diesen
ein Nordkurs eingeschlagen werden Konnte. Kräftiger Nordstrom, durch
welchen man in 3 Tagen zusammen 212 Sm versetzt wurde, trat hier helfend
ein, und am 21. Juni konnte „Constantia“ die Enge von Bemini passieren.
Im offenen Ocean kamen am 23. Juni unweit 30° N-Br in 79,8° W-Lg
leichte westliche Winde durch, welche bis nach 50° W-Lg hin vorherrschend
blieben. Oestlich von diesem Meridian war die Richtung der dort angetroffenen
Winde weniger beständig, und nachdem man den Meridian von 40° West über-
schritten hatte, mufste längere Zeit gegen östliche Winde gekämpft werden.
Bine Woche hindurch wehte der Wind hier aus östlicher Richtung; doch war
derselbe, da er von SE allmählich nach NE umlief, nicht durchaus ungünstig.
Unweit 48° N-Br in 19,5° W-Lg setzte am 21. Juli wieder südwestlicher
Wind ein, welcher „Constantia“ bis zum 25, Juli zur Mündung des Kanals
führte. Die Dauer der bei auffallend mäfsigen Winden ausgeführten Reise
war 46 Tage, und während derselben hatte man 70° W-Lg in 34,2° N-Br am
28. Juni, 50° W-Lg in 41,1° N-Br am 5. Juli 'und 30° W-Lg in 48,3° N-Br
am 16. Juli gekreuzt. ; ;
2. Reise der Geestemündener Bark „Alice Rickmers“, Kapt. J. Heins.
Am 1. Oktober 1880, zwei Tage später als von Cardiff aus die Reise
angetreten worden war, stand die nach Singapore bestimmte Bark „Alice Rickmers“
in 50° N-Br und 7° W-Lg. Bei veränderlichen, drei Tage anhaltenden West-
' Die Nummern der hier gebrachten Berichte sind durch fette Zahlen bezeichnet.