110 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1934,
hinter diesem Betrage zurück; die von verschiedenen Stellen kommenden An-
gaben hierüber weichen stark voneinander ab. Beim Mond ist deshalb bei der
Geraden Aufsteigung sogar auf die Angabe der Zehntel-Minuten verzichtet worden,
Dies war möglich, denn die Angabe von 0.1° entspricht im Zeitmaß 0,4m, die
Beobachtung des Mondes (bzw, seiner Ränder) gilt aber allgemein für ungenauer
als die anderer Gestirne, Der Verzicht auf Genauigkeit erschien notwendig, um
bei den großen Schritten von 6 zu 6 Stunden die Einschaltarbeit nicht zu mühsam
zu machen, zumal deren Ergebnis keinen Gewinn gebracht hätte.
Die Beschränkung auf große Schritte war notwendig, um einen geringen
Umfang des Jahrbuches zu erzielen; beim Mond entschied auch die Unterbringung
auf einer Seite neben den Planeten auf der anderen Seite, Das Jahrbuch sollte
einerseits handlich sein, andererseits war die Herstellung des Manuskriptes nur
so mit den der Seewarte zur Verfügung stehenden Hilfskräften möglich, Auch
wäre die Drucklegung bei größerem Umfange an den Kosten gescheitert, Ohne
Drucklegung ist die Durchführung praktischer Versuche an vielen Stellen aber
anmöglich. Deshalb wurde zunächst auch darauf verzichtet, eine andere Form
der Angaben als im Nautischen Jahrbuch zu wählen, zumal das Jahrbuch in
dem vorliegenden geringen Umfang den praktischen Bedürfnissen vielleicht am
besten gerecht wird. Man kann sich die Berechnung der Höhen von Nacht-
gestirnen nämlich auch dadurch erleichtern, daß man eine nach Sternzeit regulierte
Beobachtungsuhr verwendet, Allerdings ist dann die Mitführung zweier Uhren
notwendig. Einfacher ist es daher, eine Uhr zu verwenden, die zwei Zeigerpaare
besitzt, deren eines mittlere Zeit, das andere Sternzeit angibt, wie sie von
E. Strömgren vorgeschlagen und von der Firma Cornelius Knudsen in
Kopenhagen in den Handel gebracht worden ist!),
Hiermit wird es überflüssig, statt der Geraden Aufsteigung den Stunden-
winkel (oder Zeitwinkel) für Greenwich in Gradmaß anzugeben, wie dieses zuerst
in Amerika in den “Lunar Ephemeris for Aviators” versucht worden ist, In
Deutschland forderte Immler die Verwendung dieses Gedankens in der Narvi-
gation?), die Deutsche Seewarte brachte diese Form unter den 1932 zusammen-
gestellten Vorschlägen. Zur Erprobung auf den Südflügen der Luft Hansa im
Frühjahr 1933 stellte die Seewarte handschriftlich Ephemeriden in verschiedener,
auch der letztgenannten Form zusammen®), Ein sicheres Urteil konnte dabei
aber nicht gewonnen werden, da die Flüge tagsüber stattfanden, mit den vor-
handenen Geräten in den benutzten Flugzeugen. (Dornier Wal) aber eine Beob-
achtung der Sonne bei ihrer großen Höhe fast unmöglich war. Diese Tatsache
lehrte, daß genügende Erfahrungen nur mit Ephemeriden, die durch Druck ver-
vielfältigt sind, gewonnen werden können, Für das Jahr 1933 gab das Naval
Observatory in Washington einen “Air Almanac’” mit dieser Form der Angaben
heraus. Als selbständiges Jahrbuch erschien er 1934 nicht wieder, dafür wurde
im “Nautical Almanach 1934” der Geraden Aufsteigung die Angabe des Stunden-
winkels in Gradmaß für MGZ. bei allen Gestirnen hinzugefügt nebst den not-
wendigen Hilfstafeln zum Einschalten, Diese Form eines Jahrbuches verdient
für Seeschiffe und Großflugzeuge Beachtung, für kleinere Luftfahrzeuge aber
ist sie zu umfangreich, die Genauigkeit übertrieben),
Die Seewarte wollte die Benutzung des Jahrbuches auch dadurch erleichtern,
daß bei der jetzt verwendeten Genauigkeit von 0.1° alle für einen Tag benötigten
Angaben auf einem Blatt zusammengefaßt wurden, Diese Blätter sollten in Form
eines Abreißkalenders zusammengeheftet werden, der in Teilen (z. B. zu je
zwei Monaten) geliefert wird. Dadurch wäre allerdings der Umfang des ganzen
Jahrbuches groß und die Druckkosten recht hoch geworden. Bei den jetzt
erschienenen Ephemeriden ist wenigstens für die veränderlichen Nachtgestirne
Alles für eine Nacht gültige in einer Zeile zusammengefaßt worden.
Eine Art Mittelweg zwischen der amerikanischen Form der Angabe und der
im Nautischen Jahrbuch üblichen wird mit KEinführung der Schraderschen
Zeitgleichung für Mond, Planeten und Fixsterne (X «— m Ca) eingeschlagen.
Ann. Hydr. 44, 5.333. — %) Ann. Hydr. 60, 8, 312. — % Ann, Hydr. 61, S, 181. — *) Referat
Ana, Hyrdr, 61, S. 397,