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bedeutende Differenzen vorkommen, während die Aenderungen des Barometers
und der Windrichtung im Wesentlichen richtig sich zeigen. Herr Hoffmeyer
sieht somit als erwiesen an, „dafs synoptische Wetterkarten vom Norden des
Atlantischen Oceans, welche ausschliefslich auf Grundlage der ihn umsäumenden
Küstenstationen entworfen sind, genügen, um uns über die Vertheilung des
Luftdrücks auf der Oberfläche dieses Meeres eine Uebersicht zu verschaffen,
welche Verwendung finden kann, und uns in die Lage zu setzen, die grofen
atmosphärischen Störungen in ihrem Fortschreiten ostwärts zu verfolgen. Diese
Grundlage einmal gegeben, so kann unschwer bewiesen werden, dafs davon aufser-
ordentliche Vortheile zu erlangen sind, wenn wir, Bewohner Europas, Tag für
Tag das Fortschreiten der Störungen auf dem Atlantischen Ocean auf That-
sachen gestützt werden verfolgen können. Der richtige Weg ist, zu beurtheilen,
ob diese Störungen eine Gefahr für Europa enthalten, und über welchen Theil
dieses Kontinents sie vermuthlich hereinbrechen werden. In Zukunft wird diese
Frage einen ständigen Platz im Programme des europäischen Witterungsdienstes
erhalten, und dieses Vorgehen wird weit naturgemäfser -sein, als sich jene
Schlüsse von Fremden geben zu lassen, die keine genügende Kenntnifs haben von
den: speciellen Formen, unter denen die atmosphärischen Vorgänge in Europa
sich vollziehen, und von den dabei mitwirkenden Kräften. Die vorgeschlagenen
Aenderungen werden den europäischen Witterungsdienst schliefslich in eine völlig
neue Phase führen, welche wichtige Verbesserungen in verschiedener Richtung
zur Folge haben kann. Ich habe vorhin schon auf die Thatsache hingewiesen,
dafs die barometrischen Maxima über dem Atlantischen Ocean und Europa eine
ausgesprochene Tendenz zeigen, ihre Form und Lage während mehr oder
weniger langer Zeiträume beizubehalten, und hierdurch eine entscheideude Be-
deutung für den atmosphärischen Zustand bekommen, indem sie die Depressionen
zwingen, einen bestimmten Weg zu verfolgen, und auch, wie mir scheint, in
hohem Grade die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Depressionen beeinflussen,
Die Ausdehnung und wirkliche Lage der Gebiete hohen Druckes können
nicht vollständig beurtheilt werden, wenn man dieselben nicht von Europa aus
auf den Atlantischen Ocean verfolgen kann; ebenso hat auch der Ocean seine
eigenen Maxima, welche nach den europäischen Beobachtungen nicht bestimmt
werden können, ja deren Existenz man zuweilen nicht ahnen kann, und welche
doch eine entscheidende Wirkung ausüben auf die Witterungszustände bei uns.
Wenn man dieses beachtet, glaube ich, dafs der Witterungsdienst in Europa mit
Hülfe der synoptischen Karten vom Atlantischen Ocean, wie ich sie vorschlage,
in Stand gesetzt werden wird, seine Thätigkeit, welche bisher fast ganz auf die
Wetterprognose von einem Tage zum andern beschränkt war, dahin auszudehnen,
dafs in Zukunft er im Stande sein wird, wahrscheinliche Angaben
darüber zu machen, in welcher Art die Witterungsverhältnisse für
einen längeren Zeitraum sich zu gestalten scheinen.
Dafs die transatlantische Schiffahrt auf verschiedene Weise Vortheile aus
solchen ungefähren Witterungskarten vom Ocean ziehen könnte, bedarf kaum
des” Nachweises. Diese Karten werden im: Stande sein, Schiffe, die aus
europäischen Häfen auslaufen, zu verhindern, in das Gebiet starker atmo-
sphärischer Störungen sich zu begeben; sie werden mit Vortheil. zur Wahl
zwischen verschiedenen möglichen Wegen benutzt werden könneh; sie werden
wichtige Nachrichten über den Zustand des Passats bei den Azoren zu geben
vermögen, welche durchaus nicht so regelmäfsig sind, wie gewöhnlich voraus-
gesetzt wird; endlich werden dieselben von gröfster Wichtigkeit sein für Rheder
und Befrachter, welche in der Lage sein werden, ungefähr den Fortgang ihrer
Schiffe verfolgen zu können, und häufig eine genügende Erklärung für die Ver-
spätung. derselben in den vorwaltenden Windverhältnissen zu finden.“
Gegenüber der Aussicht auf so wichtige Resultate glaubt Herr Hoff-
meyer die Aufforderung an Europa stellen zu dürfen, dafs es so bald äls
möglich die nöthigen Mittel zusammenbringe, um telegraphische Verbindung mit
den Faröer; Island und Grönland im Norden, und mit den Azoren im Süden
herzustellen. Freilich kann sich keine dieser Linien im gewöhnlichen Sinne
bezahlt machen; der Witterungsdienst und die steigenden Anforderungen der
Schiffahrt und Landwirthschaft an denselben sind es, in deren Interesse die-
selben gelegt werden müssen. Deshalb wendet sich Herr Hoffmeyor ganz
Ann. d. Hydr.. 1880. Heft YE (Juni