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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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bedeutende Differenzen vorkommen, während die Aenderungen des Barometers 
und der Windrichtung im Wesentlichen richtig sich zeigen. Herr Hoffmeyer 
sieht somit als erwiesen an, „dafs synoptische Wetterkarten vom Norden des 
Atlantischen Oceans, welche ausschliefslich auf Grundlage der ihn umsäumenden 
Küstenstationen entworfen sind, genügen, um uns über die Vertheilung des 
Luftdrücks auf der Oberfläche dieses Meeres eine Uebersicht zu verschaffen, 
welche Verwendung finden kann, und uns in die Lage zu setzen, die grofen 
atmosphärischen Störungen in ihrem Fortschreiten ostwärts zu verfolgen. Diese 
Grundlage einmal gegeben, so kann unschwer bewiesen werden, dafs davon aufser- 
ordentliche Vortheile zu erlangen sind, wenn wir, Bewohner Europas, Tag für 
Tag das Fortschreiten der Störungen auf dem Atlantischen Ocean auf That- 
sachen gestützt werden verfolgen können. Der richtige Weg ist, zu beurtheilen, 
ob diese Störungen eine Gefahr für Europa enthalten, und über welchen Theil 
dieses Kontinents sie vermuthlich hereinbrechen werden. In Zukunft wird diese 
Frage einen ständigen Platz im Programme des europäischen Witterungsdienstes 
erhalten, und dieses Vorgehen wird weit naturgemäfser -sein, als sich jene 
Schlüsse von Fremden geben zu lassen, die keine genügende Kenntnifs haben von 
den: speciellen Formen, unter denen die atmosphärischen Vorgänge in Europa 
sich vollziehen, und von den dabei mitwirkenden Kräften. Die vorgeschlagenen 
Aenderungen werden den europäischen Witterungsdienst schliefslich in eine völlig 
neue Phase führen, welche wichtige Verbesserungen in verschiedener Richtung 
zur Folge haben kann. Ich habe vorhin schon auf die Thatsache hingewiesen, 
dafs die barometrischen Maxima über dem Atlantischen Ocean und Europa eine 
ausgesprochene Tendenz zeigen, ihre Form und Lage während mehr oder 
weniger langer Zeiträume beizubehalten, und hierdurch eine entscheideude Be- 
deutung für den atmosphärischen Zustand bekommen, indem sie die Depressionen 
zwingen, einen bestimmten Weg zu verfolgen, und auch, wie mir scheint, in 
hohem Grade die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Depressionen beeinflussen, 
Die Ausdehnung und wirkliche Lage der Gebiete hohen Druckes können 
nicht vollständig beurtheilt werden, wenn man dieselben nicht von Europa aus 
auf den Atlantischen Ocean verfolgen kann; ebenso hat auch der Ocean seine 
eigenen Maxima, welche nach den europäischen Beobachtungen nicht bestimmt 
werden können, ja deren Existenz man zuweilen nicht ahnen kann, und welche 
doch eine entscheidende Wirkung ausüben auf die Witterungszustände bei uns. 
Wenn man dieses beachtet, glaube ich, dafs der Witterungsdienst in Europa mit 
Hülfe der synoptischen Karten vom Atlantischen Ocean, wie ich sie vorschlage, 
in Stand gesetzt werden wird, seine Thätigkeit, welche bisher fast ganz auf die 
Wetterprognose von einem Tage zum andern beschränkt war, dahin auszudehnen, 
dafs in Zukunft er im Stande sein wird, wahrscheinliche Angaben 
darüber zu machen, in welcher Art die Witterungsverhältnisse für 
einen längeren Zeitraum sich zu gestalten scheinen. 
Dafs die transatlantische Schiffahrt auf verschiedene Weise Vortheile aus 
solchen ungefähren Witterungskarten vom Ocean ziehen könnte, bedarf kaum 
des” Nachweises. Diese Karten werden im: Stande sein, Schiffe, die aus 
europäischen Häfen auslaufen, zu verhindern, in das Gebiet starker atmo- 
sphärischer Störungen sich zu begeben; sie werden mit Vortheil. zur Wahl 
zwischen verschiedenen möglichen Wegen benutzt werden könneh; sie werden 
wichtige Nachrichten über den Zustand des Passats bei den Azoren zu geben 
vermögen, welche durchaus nicht so regelmäfsig sind, wie gewöhnlich voraus- 
gesetzt wird; endlich werden dieselben von gröfster Wichtigkeit sein für Rheder 
und Befrachter, welche in der Lage sein werden, ungefähr den Fortgang ihrer 
Schiffe verfolgen zu können, und häufig eine genügende Erklärung für die Ver- 
spätung. derselben in den vorwaltenden Windverhältnissen zu finden.“ 
Gegenüber der Aussicht auf so wichtige Resultate glaubt Herr Hoff- 
meyer die Aufforderung an Europa stellen zu dürfen, dafs es so bald äls 
möglich die nöthigen Mittel zusammenbringe, um telegraphische Verbindung mit 
den Faröer; Island und Grönland im Norden, und mit den Azoren im Süden 
herzustellen. Freilich kann sich keine dieser Linien im gewöhnlichen Sinne 
bezahlt machen; der Witterungsdienst und die steigenden Anforderungen der 
Schiffahrt und Landwirthschaft an denselben sind es, in deren Interesse die- 
selben gelegt werden müssen. Deshalb wendet sich Herr Hoffmeyor ganz 
Ann. d. Hydr.. 1880. Heft YE (Juni
	        
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