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wurden. Auch sahen wir mehrere helle Stellen im Wasser, die wir nach
Möglichkeit vermieden, Punta do Mel ist eine steil abfallende röthliche Klippe;
sie macht sich aufserdem dadurch bemerkbar, dafs an ihrem Fuße eine Reihe
von Bäumen, anscheinend. Palmen,. steht. . ;
Der Wasserstand auf der Barre des Flusses ist bei gewöhnlichem Niedrig-
wasser 9 Palmas (2m, 6 Fufs 8 Zoll engl.), bei gewöhnlichem Hochwasser
16 Palmas (3,7m, 12‘ engl.); bei Neumond steigt das Wasser bis 20 Palmas
6m 15‘ engl.) und. bei Vollmond sogar bis 22 Palmas (5m, 16’ 6“ engl.).
er Lotse rechnet 5 Palmas für das Durchsetzen auf der Barre, weswegen
„Lili“ mit 15 Palmas Tiefgang erst mit der Springzeit hinüber kommen konnte.
Es ist Hochwasser bei Neu- und Vollmond um 5% .
Wir passirten die Barre einkommend am 25. März um 5* p.m. Vor
derselben liegt eine Boje, auch sind‘ einige Baken ‚zur Bezeichnung des Fahr-
wassers vorhanden. Der Verlauf des. Fahrwassers ist ein so gewundener, dafs
eine Beschreibung. ohne die Karte kein Bild davon zu geben im Stande ist.
Einmal in den Flufs gelangt, findet man einen sehr guten Ankerplatz mit 5,5m
(3 Fad.) Wassertiefe.
Der Ort ander Mündung, Barra do Mossoro, auch Area blanca genannt,
wird von einer einzigen Reihe Häuser am Strande gebildet, mit Palmenhütten
im Hintergrunde. Bis auf das Zollhaus und eine Kapelle, die im Bau befindlich
sind, hat Alles nur ein ärmliches Aussehen. Die Stadt Mossoro' selbst liegt
16 Leguas flufsaufwärts, Der Fluß ist dort so ‚seicht, dafs man gewöhnlich
nicht einmal mit einem Boote und .bei Hochwasser. bis an. die Stadt gelangen
kann. Die Ufer sind mit Bäumen und Schlinggewächsen bestanden; hinter den-
selben befinden sich grofßse Sümpfe, |
Proviant ist theuer, und viele. Artikel sind gar nicht erhältlich; selbst
das Trinkwasser mufs, wenn es nicht regnet, meilenweit geholt werden und ist
für den Ungewöhnten kaum geniefsbar.
Das Klima fanden. wir ganz gesund, auch sagten mir die Eingeborenen,
dafs das gefürchtete gelbe Fieber selten vorkäme. Indessen war es innerhalb
der Barre, und insbesondere in der windstillen Zeit zwischen Land- und See-
briese, sehr heifs. Das Thermometer stieg alsdann bis 30° und sogar bis 34° C.
Die Landbriese setzte gewöhnlich bald nach Mitternacht ein, erreichte ihre
gröfste Stärke um 8*:a.m. und starb nach. 10* a. m. ab. Die Seebriese war
am stärksten zwischen 8 und 10 p. m. und wehte sehr erfrischend. Während
unserer Anwesenheit (März und April 1880) hatten wir sehr oft Regen, nachdem
es vorher in drei Jahren nach Aussage der Einwohner gar nicht geregnet
hatte. Gewöhnlich kam der Regen in der Nacht mit Gewittern, welche im S
bis SO aufstiegen, und es folgte auf eine regnerische Nacht in den Morgen-
stunden meistens ein frischer Landwind aus S bis SW. Bei klaren Nächten
blieb der Landwind mitunter ganz aus oder war doch nur sehr schwach. Die
Richtung der Seebriese war ENE bis NNE.
Am 26. April um 7" a.m. kamen wir mit .dem Landwinde wieder in See.
Wir folgten beim Aussegeln nicht dem richtigen Fahrwasser, sondern gingen
mit 2,7m (9 Fufßs) Tiefgang über eine Bank hinweg, auf welcher damals bei
der Springfluth 3,5m (11 bis 12 Fufs) Wasser stand. Um dem Fahrwasser beim
Aussegeln folgen zu können, mufs man den Wind schon SW haben oder sich
von dem Postdampfer schleppen lassen, da man dabei streckenweise SO-Kurs
halten mufßs.
Es muß hier noch davor gewarnt werden, in der Nähe der Flufsmündung
an der Seeküste eine Landung mit dem Boote zu versuchen. Es befindet sich
freilich auf beiden Seiten ein sandiger Strand, aber auf den meisten Stellen
liegen demselben Korallenriffe. vor, auf welchen das Boot entzwei gestofsen
würde.
Ann. d. Hyär., 1880, Heft YIH (Angust).