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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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11. Februar, befand sich also längere Zeit in diesem Meeresstriche, hatte oft 
helles Wetter, sah aber kein Eis. Die Temperatur der Luft war oft unter 0° 
und fiel bis — 6° C.; die des Wassers war am niedrigsten in 45° N-Br und 
50° W-Lg, wo sie — 1,0° C. erreichte, 
Die Berichte lassen erkennen, dafs in der orsten Zeit des Aufiretens die 
züdliche Grenze des Eises in einer Verschiebung nach Süden hin begriffen war. 
Am 19. Februar befand sich der südlichste Berg auf 44° 52‘ N-Br in 48° 2‘ W-Lg, 
am 21. März auf 43° 0’ N-Br in 50° 0‘ W-Lg, ‘am 3. April auf 42° 10‘ N-Br 
in 50° 41‘ W-Lg und am 3. Mai auf 41° 0‘ N-Br in 48° 25‘ W-Lg. Das Fort- 
schreiten der Eisgrenze war ein sehr langsames; es betrug etwa 4 Sm im Etmal. 
In 41° N-Br hatte das Eis das Gebiet des Golfstroms erreicht, und noch 
Anfang Mai war hier beständig Eis vorhanden. Obgleich es nach Mitte Juli 
sehr spärlich auftrat, und obgleich die letzten Nachrichten, welche bis zum Anfang 
September reichen, nach Ende Juli kein Antreffen von Eis mehr melden, so 
bleibt doch abzuwarten, ob thatsächlich mit dem Datum des letzten Berichts, 
welcher in der nachstehenden Tabelle aufgeführt ist, das Auftreten von Eis in 
der Umgebung von Neufundland für dieses Jahr aufgehört hat.) 
In sehr vielen Fällen. war die Annäherung an das Eis durch das Thermo- 
meter angezeigt, besonders war dies bei dem im Süden der Neufundland-Bank an 
der Kante des Golfstromes und in demselben treibenden der Fall. Die Isothermen 
des Oberflächenwassers verlaufen bekanntlich im Süden von Nexfundland nicht in 
geraden Linien von W nach O, sondern zeigen in etwa 50° W-Lg eine südliche 
Einbuchtung. Diese südliche Einbuchtung war in der in Frage stehenden Zeit 
besonders deutlich ausgeprägt, wie sich aus den folgenden Beobachtungen 
einiger Schiffe, welche hier auf der Rückreise von den Vereinigten Staaten mit 
Ost- bis ONO-Kurs passirten, ergicebt. Am 16. April, in 41,4° N-Br und 51° W-Lg, 
fiel die Temperatur des Wassers plötzlich von 16° auf 3,5° und stieg bis zum 
nächsten Tage, in 42,4° N-Br und 47,5° W-Lg, wieder adlf 13° C. Am 2. und 
3. Mai wurde beobachtet: in 41,4° N-Br und 50,4° W-Lg 16,3° C., in 41,5° N-Br 
und 49,8° W-Lg 45° C. und in 41,6° N-Br und 484° W-Lg 16,0° C. Am 
3. und 4. Juni fand man die Temperatur des Oberflächenwassers in 40,3° N-Br 
und 51° W-Lg zu 19° C,, in 41,4° N-Br und 48° W-Lg zu 8° C. und in 41,8° N-Br 
und 47° W-Lg zu 18° C. Noch einen Monat später wurde am 5. Juli in 
40,0° N-Br und 53° W-Ly 24° C., am 7. Juli in 41,5° N-Br und 48° W-Lg 
23° C. und dazwischen am 6. Juli 16° C. beobachtet. Beiläulig bemerkt, ergicbht 
sich aus diesen Boobachtungen die Zunahme der Temperatur des Oberflächen- 
wassers an dem Orte 41,5° N-Br und 48° W-Lg für die Zeit von Anfang Mai 
bis Anfang Juli zu 7° C. Die "Temperatur des kälteren Wassers in ctwa 
50° W-Lg hatte während derselben Zeit um beinahe 12° C, zugenommen.*) Was 
im Uebrigen die Temperaturverhältnisse in der Nähe des Eises anbetrifft, so 
sind alle Angaben hierüber, welche mitgetheilt wurden, in die Tabelle auf- 
genommen worden, und mufs in Bezug hierauf auf diese verwiesen werden. 
Die beigegebeuen Karten lassen deutlich erkennen, dafs die erwähnte 
südliche Einbuchtung der Isothermen, dieser Golf kalten Wassers, in den letzten 
Monaten vorzugsweise der Aufenthaltsort von Kisbergen war. Was diese Stelle 
für die Schiffahrt so sehr gefährlich macht, ist einmal ihre südliche Lage, 
recht in der Route der von den Vereinigten Staaten heimkehrenden Schilfe, 
und dann auch der Umstand, dafs sie fast beständig von dichtem Nebel bedeckt 
ist, während Ost und West davon über dem wärmeren Wasser helleres Wetter 
herrscht. 
Zum Schlusse mag es noch gestattet sein, auf die ungewöhnliche Milde 
des letzten Winters im östlichen Theile Nordamerika’s hinzuweisen, als eine 
günstige Bedingung für das ungewöhnlich häufige und insbesondere ungewöhnlich 
frühzeitige Auftreten des Treibeises in den Mittelbreiten des Nordatlantischen 
Oceans.3) 
3) Einem nachträglich eingegangenen Berichte zufolge wurde im Norden der Neufundland- 
Bank noch um den 10, August d. J. Eis gesichtet. Siehe den Schlufs der nachträglichen Notizen, 
2) Hierzu ist jedoch zu bemerken, dafs nach Ausweis anderer Journale in diesem Meeres- 
strich auch noch Anfang Juli einzelne Stellen von freilich geringer Ausdehnung vorkamen, in welchen 
Temperaturen so niedrig als 10° C, beobachtet wurden. 
3) S, diese Annalen 1880, pag, 218 und 277,
	        
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