Uebersicht der Witterung des Monats Mai 1880
in Nordamerika und Centraleuropa.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Signal Office“ in Washington
und der von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Uebersicht der Witterung,
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungs-Charakter des Monats
Mai 1880 in Nordamerika und Centraleuropa- einander gegenüber.
Vergleichende
Nordamerika.
1. Das hohe Monatsmittel des
Luftdrucks (765mm, 2mm über normal)
in Carolina und das sehr niedrige
(756mm, 4mm unter normal) in Da-
kota und Minnesota. Die monatliche
Barometerschwankung nahm von 10mm
an der Südgrenze nach N hin auf
25mm an den Seen zu.
Centraleuropa.
1. Ein durchschnittlich vom nor-
malen wenig abweichendes, von West
nach Ost von 764 auf 760mm ab-
nehmendes Monatsmittel des Luft-
drucks. Die Schwankung des Baro-
meters betrug 17—21mm und war im
Süden gröfser, im Norden kleiner als
normal.
2. Die im nördlichen Theile des
Gebiets ungewöhnlich geringe Zahl
ausgebildeter barometrischer Maxima
und Minima; keines der Iletzteren
konnte über die ganze Breite des
Kontinents verfolgt werden, obwohl
3 derselben das Felsengebirge von W
her überschritten. Das bemerkens-
wertheste Depressionscentrum, seiner
Intensität und seiner, im Mai bisher
noch nicht beobachteten, Bahn nach
war jenes, welches am 3.—6, auf dem
Meere längs der Süd- und Ostküste
der Vereinigten Staaten nach Neu-
fundland fortsechritt.
2. Die bedeutende Zahl südlich
der Alpen vorüberschreitender und
den südlichen Theil Centraleuropa’s
streifender Depressionen, deren 7
unterschieden werden konnten; die
übrigen barometrischen Minima be-
wegten sich gröfstentheils über Skandi-
navien, nachdem sie z. Th. (3 Minima)
erst auf dor Nordsee entstanden
waren.
3. Das der mittleren Druckver-
theilung entsprechende Vorwalten süd-
licher Winde in der ganzen Osthälfte
der Union, nordwestlicher an der
pacifischen Küste; und die außer-
gewöhnlich grofse Anzahl starker Tor-
nados in den Tagen vom 9.—10. und
vom 20.—29.
3. Das der mittleren Druckver-
theilung entsprechende Vorwalten
nördlicher (NW- oder NE-) Winde
und die Seltenheit südlicher Winde
im ganzen Gebiet. Bemerkenswertle
Stürme sind in diesem Monat nicht
berichtet worden.
4. Die hohe Wärme im östlichen
Theile der Vereinigten Staaten, und
die niedrige Temperatur im nordwest-
lichen Theile derselben. In den cen-
tralen und den mittleren atlantischen
Staaten war es der wärmste Mai seit
vielen Jahren. Durch Eis war die
Schiffahrt nur im westlichsten Theile
des Oberen Sees, und zwar bis zum
19. Mai, behindert. Die Abweichungen
der Mitteltemperatur des Monats von
der Normalen betrugen für die ein-
zelnen Distrikte:
4, Die (mit Ausnahme Dänemarks)
tiefe Mitteltemperatur des Monats und
die grofsen Temperaturschwankungen;
die verheerenden Fröste vom 8.-—11.
und besonders vom 18.—20., und die
drei kurzen Wärmewellen, welche
Centraleuropa am 5., 14.—16. und
26.—28, durchzogen; die letzte der-
selben brachte Norddeutschland un-
gewöhnliche Hitze und war von einer
äufserst raschen Abkühlung durch die
von der Nordsee und dem Ocean ein-
brechende kalte Luft gefolgt, welche
10° bis 17° C. in 24 Stunden betrug.
Die Abweichungen des Monatsmittels
von der Normalen betrugen: