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Aus den Reiseberichten S. M. S. „Vineta‘, Kapt. z. See Zirzow.”)
Reise von Panama nach Acapulco vom 24. März bis 3. April 1880.
„Als Route wurde die Reise im gröfsten Kreise längs der mexikanischen
Küste gewählt; die Windverhältnisse erwiesen sich jedoch als sehr ungünstig;
mit Ausnahme weniger Stunden herrschten entweder totale Windstillen oder
sehr leichte Winde vor. Im Allgemeinen stimmten die in den Wind- und Strom-
karten und Segelanweisungen für die unter der mexikanischen Küste für diese
Jahreszeit angegebenen Wind- und Stromverhältnisse mit den thatsächlich vor-
gefundenen nahezu überein. In der Bucht von Panama setzte beim Aussegeln
ein starker südlicher Strom, während ein solcher auf der Hinreise nicht beob-
achtet wurde. Unter der Küste, westlich von Kap Mala, in ca 4 Sm Abstand,
wurde ein schr starker Weststrom angetroffen; dagegen wurde die nach den
Karten auf 7° N-Br von 80°—85° W-Lg setzende südöstliche Strömung nicht
vorgefunden, sondern hier ebenfalls eine starke Versetzung nach Westen hin
beobachtet. Starke Stromkabbelungen wurden auf“ dieser Reise fast täglich
beobachtet; einige derselben waren so stark, dafs das Schiff zeitweilig von
seinem Kurse abgebracht wurde.“
2. Bemerkungen über Acapulco.®)
„Acapulco wurde von Süden her angesteuert; die Ansegelung dieses
Hafens ist sehr einfach; die Insel Roqgueta mit ihren weithin sichtbaren schroffen
Abhängen von rother Erde ist eine sehr gute Marke, Die Einfahrt in den
Hafen kann mit Hülfe der Hafenkarte ohne jede Schwierigkeit ausgeführt werden.
Als Ankerplatz wurde der s. Zt. von S. M. S. „Elisabeth“ empfohlene gewählt,
welcher vor einem tiefen Sattel der den Hafen umschliefsenden Bergkette ge-
legen ist.
5 Während des dreitägigen Aufenthaltes S. M.S. „Vineta“ in dem Hafen
von Acapulco (vom 3. bis 6. April) erwiesen sich die Temperaturverhältnisse
günstiger, als sich nach den früheren Beschreibungen erwarten liefs; die Tem-
peratur stieg im Maximum zu 29° C. und betrug in der Nacht 24° und darunter.
Der äufsere Eindruck, den Acapulco jetzt auf den Beschauer macht, ist nicht
mehr so ungünstig, als s. Zt. von der „Klisabeth“ berichtet war. Wenn auch
die kleineren und unansehnlichen Häuser noch nicht durch neue ersetzt sind,
so wurden doch die Strafsen meist gut im Stande gefunden, und zeichneten
sich dieselben, besonders im Vergleich mit denjenigen in Callao und Panama,
durch Reinlichkeit aus. Als Ausrüstungshafen für Kriegsschiffe eignet sich aber
Acapulco weniger als Panama.“
3. Reise von Acapulco nach Honolulu vom 6. bis 26. April 1880.
„Bis zu der Inselgruppe Revilla-Gigedo herrschten leichte West- bis SW-
Winde oder Stillen; erst in der Nähe derselben kam eine nördliche Briese auf,
und kurz nach dem Passiren der Insel Clarion, der westlichsten dieser Gruppe,
am 13. April nahm der bis dahin leichte und meist nur zur Tageszeit wehende
N-Wind den Charakter des Passats an, indem er zur Stärke 6 anuffrischte.
Gleichzeitig bedeckte sich der Himmel mit dem diesen Wind kennzeichnenden
Gewölk, und hat somit „Vineta“ den NE-Passat in 18° N-Br und 116° W-Lg
angetroffen.
Im weiteren Verlauf der Reise zeigte sich der Passat sowohl in Richtung
als Stärke sehr unbeständig; von 116° W-Lg und 18° N-Br bis 133° W-Lg
und 20° N-Br wehte derselbe sehr frisch, 5—6, aus N bis NE bei stets be-
decktem, drohend aussehendem Himmel. Auf 20° N-Br jedoch ging der Wind,
begleitet von starken Regenböen, bis auf E und wurde in seiner Stärke sehr
unbeständig; dabei war eine hohe Dünung aus NW bemerklich; ca 200 Sm
östlich von Hawaii nahm der Passat eine südliche Richtung an und wehte zu-
weilen sogar aus SE. Bei beständig bedecktem Himmel waren Regenschauer,
besonders in der Nacht, sehr häufig.
”ı S. „Ann, d. Hydr. etc.“, 1880, pag. 256.
2 S. Findlay’s „North Pacific Directory“ (1870), pag, 92 ff.