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leichtem südöstlichem Zuge und trat später nur in mäfsiger Stärke auf. In
9,4° N-Br und 26,5° W-Lg hörte der Passat zu wehen auf. Südlich desselben
wurde zunächst veränderlicher südöstlicher Zug und Windstille und schliefslich
in 7° N-Br und 26° W-Lg leichter südwestlicher Monsun, den aber doch schon
eine bedeutende, an einem Tage 45 Sm betragende Ostströmung begleitete,
gefunden. Als „Joseph Haydn“ 4,5° N-Br in 20° W-Lg erreicht hatte, wurde
dort am 1. Juli gewendet, und vier Tage später konnte in 25,5° W-Lg die Linie
überschritten werden. Die Strecke von 50° N-Br bis zu diesem Punkte war in
35 Tagen zurückgelegt und in dieser Zeit 40° N-Br in 14,9° W-Lg am 8, Juni,
30° N-Br in 19,6° W-Lg am 15, Juni, 20° N-Br in 24,8° W-Lg am 19. Juni
and 10° N-Br in 26,4° W-Lg am 23. Juni gekreuzt worden, Am 20. Juni
passirte die Bark in geringer Entfernung von der Insel San Antonio; doch
wurde dieselbe wegen des in der Nähe der Kap Verde-Gruppe so aufserordent-
lich häufigen stark dunstigen Zustandes der Luft nicht gesehen.
Im Südatlantischen Ocean wurde auch kein frischer beständiger Passat
und die polare Grenze desselben schon in der Nähe von 18,5° S-Br und
34° W-Lg angetroffen. Südlich dieses Punktes herrschte leichter östlicher Zug
und Stille, später noch wieder leichter südöstlicher Wind, der sich schliefslich
in ungefähr 26° S-Br und 32,5° W-Lg nordöstlich drehte. Nordnordöstlicher
und nordnordwestlicher Wind, der zeitweise recht kräftig wehte, führten die
Bark dann nach 35° S-Br in 13° W-Lg, und der übrige Theil der Strecke
bis zum ersten Meridian wurde bei veränderlichen westlichen Winden zurück-
gelegt. Nachdem 10° S-Br in 31,2° W-Lg am 9. Juli, 20° S-Br in 32,7° W-Lg
am 15. Juli und 30° S-Br in 29,5° W-Lg am 21. Juli gekreuzt worden war,
zing „Joseph Haydn“ am 31. Juli in 38° S-Br von westlicher in östliche Länge
über. Die Zurücklegung der Strecke vom Aequator bis zu diesem Punkte hatte
26 Tage erfordert.
Beim Ablaufen der erforderlichen Länge hielt Kapt. Rabbe sich zwischen
42° und 43° S-Br, wo vorherrschend mäßige Westwinde, aber auch Nord- und
NNE-Winde angetroffen wurden. Von Stürmen wurde die Fahrt nicht beunruhigt.
Am 19. August, 19 Tage später, als der erste Meridian verlassen worden war,
kreuzte die Bark in 41,2° S-Br den Meridian von 80° Ost.
Stürmischer als beim Ablaufen der Länge fand „Joseph Haydn“ die
Winde auf dem Wege von 80° O-Lg zum Passatgebiet. Schon am Tage des
Ueberschreitens dieses Meridians wehte ein stürmischer Nordwind, welcher am
nächsten Tage, nachdem der Luftdruck auf 741,3mm gesunken war, nach WNW
amsprang und aus dieser Richtung für kurze Zeit orkanartig wehte. Am näch-
sten Tage krimpte, obgleich das Barometer etwas stieg, der Wind wieder, blieb
jedoch stürmisch, Am dritten Tage fiel das Barometer auf 747,4mm, und scho(s
dann der orkanartig wehende Wind nach West aus. Die Bark, welcher die
Fock schon weggeflogen war, mulste der außergewöhnlich hohen nördlichen See
wegen, welche auf Deck grofßse Zerstörungen anrichtete, beigedreht werden.
Heftige elektrische Entladungen und Hagelfall begleiteten beide Stürme. Noch
ein drittes Mal krimpte und drehte später rechtlaufend der Wind zurück, doch
beobachtete man in diesem Falle nur für kurze Zeit die Windstärke 10. Aus
dem kräftigen SW-Winde, welcher all diesem Unwetter folgte, entwickelte sich
endlich durch Drehen des in unverminderter Stärke herrschenden Windes durch
Süd nach SE der Passat. Nicht weit von 28° S-Br in 103° O-Lg lag an-
scheinend dessen Grenze. Nördlich von ihr wurde bis nach 20,5° S-Br frischer
Wind angetroffen. Von dieser Breite führte flauere Briese den „Joseph Haydn“
nach 11° S-Br in 105° O-Lg. Hier, wo der Passat ein Ende gefunden hatte,
folgte auf kurze Stille leichte veränderliche östliche Briese, bei welcher die
noch vorliegende Strecke bis zur Sunda-Strafse zurückgelegt werden mufste.
Am 10, September, dem 103. Tage nach dem Passiren von 50° N-Br, befand
„Joseph Haydn“ sich in Sicht von Java Head, und am nächsten Tage erreichte
die Bark die Sunda-See, Auf dem östlich von 80° O-Lg liegenden Theil der
Reise war 30° S-Br in 103,4° O-Lg am 28. August, 20° S-Br in 103,8° O-Lg
am 31. August und 10° S-Br in 104° O-Lg am 6. September geschnitten worden.
In der Sunda-See herrschten leichte veränderliche südliche und östliche
Winde, und bewogen diese letzteren Kapt. Rabbe, den Weg durch die Banka-
Strafse einzuschlagen. Dieselbe wurde am 13. und 14. September durchsegelt,