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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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lagerten sich, sowohl auf dem Meere, als auf dem Lande, die kondensirten 
Wasserdämpfe in Gestalt von Eisstückchen ab und zuweilen, allerdings selten, 
als kleine Krystalle, 
Die südlichen, namentlich die SE-Winde waren während der Ueber- 
winterung der Vega- Expedition die wärmsten und feuchtesten, infolge ihres 
Ursprunges über dem warmen Kuro-siwo, und traten zuweilen in Form von 
atmosphärischen Wirbeln auf. Der bedeutendste dieser Wirbel war der vom 
31. Dezember 1878, wenn er auch nicht als wirklicher Orkan zu bezeichnen ist. 
Zuerst drehte er sich gegen die Sonne, nachher mit ihr und zuletzt wieder 
yegen sie; er begann am 30. Dezember um 5* a. m. mit SSW-Wind und einem 
Barometerstande von 749mm; am 31. Dezember, 2* a. m., wehte der Wind aus 
SE bei einem Luftäruck von 729,2mm; um 7% a, m. war der Wind NE und 
drehte um 9% am. durch E und S nach SW, aus welcher Richtung er mit 
seiner gröfsten Stärke wehte (46 Sm die Stunde oder 8 nach Beauf. Skala), 
alsdann drehte er bis 6" a. m. am 1. Januar 1879 wieder durch S nach ESE 
zurück. 
Auch in der Repulse-Bai (in 66'2° N-Br und 87° W-Lg) weht nach den 
Beobachtungen des Dr. Rae 1846/47 und 1853/54 (s. „Contributions ete.“, I, 
pag. 33) das ganze Jahr hindurch vorherrschend der Wind aus N, NNW und 
NW und mit einer ziemlich grofsen mittleren Stärke, 6, also als starker Wind. 
Winde von der Stärke 8 und darüber wurden von Dr. Race während der 
Kampagne 1846/47 bei den Beobachtungszeiten 7" a. m., 1° p.m., 72 p.m. im 
Ganzen 166 Mal (am häufigsten im Januar, März und Oktober, am seltensten 
im Februar und April) und während der zweiten Ueberwinterung 1853/54 
160 Mal (am häufigsten im März, Mai, Oktober und Dezember, am seltensten 
im Februar und November) beobachtet. Schneetreiben trat fast immer ein, 
sobald der Wind die Stärke 6 und darüber erreichte, namentlich in der Zeit 
von Oktober bis März; im April, Mai und September fiel nur wenig Schnee 
und im Juni und Juli gar keiner. 
Die Windvertheilung in den beiden Winterquartieren der letzten englischen 
arktischen Expedition unter Sir G. Nares (der „Alert“ zu Floeberg-Beach in 
82’'/2° N-Br vom 1. September 1875 bis 31. Juli 1876 und der „Discovery“ in 
der Discovery-Bai in 81,7° N-Br vom 25. August 1875 bis 20. August 1876) ist 
nach den stündlich angestellten Beobachtungen aus nachstehender Tabelle 
(S. „Voyage to the Polar Sea etc.“, Vol. II, App. No. XVIII, pag. 355) zu 
ersehen. Besonders bemerkenswerth ist der grofse Procentsatz von Stillen an 
beiden Orten, besonders in der Discovery-Bat; man könnte fast sagen, dafs 
beide Schiffe an dem Rande eines völlig windstillen Oceans überwintert hätten. 
Zu Floeberg-Beach wehte der Wind vorzugsweise aus dem Quadrant von SW—NW, 
also überwiegend westlich; ohne die Stillen, welche ihn so häufig unterbrachen, 
könnte Man ihm den Charakter eines beständigen Passates zusprechen; dieser 
ruhige Zustand der Atmosphäre begünstigte auch sehr die Eutwickelung so 
hoher Kältegrade, wie sie anderswo in den arktischen Gegenden noch nicht 
beobachtet worden sind (vgl. Tabelle pag. 391, und „Office. Rep. ete.“, pag. 45). 
Der einzige Sturm, welcher in der Discovery-Bai beobachtet werden 
konnte (zu Floeberg- Beach wurde überhaupt kein Sturm wahrgenommen), trat vom 
4. bis 5. Februar 1576 ein und erreichte die Stärke 10 (s. nachstehende Tabelle). 
Der Kommandant der „Discovery“, Kapt. Stephenson, berichtet über den- 
selben (s. Parliam. Pap.: „Arctic Expedition 1875-—76 ete.“, C. 1636, pag. 51), 
wie folgt: „Am 4. Februar in der Mittelwache (also nach Mitternacht) setzte 
ein NE-Sturm, mit fallendem Barometer, ein; der Wind drehte dabei rund um 
den Kompafs mit schr heftigen Böen. Die Luft war so stark mit Schneetreiben 
beladen, dafs man sich nicht aufserhalb des Schiffes aufhalten konnte, und die 
Beobachtungen au dem Deklinometer unterbrochen werden mußten. Der Sturm 
hielt mit größerer oder geringerer Stärke bis in die Nacht des 5. Februar an, 
wobei er in schr heftigen Stöfsen wehte; die Luft war dick, der Himmel 
bedeckt und alles rings um das Schiff mit hohem Schnee bedeckt; die Temperatur 
schwankte an diesem Tage zwischen — 245° und — 16,7°.“
	        
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