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Die während der Ueberwinterung der „Vega“ in der Bucht bei Serdze
kamen gewonnenen Ergebnisse sind nicht nur wegen der Anzahl und Genauig-
keit der angestellten Beobachtungen von grofsem Werthe, sondern auch hin-
sichtlich der Oertlichkeit derselben. Zwischen zwei grofsen Kontinenten und
zwei grofsen Oceanen gelegen, von denen der eine warm und im Gebiete eines
niedrigen Luftdruckes ist, der andere eiskalt und von hohen Isobaren durch-
zogen wird, müssen an der nördlichen Mündung der Bering-Strafse die meteoro-
logischen Faktoren erheblichen Schwankungen unterliegen, und die Beobach-
tungen der Vega-Expedition bei Serdze kamen haben das auch vollauf bestätigt.
Temperatursprünge von mehr als 15° C. innerhalb von wenig über 24 Stunden
waren nicht selten, die Quecksilbersäule des Barometers war in beständiger
Bewegung und ging oft plötzlich von einem Minimum zu einem Maximum über,
und umgekehrt. Starke Winde und Böen aus den drei ersten Quadranten traten
sehr häufig auf und waren bei dem Verkehr zwischen dem Schiff und dem
Lande oft sehr lästig. Vom 1. Oktober 1878 bis zum 1. April 1879 wurden
jede Stunde, und von diesem Tage an alle vier Stunden regelmäfsig meteoro-
logische Beobachtungen angestellt, welche den ersten Beitrag zur Kenntnifs
der klimatologischen Verhältnisse der Techuktschen-Halbinsel bilden, die das
Sibirische Eismeer von dem Stillen Ocean trennt. Das Studium des Verhaltens
der monsunartigen NW-Winde, die namentlich im Winter bei Serdze kamen vor-
herrschten (s. pag. 395), kann bei näherer Diskutirung derselben von Bedeutung
für die Kenntnifs der klimatischen Verhältnisse Sibiriens im Allgemeinen und
im Besonderen für die Erforschung der Windverhältnisse an den Küsten von
China und Japan werden,
In dem „Bollettino etc.“, pag. 829—833, hat Lieut. Bove für jeden Tag
vom 1. Oktober 1878 bis 30. Juni 1879 nach den Beobachtungen an Bord der
„Vega“ die mittleren, höchsten und niedrigsten Temperaturen, die mittleren auf
0° reducirten Barometerstände und die während des laufenden Tages statt-
gehabten Wind- und Wetterverhältnisse verzeichnet.
Für die astronomischen und magnetischen und verschiedene meteorologische
und physisch-geographische Beobachtungen wurden an Land bei dem Zeltplatz
Pitlekar (s. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1880, pag. 248) Observatorien errichtet und
Apparate aufgestellt, theils im Freien, theils in geschützten Zelten oder in aus-
gehöhlten Eisräumen; eine bequeme Strafse verband die Landstationen mit
dem Schiff,
1. Temperatur. Wir geben in nachstehender Tabelle zunächst die an
Bord der „Vega“ beobachteten mittleren, niedrigsten und höchsten Temperaturen
(in °C) und zum Vergleiche einige während früherer Ueberwinterungen in den
arktischen Zonen gewonnene Ergebnisse.
überhaupt der physikalischen Verhältnisse der Polargebiete und der unmittelbar an dieselben an-
grenzenden Zonen der Erde nach einem gemeinsamen, durch internationale Uebereinkunft festzu-
setzenden Plane. Diese Untersuchungen sind vorzugsweise an bestimmten Stationen und in fixen, an
denselben zu errichtenden und zur selben Zeit in Thätigkeit befindlichen Observatorien auszuführen“
(s, Bericht über die Hamburger Polar-Konferenz von Dr. G. Neumayer, 1880, pag. 4). Als
solche sind von der Konferenz einstimmig vorgeschlagen; I. Auf der nördlichen Hemisphäre:
1. Spitzbergen, 2. Finnmarken (Nordkap), 3. Nowaja Semija, 4. Lena-Mündung, 5. Point Barrow,
5. ein Ort im amerikanisch-arktischen Tasel-Archipel, 7. Upernivik (West-Grönland), 8, Jan Meyen
oder Ostküste Grönlands, II. Auf der südlichen Hemisphäre: 1. Süd- Georgien - Insel,
2. Kerguelen-Insel, 3. Auckland- oder Campbell-Inseln, 4. Balleny-Inseln, wenn die Landung an den-
selben sich als möglich erweisen sollte. Die Wahl der Stationen auf der nördlichen Halbkugel ist
getroffen worden „in Anbetracht der Wichtigkeit der Gebiete im Westen und Norden von Europa
für die meteorologischen Verhältnisse der Nordhemisphäre und bei der Bedeutung, welche die Er-
forschung des Einflusses des Gürtels gröfster Intensität und Frequenz der Nordlichter auf den Charakter
der Bewegungen in den magnetischen Elementen der Umgebung haben mufs“ (ib.). Für die Wahl
der Beobachtungsstationen auf der südlichen Halbkugel war die schon früher von Prof. Neumay er
hervorgehobene (s. „Hydr. Mitth,“, 1874, pag. 151 u. s. w.) und seitdem allgemein anerkannte „Wichtig-
keit gleichzeitiger magnetischer Beobachtungen in den arktischen und antarktischen Gegenden für
die Erweiterung der Kenntnifs des Charakters der magnetischen Störungen und systematischer
meteorologischer Beobachtungen in höheren südlichen Breiten“ mafsgebend. Hinsichtlich des
Zeitpunktes der Ausführung der Beobachtungen sind die Jahre 1881 und 1882 in Aussicht genommen
worden, Näheres über die Beschlüsse der Hamburger Polar-Konferenz, ihre Motive und die sich
daran knüpfenden Diskussionen s, Neumayer’s Bericht etc. und den Vortrag des Kapt, z. See
Frhr. von Schleinitz über diesen Gegenstand in der Sitzung der Ges, f. Erdk, zu Berlin am
5, Juni 1880; „Verhandlungen etc.“, 1880, No, 6, pag. 187—9208.