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liegt. Die Ladungsempfänger kümmern sich wenig darum, ob das Schiff Schaden
nimmt, oder nicht, wenn auch die Charierpartie günstig genug lautet. Alle
Beschwerden und Klagen deshalb beim Tribunal blieben bis jetzt erfolglos,
da nur Kaufleute und keine Rheder in demselben Sitz und Stimme haben. Nicht
allein das Einlaufen, sondern auch das Auslaufen ist sehr erschwert; man kann
den Hafen nur sicher bei Tage und mit günstigem Winde verlassen, um von
der Küste frei zu kommen; es ist leider nur ein Schleppdampfer vorhanden,
der die ausgehenden Schiffe nur höchstens 1 Sm vom Lande schleppt; auf
weiteres Schleppen. lässt derselbe sich nicht ein, da fast immer Schiffe genug
auf seine Hülfe warten; deshalb ist man gezwungen, bei Nord- und NW-Wind,
wenn auch gutes Wetter ist, im Hafen zu bleiben, bis der Wind sich ändert. Die
Ordnung im Hafen lässt auch viel zu wünschen übrig, obgleich genug Angestellte
vorhanden sind. Dicht am Eingange des Kanals, bei der östlichen Mole, hat
man seit einigen Jahren angefangen, einen anderen grösseren Hafen anzulegen;
doch, wie bis jetzt dabei gearbeitet wird, ist in 6 bis 8 Jahren an die Fertig-
stellung desselben kaum zu denken.
Der Kanal, sowie auch der alte Hafen, wird früher auch gewiss mehr
Tiefe gehabt haben und könnte leicht vertieft werden, doch, so viel ich sah
und erfuhr, wird an eine Ausbaggerung nicht gedacht. Im Verhältniss der
Kleinheit des Ortes besitzt derselbe in der letzten Zeit sehr viel Handel und
Verkehr; letzterer wird jedoch von den betreffenden Stadtbehörden wenig oder
gar nicht unterstützt und erleichtert.
Aus allem hier Gesagten geht hervor, dass der Besuch dieses Hafens
nur für kleinere Schiffe anzurathen ist, und die Führer grösserer Schiffe sich
wohl zu bedenken haben, che sie in den Besuch desselben willigen. Der
Bugsirlohn ist für die wenigen Leistungen des Schleppdampfers ungewöhnlich
hoch, dasselbe ist auch mit den Lotsen der Fall; dieselben verlassen, ausgehend,
oft die Schiffe noch eher, als der Dampfer, und bevor noch die nöthigsten
Segel gesetzt sind; man muss, ausgehend, noch für das Lotsenboot extra be-
zahlen, um den Lotsen ans Land zu setzen.
Tiefseelothungen der britischen Schiffe „Argus“ und „Flamingo“
rund um die Bermuda-Inseln.
Nach den Berichten des Commander R. H. Harris von I, Br. M. 8.
„Argus“ und des Commander W. H. Hall von I. Br. M. S. „Flamingo“, welche
im Juli 1879 rund um die Bermuda-Inseln Lothungen und Untersuchungen über
Untiefen angestellt haben,!) ist Nachstehendes in der „Hydrographic Notice“
No. 26, London, 1879, veröffentlicht worden. Die hierbei angeführten Peilungen
sind misweisend; die Misweisung beträgt 8° West 1879.
1. In NW der Bermuden. Nach früheren Berichten sollte sich in
32° 40‘ N-Br und 65° 32‘ W-Lg, 42 Sm in NW von dem Leuchtthurm auf
Gibb’s Hill, eine Wassertiefe von nur 110m (60 Fad.) befinden. Die „Argus“
untersuchte die dieser Stelle benachbarten Gegenden und fand 5 Sm in NW!AN
von der erwähnten Position eine Tiefe von 4608m und 8 Sm in 0SO von der-
selben eine Tiefe von 4682m.?) Das Schiff passirte die angebliche 110m-
Stelle und fand in der That auf ihr mit 110m Leine keinen Grund.
Ferner behaupteten die Lotsen und Fischer, dass 15 bis 20 Sm in NW
der Inseln sich eine flache, zum Fischen geeignete Bank befände. Um diese
Bank zu untersuchen, nahm der „/lamingo“ zwei Fischer an Bord, damit diese
die Bank ermittelten, Die von diesen Fischern angegebene Position befand
sich jedoch gerade innerhalb der 183m-Linic, ca 2 Sm ausserhalb des die Inseln
umgebenden Riffes; die fehlerhafte Angabe beruhte auf einer unrichtigen Ab-
schätzung der Entfernung von der Küste.
4) Vgl. „Ann, d, Hydr. etc.“, 1879, pag. 198, und Br. Adm.-Karten No. 360 und 2060B (Tit. VI,
No. 616 und No. 3).
?) In 32° 839’ N-Br, 65° 6‘ W-Lg und in 32° 18‘ N-Br, 65° 38‘ W-Lg hatte der „Challenger“
im April 1873 Tiefen von 4480 bezw. 4846m gelothet. Auch die „Gettysburg“ fand im Juni 1876
in 32° 55' N-Br und 65° 27‘ W-Lg eine Tiefe von 4938m (2700 Fad.) s, a. d. O0. O0.