305
zweistündlichen: Temperaturbeobachtungen sind die monatlichen Temperatur-
mittel in dem Northumberland-Sund:
1853 ; 1852
— A ge m ven ————————
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Jahr
—39,2 —33,4 —27,5: —22,9 —9,4 —0,1 4-26 +1,22 —75 —185 —20,3 —34,5 —17,4
Gleichzeitige Beobachtungen an den nahegelegenen Küsten ergaben für
die Monate Dezember bis Februar um 1—2° niedrigere Temperaturen, ähnlich
wie bei Serdze kamen (s. pag. 392). ;
Das absolute Minimum, — 49,4°, war am 12. Januar 1853 bei Windstille,
und das Maximum, + 13,9°, am 13. Juli 1853, ebenfalls bei Windstille. Die
jährliche Amplitude betrug also 63,3°.
Der Hafen von Kennedy, in 72° 1‘ N-Br und 94° 14‘ W-Lg, in welchem
die Dampf-Yacht „Fox“, Kapt. Mc Clintock, 1858/59 überwinterte,-- liegt an
dem Ost-Eingange der Bellot-Strafse, welche die Wasserverbindung zwischen
Prince Regents-Einfahrt und dem Franklin-Kanal bildet und den äufsersten nörd-
lichen Theil des amerikanischen Kontinentes, oder Boothia felix, von .Nord-
Somerset trennt. Die von Ch. A. Schott in den „Smithsonian Contributions“
No. 144 aus den vierstündlichen Beobachtungen berechneten Monatsmittel sind
(s. „Contributions ete.“, II, pag. 245):
1858
- A
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug... Sept. Okt. Nov. Dez. Jahr
—37,1 —385 —27,9 —19,7 —9,6 +18 +45 +33 —35 —141 —24,4 —36,7 —168
[859
Die Temperatur-Extreme bewegten sich zwischen -— 45,4° am 20. Januar
1859 und +4 12,8° am 29. Juli 1859; die Jährliche Amplitude betrug
also 58,2°.
2. Winde. Die vorherrschende Windrichtung zu Serdze kamen war von
November bis Mai, mit Ausnahme einer kurzen Zwischenzeit im Januar, NW;
die grofse Beständigkeit in Richtung und Stärke gab dem Winde den Charakter
eines Monsuns; seine mittlere Geschwindigkeit war 15 Sm die Stunde (2—3 nach
Beauf. Skala); zuweilen erreichte sie 534—40 Sm (6—7 nach Beauf. Skala).
Diese NW-Winde waren auch sehr kalt, infolge ihres Ursprunges in dem nord-
sibirischen Gebiete hohen Luftdrucks und niedriger Temperatur. Ein solcher
Wind, besonders wenn er etwas stärker wehte, war bei einer Temperatur von
unter — 30° sehr lästig, wenn man den 1'/akm langen Weg zwischen dem
Schiffe und dem Observatorium am Lande zurücklegen mufste, und geradezu
gefährlich, wenn man ihn im Gesicht hatte und entblößte Theile des Gesichtes
oder der Hände ohne die nöthige Vorsicht der kalten Luft aussetzte. Gleich-
wohl fand bei NW-Wind zuweilen eine anomale Temperatur statt, und dies
erfolgte gewöhnlich bei einem aus Süd herannahenden. Wirbel.
Das Vorherrschen des NW-Windes ist für die Bewohner Nordsibiriens
in gewisser Beziehung von Nutzen; dieser Wind hebt nämlich don frisch gefallenen
Schnee in grofsen Wirbeln in die Höhe und lagert ihn, nachdem er ihn für
einige Zeit herumgedreht hat, in langen, unter sich parallelen, der Windrichtung
entsprechenden Wellenlinien ab, deren Länge von der Stärke des Windes ab-
hängt. Diese Schneewellen werden von den Sibiriern „Sastrugi“ genannt; sie
sind dem Reisenden, welcher die weit ausgedehnten Tundra’s von Nordstbirien
durchstreift, ein willkommener Wegweiser, in welcher Richtung man diese
Schneeanhäufungen durchschneiden mul, um von einem Orte zum anderen sicher
zu gelangen,
Die NW- und NNW-Winde sind gewöhnlich trocken und meist von
heiterem Himmel begleitet; dagegen führen die Winde aus NE und ENE viel
Schnee mit sich; nichtsdestoweniger war die Masse des gefallenen Schnees nicht
sehr bedeutend, und während der kältesten Jahreszeit (von November bis Mai)