Ann, d. Hydr. usw., LXI. Jahrg. (1933), Heft VII.
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Zerstörende Wirkung einer Gewitterböe bei Hamburg am 21. August 1932.
Von Dr. A. Lohr, Hamburg, Deutsche Seewarte,
(Hierzu Tafel 24.}
Am 21. August 1932 um 14.40 Uhr zog ein kurzer Gewittersturm über
Harburg—Hamburg hinweg. Der Rundfunk brachte in den Abendstunden und
die Presse am folgenden Morgen die Meldung, daß der Gewittersturm mit elementarer
Gewalt hereingebrochen sei und daß einige Ortschaften südlich von Harburg
in wenigen Sekunden von dem sich bildenden Windwirbel, einer mächtigen Windhose,
erfaßt und verwüstet worden seien. Diese alarmierende Meldung veranlaBte
den Verf, am Morgen nach dem Gewittersturm vom Flugzeug aus den
Verwüstungsbereich südlich von Harburg zu beobachten und die Sturmwirkungen
in einer Serie von Luftbildern festzulegen. Später liefen dann noch die Meldungen
ein, daß auch in Moisburg, das 8 km südlich von Buxtehude liegt, und
in den Beständen des westlichen Vorwaldes, des Sachsenwaldes, der Sturm größere
Verheerungen anrichtete. Verf, hatte Gelegenheit, bald nach dem Sturmtage die
beiden Verwüstungsgebiete südlich von Harburg und im Sachsenvorwalde aufzusuchen
und Lichtbilder an Ort und Stelle von den Einzelheiten der Zerstörung
herzustellen,
1. Art und Umfang der Verwüstung.
Auf dır von der holländischen Grenze bis zur Lübecker Bucht sich erstreckenden
Gewitterbahn sind drei Gebiete mit verwüstender Sturmwirkung
im Bereiche der Untereibe vorhanden, die auf der Übersichtskarte (Fig. 1)
mit X bezeichnet sind. Diese drei Stellen bedingten durch angrenzende große
Waldhügelgebiete orographisch besonders heftige Auswirkung der Gewitterböe,
Das erste Gebiet liegt 5 km von Moisburg entfernt im Luy der bewaldeten Harburger
Berge, das zweite Gebiet erstreckt sich auf einem 1?/, bis 2 km breiten
und 9 bis 10 km langen Streifen von Harburg aus nach SSW und liegt auf der
Leeseite des umfangreichen Harburger Forstes, Hier wurden am meisten in
Mitleidenschaft gezogen die beiden Dörfer Eddelsen und Hittfeld, Das dritte Gebiet
liegt im Luv des Sachsenwaldes, und zwar in dem hügeligen Gelände des Vorwaldes
des Sachsenwaldes, und erstreckt sich auf die Orte Havighorst—Lohbrügge
und Wohltorf, Ersterer liegt 2 km nordwestlich, letzterer 6 km nordöstlich
von Bergedorf. Die Orte Moisburg—Hittfeld liegen auf einer von WSW
nach ENE verlaufenden Linie 18 km voneinander entfernt. Die Linie Hittf{eld—Sachsenvorwald
verläuft von SW nach NE, auf der die beiden Verwüstungsgebiete
25 km auseinander liegen. Der Gewitterzug hat demnach an der Elbe
eine kleine Linksdrehung erfahren.
Im Verwüstungsgebiete Eddelsen— Hittfeld zeigten sich die ersten Spuren
auf der Leeseite des umfangreichen Harburger Forstes, und zwar auf halber
Höhe eines nach NE vorstoßenden bewaldeten Höhenrückens, dessen Scheitellinie
53 m über NN liegt und das umliegende Gelände um etwa 12 m überragt, Der
Windbruch trat hier in zwei Streifen auf, Der erste davon setzt auf der Luvseite
des Hanges ein, geht über den Kamm hinweg und verbreitert sich auf
der Leeseite des Hanges. Der zweite beginnt erst auf der Leeseite und zeigt
an seinem Ende eine Linksdrehung. Der Höhenrücken ist mit Föhren bestanden,
von denen in der Bruchlinie nur einzelne entwurzelt sind, während der größte
Teil der Bäume abgebrochen ist. Die Bruchhöhe der Bäume ist ganz verschieden
je nach dem Umfange und der Höhe der Stämme und je nach der
Sprödigkeit des Holzes. Bei keiner der Bruchstellen ist zu sehen, daß eine
Torsion stattgefunden hätte, außerdem lagen die entwurzelten und umgeworfenen
Stämme alle in einer Richtung, und zwar W16°S—E16°N. Vom Fußpunkte
des Höhenrückens fällt das Gelände ganz allmählich ab bis zu der Verbindungsstraße
Hittfeld— Eddelsen — Tötensen, Auf einzelnen Feldern dieses schwach
geneigten, 500 m langen Geländestreifens war das abgemähte Getreide vom
Winde fortgerissen und lag in Streifen, die in der Windrichtung sich erstreckten.
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