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erreichte. Zwischen 30° und 22° S-Br, auf welcher Strecke „Christine“ schon
im Westen von 100° W Lg stand, hielt sich der Wind, als eine leichte Briese
auftretend, immer zwischen NNW und NNE, ganz ähnlich, wie es auf denselben
Breiten im westlichen Theile des Südatlantischen Oceans der Fall ist. Es
zeigte sich damit, dafs sich „Christine“ hier schon an der Westseite des
Maximums befand, welches im Sommer und Herbstanfang im südlichen Stillen
Ocean wie in allen Meeren auf dem östlichen Theile derselben an der Aufsen-
grenze des Passats liegt und an dessen Ostseite die polaren Winde auftreten,
welche in der genannten Jahreszeit längs den Westküsten der Kontinente
mit so grofser Beständigkeit in den Passat hineinwehen. So vortheilhaft im
Allgemeinen eine westliche Route durch den südlichen Stillen Ocean auch ist,
so würde in diesem Falle „Christine“ doch wohl hesser gefahren sein, wenn sie
30° S-Br in etwa 90° W-Lg geschnitten hätte, weil sie alsdann voraussichtlich
an der Ostseite des Maximums geblieben wäre, und darf man es für die Sommer-
monate überhaupt wohl als Regel hinstellen, dafs die südlichen Winde im Osten
von 90° W-Lg viel zuverlässiger sind als im Westen davon. Eine Erscheinung,
die ebenfalls der Westseite der Maxima angehört und sich in den entsprechenden
Jahreszeiten auch auf anderen Meeren findet, war der am 10. April in 22° S-Br
und 109° W-Lg beobachtete, zwar nur kurze Zeit herrschende, aber in bedeutender
Heftigkeit auftretende Sturm. In demselben veränderte der Wind seine Richtung
von Nord nach WSW, und wurde ein niedrigster Luftdruck von 752,6 mm beobachtet.
Indem man nördlich weitersegelte, drehte sich der Westwind, der diesem Sturme
folgte, durch Süd nach SE; damit war in 18° S-Br und 109° W-Lg das Passat-
gebiet erreicht. Zwischen 15,5° und 6° S-Br wehte der Wind recht kräftig,
nördlich von der letzteren Breite wurde er allmählich flauer und unbeständiger,
und schon in 2° S-Br und 118,5° W-Lg hörte er zu wehen auf.
Wie es wenigstens in einer etwas früheren Jahreszeit auch im Atlantischen
Ocean nicht selten der Fall ist, erstreckte sich jetzt der Stillengürtel in süd-
liche Breite hinüber, und für „Christine“ war eine unverhältnilsmäfsig lange
Zeit erforderlich, um denselben zu passiren. Es wurden in ihm südlich der
Linie unbeständige nordöstliche Briese und Windstille und nördlich derselben
vorherrschend westlicher Wind oder Stille angetroffen. Die Strömung, welche
beobachtet wurde, war nur eine schwache und setzte meist nach westlicher
Richtung. „Christine“ überschritt 40° S-Br in 88,5° W-Lg am 23. März,
30° S-Br in 99,4° W-Lg am 30. März, 20° S-Br in 108,5° W-Lg am 11. April,
10° S-Br iu 113,4° W-Lg am 15. April und erreichte die Linie in 120,6° W-Lg
am 24. April, 38 Tage, nachdem der Parallel von 50° Süd im Stillen Ocean
überschritten worden war.
In 4,5° N-Br und 122° W-Lg kam der NO-Passat durch, der nördlich
von 7,5° N-Br sehr kräftig wehte. Am 12. Mai befand sich „Christine“ in
20° N-Br und 149° W-Lg. Mit diesem Tage bricht das Journal für die Hinreise
ab; vorher war 10° N-Br in 130,5° W-Lg am 3. Mai gekreuzt worden.
Das Journal enthält dann noch einen Theil der Rückreise der Bark von
der auf der Halbinsel Californien befindlichen Magdalena-Bai nach Liverpool.
Es beginnt am 19. August 1879, dem dritten Tage der Reise, als „Christine“
in 21° N-Br und 115° W-Lg stand. Der hier mit mäfsiger Stärke aus NW
wehende Wind drehte sich im Laufe der nächsten Woche ganz allmählich durch
West nach SSW. Am 25. August wurde 10° N-Br in 118° W-Lg geschnitten,
Am 29. August in 6,5° N-Br und 113,5° W-Lg, als der Wind bis Süd geholt
war, wurde gewendet, und während man nun südwestwärts segelte, lief der Wind
allmählich östlicher und führte „Christine“ am 4. September in 123,1° W-Lg
an den Aequator. Solcherweise gelangte man in das Gebiet des SE-Passats
ohne einen NE-Passat, noch einen Stillengürtel angetroffen zu haben. Die bei
dem südwestlichen Winde stark nach Osten laufende Strömung — in mehreren
Etmalen wurde die Bark über 30 Sm versetzt — kenterte in der Nähe von
6,5° N-Br und nahm dann mit westlicher Richtung allmählich an Stärke zu,
bis sie in der Nähe des Aequators mit einem mittleren Betrago von 48 Sm für
den Tag ihr Maximum erreichte.
Die Windverhältnisse, wie sie „Christine“ nördlich des Aoquators antraf,
scheinen im August und September nicht selten zu sein. In diesen Monaten
erstreckt sich das Gebiet dieses Monsuns am weitesten nach Norden und nach