Der nächste Vorsprung ist Point St. Matthaeo, vor welchem eine
kleine spitze Insel oder vielmehr Klippe liegt. Eine kurze Strecke weiter-
segelnd, erblickt man die Schiffe und Fahrzeuge auf der Rhede von Manta.
Man mufs sich hier in einem Abstande von mindestens 2 Sm vom Lande halten,
bis man die Bai offen hat und der Leuchtthurm — ein rothes eisernes Gerüst
-— durch die Peilung mw Süd gebracht worden ist; denn in dieser Peilung des
Leuchtthurms, etwa 1! Sm vom Lande, liegt eine blinde Klippe 2 bis 2,5m
(7 bis 8 Fuß) unter Wasser. Es ist dies eine sehr gefährliche Stelle, umsomehr,
als sich die See selten auf derselben bricht — ich habe während der 25 Tage
unseres Aufenthalts nur einige Male eine brechende Rollung dort laufen sehen
— und eine Boje würde hier von gröfstem Nutzen sein. Das Leuchtfeuer ist
für die Kennzeichnung der Lage dieser Klippe ziemlich überflüssig, da in der
Nacht wegen der herrschenden Windstille kein Schiff einsegeln kann und auch
die Küstendampfer zum KEinlaufen den Tagesanbruch abwarten, Das Leucht-
feuer — eine Petroleumlampe in einer Laterne von gereiftem Glase, welche an
einem Gerüste aufgezogen wird — ist höchstens 4 bis 5 Sm weit sichtbar, und
nicht 9 Sm, wie in den Leuchtfeuerverzeichnissen angegeben ist.!) |
Auf der Manta-Rhede liegt man auf 9m (5 Fad.) Wasser, etwa !% bis
34 Sın vom Lande auf gutem Aukergrunde sehr sicher, (Von unserem Anker-
platze peilte das Laternengerüst mw SSW, '/2 Sm entfernt.) Im Winter®) ankern
die Schiffe jedoch etwas weiter landabwärts, da alsdann eine höhere Rollung
läuft und sich die See schon auf 5m Wassertiefe bricht. Mit dem Boot landet
man am besten Vormittags und Abends; in den Nachmittagsstunden läuft mit
der zoitweilig sehr steifen Seebriese eine hohe Brandung.
Das Wetter ist in der trockenen Jahreszeit beständig und schön, In
den Morgenstunden weht eine leichte Landbriese aus südlicher Richtung. Gegen
10% a. m. holt der Wind allmählich westlich und wird zu einer frischen See-
briese, welche bis 4 p. m. anhält und dann bis zur gänzlichen Windstille ab-
nimmt. Um Mitternacht setzt wieder leichte Landbriese ein.
Die Hauptausfuhrartikel sind Tagua (Steinnüsse) und Kautschuk. Letzterer
Artikel wird zum gröfsten Theile in Dampfer verladen. Die Hafenunkosten des
„Berend“, einer Bark von 327 Registertonnen Gröfse, von Guayaquil in Ballast
einkommend und mit einer Ladung Tagua ausgehend, beliefen sich nur auf etwa
40 Dollar.
Schiffe, welche nach Manta bestimmt sind, sollten sich hinreichend mit
Proviant und namentlich Wasser versorgen. Dieses ist hier gar nicht zu be-
kommen; für den Bedarf der Einwohner wird es auf Mauleseln von Monte-Christo
geholt. Die wenigen hier zu erhaltenden Proviantgegenstände sind enorm theuer.
Der beste Platz in der Nähe, um Wasser zu erhalten, soll die Solango-Bai sein.
Man ankert daselbst innerhalb der Insel, etwa !/ Sm vom Lande, auf 10m
Wasser. Die Fässer müssen an Bord bugsirt werden, weil am Strande immer
etwas Brandung läuft, aber das flache, sandige Ufer bietet eine bequeme Ge-
legenheit, um die Fässer an das Land und wieder in das Wasser zu rollen.
Wie mir von KEingeborenen mitgetheilt wurde, rührt der Name des
Platzes Manta von einem grofsen, einem Rochen ähnlichen Fische her, welcher
sich, besonders in der nassen Jahreszeit, vielfach in der Bai aufhält. Er wird
mehr gefürchtet als der Hai. Es wird ihm nachgesagt, dafs er sein Opfer
umklammert und durch Druck tödtet.“
1) Vgl. „Verz, d. Leuchtf. aller Meere“, Theil II (1877), Tit. XI, No. 2.
2) Unter „Winter“ („Invierno“ der Eingeborenen) ist hier die Regenzeit zu verstehen, als
welche an dieser Küste die Zeit von Ende Dezember bis Ende April gerechnet wird. Die Trocken-
zeit wird als .„Verano“ bezeichnet.