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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Dampfkrähne vorhanden, welche jedoch nur von den hier fahrenden Dampfern 
benutzt werden. Bei meiner Anwesenheit waren nur die feststehenden im Ge- 
brauch; die auf Schienen laufenden werden nur zum Kohlenlöschen benutzt. 
Die durch Segelschiffe vermittelte Einfuhr besteht meistontheils aus Bauholz, 
Kohlen und Getreide, von welchen Artikeln viele auf den nach dem Innern 
ychenden Kanälen weiter befördert werden. Ausfuhr findet nur durch Dampf- 
schiffe statt. Calais ist eine mittelalterlich gebaute Stadt von ca 18 000 KEin- 
wohnern, von alten Festungswerken umgehen, welche jedoch in Verfall sind. 
Der Leuchtthurm steht im Norden derselben im sogenannten Fischerviertel, 
ist 51m hoch und zeigt ein festes weisses Feuer, alle 4 Minuten ein Blink und 
20 Sm sichtbar.” Auf der Ostmole brennt ein weisses 9 Sm weit sichtbares 
Hafenfeuer, wenn die Tiefe im Eingange des Docks 3m beträgt; ein rothes 
Feuer unter dem weissen zeigt 4m, ein solches oberhalb des weissen Feuers 
5m, die drei Feuer zugleich brennend, 6m Wasser an. Auf dem. Westmolen- 
kopf wird ein rothes, 4 Sm sichtbares Feuer gezeigt. Bei sehr schlechtem 
Wetter kann dieses Feuer aber nicht angezündet werden, da alsdann die Mole 
nicht passirbar ist. 
An jeder Seite des Hafeneinganges sind ein Rettungsboot und ein Ra- 
ketenapparat stationirt, welche unter dem Kommando des Marinecommissärs 
stehen. Die Rettungsboote werden von den Lotsen bemannt. Grössere Re- 
paraturen können in Calais nicht ausgeführt werden, da weder Trockendocks 
noch Slips vorhanden sind; es besteht hier nur eine kleine Werft, wo Fischer- 
boote gebaut werden; jedoch ist ein sogenanntes „Gridiron“ vorhanden, dicht 
vor dem Dock im Kanal, wo bei Springzeit Schiffe bis zu 3,3 m Tiefgang auf- 
holen können, wofür man 10 Cts. pro Reg.-Ton bezahlt. 
Die Kosten stellen sich sehr hoch: das Lotsengeld beträgt für eingehende 
Schiffe 25 Cts. pro Reg.-Ton mit 5 Cts. Zulage, wenn der Lotse in einer Knut- 
fernung von 9Sm oder weiter an Bord kommt; für in Ballast ausgehende 
Schiffe 12% Cts. pro Reg.-Ton, für das an Bord bleiben der Lotsen bei Nacht 
5 Fres., am Tage 3 Fres., für jedes Boot zur Hülfeleistung 8 Fres. (dieselben 
werden vom Hafenmeister beordert), für das Dock öffnen und schliessen 3 Fres.; 
für das Festmachen der Tauce 4—5 Fres., Maklergebühren 50 Cts. pro ausgelie- 
ferte Tonne ä 1000 Kilo. ; 
Hafen-. und Kaigeld, sowie Localtaxe betragen 1 Fre. 60 Cts. pro Reg.- 
Ton. Schlepplohn von der Rhede nach dem Hafen 40 Cts., vom Quai de 
marte nach dem Dock 20 Cts., ausgehend nach See innerhalb 1 Sm 15 Cts. pro 
Reg.-Ton, so dass fast alle Schiffe 75 Cts. an Schlepplohn zu bezahlen haben. 
Sandballast. kostet 1 Fre. 50 Cts.. per Ton längsseit, jedoch kann man auf 
20.pCt. Gewichtsverlust rechnen, da der einzige Lieferant sich nicht auf das 
Wiegen. eiulässt. 
Eine Wasserleitung liegt an der Südseite des Docks, der Gebrauch der- 
selben kostet per 20 Kubikmeter 6 Fres.; das Wasser ist sehr kalkhaltig. 
Tagelohn 5 Fres., Zimmerleute 6 Fres. Proviant und Ausrüstungsgegen- 
stände. sind theurer, als in Hamburg, und vieles nicht zu haben. Für KEnt- 
löschung bezahlen die Kornschiffe 60 bis 100 Cts. pro 1000 Kilo. Mit Ladung 
ein- und Ballast ausgehend kann jedes grössere Schiff auf 5 Fres. pro Reg.- 
Ton rechnen. 
Einige allgemeine Bemerkungen möchten mir hier noch gestattet sein. 
Seitdem grössere, gewöhnlich mit Korn beladene Schiffe den Hafen von Calais 
besuchen, ist. derselbe fast immer überfüllt, so dass fast immer jedes Schiff am 
Quai de marte eine Zeitlang sowohl auf Platz, als auf Wasser warten muss. 
Nach dem hiesigen Hafengebrauch fangen die Liegetage nicht eher an, als bis 
das Schiff im Dock am Kai liegt. . 
Das Liegen am Quat de maree ist bei Nord- und NW-Wind sehr unan- 
genehm, wenn nicht gefährlich; schon manches Schiff hat hier bei stürmischem 
Wetter aus dieser Richtung bedeutenden Schaden erlitten; man löscht hier 
gewöhnlich (Kornschiffe) gegen eine Extravergütung einen Theil der Ladung, 
um den Tiefgang des Schiffes einigermassen.zu verringern, doch sitzen grössere 
Schiffe sowohl hier, als im Dock, bei Ebbe am Grund, bei Nippzeit oft tage- 
Jang. . Alle. Bemühungen, die Entlöschung deshalb etwas zu beschleunigen, 
blieben bis jetzt leider erfolglos, so lange das Schiff nicht im Dock am Kai
	        
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