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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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im Gegentheil kann sie als Muster und Sporn für den Witterungsdienst bei uns 
dienen. Ich zweißle auch nicht, dafs Mr. Collins von der Mehrzahl der De- 
pressionen, welche die Vereinigten Staaten und Canada verlassen, unterrichtet 
ist, vielleicht auch von jenen, welche an den Bermuden vorbei längs der Ost- 
küste Amerika’s hinaufgehen; os ist ferner möglich, dafs die Logbücher der 
schnellen Postdampfer ihm gestatten, einige Aufklärungen über dasjenige zu 
erlangen, was zwischen 40° und 50° N-Br im westlichen Theile des Atlantischen 
Oceans vor sich geht (weiter hinaus liegende Beobachtungen würden zu sehr 
verspäten). Das aber mit diesem Material er im Stande sei, wirkliche Schlüsse 
über die atmosphärischen Zustände auf dem Rest des Oceans, besonders auf 
dessen Osttheile, zu ziehen, was eine unvermeidliche Bedingung dafür ist, um 
seinen Vorhersagen Wahrscheinlichkeit zu verleihen, dieses erscheint mir mit 
gutem Recht sehr zweifolhaft und wird durch Nichts in den bekannten That- 
sachen bewiesen.“ 
Indem Herr Hoffmeyer ferner die vermuthlichen Grundlagen der 
Prophezeiungen des „New-York Herald“ untersucht, beweist er unter Bezug- 
nahme auf den ersten Theil seiner Arbeit deren Haltlosigkeit. Insbesondere 
hebt er hervor, dafs die Depressionen, welche sich von Amerika gegen Europa 
bewegen, trotz sehr verschiedenen weiteren Verlaufes, fast alle im Westen von 
50° W-Lg ungefähr dieselben Bahnen verfolgt haben, ja vielfach die nach 
Südwesteuropa, nach den britischen Inseln und nach Norwegen fortschreitenden 
Minima erst auf der Mitte des Oceans von einer mehr oder minder gemeinsamen 
Bahn die entscheidende Schwenkung zeigten — ganz abgesehen von den zahl- 
reichen Neubildungen und Rückbildungen von Minima auf dem Ocean; „die 
Kenntnifs der atmosphärischen Zustände über dem östlichen Theile des Atlanti- 
schen Oceans und über Europa, sowie der Kräfte, welche dort in Wirkung 
sind, wird unzweifelhaft nothwendig sein, um sich eine klare Vorstellung von 
der Sachlage machen zu können und zu bestimmen, welcher Theil Europa’s von 
einem Minimum, welches noch westlich von 40° W-Lg liegt, getroffen werden 
wird“. Weiter betont der Verfasser, dafs auch unter eventueller Zuhülfenahme 
der gleichzeitigen Beobachtungen aus Westeuropa ein Schlufs über die Zustände 
und Vorgänge auf dem Ocean durchaus trügerisch sei; die Kenntnifs dessen, 
was in den arktischen Regionen gleichzeitig vor sich geht, sei unbedingt 
erforderlich, schon weil mehr als die Hälfte der Minima ihren Weg aus Amerika 
nach Europa über jene Gegenden nehmen. Der Verfasser warnt davor, die in 
Amerika ’gewonnenen Erfahrungen über die Zustände und Veränderungen der 
Atmosphäre ohne Weiteres auf den Atlantischen Ocean und Europa anzuwenden. 
Welches auch der Grund sein möge, die Erfahrung zeigt hier wesentliche Ver- 
schiedenheit. Besonders scheint diese in dem Auftreten der barometrischen 
Maxima zu liegen, da in Amerika die Gebiete hohen Luftdrucks ähnlich den 
Depressionen vorwiegend östwärts wandern, ‚während auf dem Atlantischen 
Ocean und in KEuropa sie eine ausgesprochene Tendenz zeigen, sich durch 
mehr oder weniger beträchtliche Zeiträume stationär in denselben Gegenden 
zu erhalten. Die Anticyklonen haben deshalb auf dem Ocean und in Kuropa 
einen viel gröfseren Einflufs auf die Bewegung der Depressionen, denn während 
3ie in Amorika vor den letzteren ostwärts zurückweichen, widersetzen sie sich 
hier deren Bewegungen und zwingen dieselben, sie zu umgehen. Auf den 
amerikanischen Wetterkarten sehen wir deshalb die Cyklonen in stürmischen 
Zeiträumen durch gut entwickelte Antieyklonen von einander getrennt, während, 
3o wie Neufundland passirt ist, diese Anordnung verschwindet, besonders durch 
Fortfall der die Cyklonen tronnenden Dämme höheren Drucks, und die Minima, 
am Rande grofser Gebiete hohen Barumeterstandes hinziehend, in einen fort- 
währenden Wechsel von Verschmelzungen und Spaltungen, von Ausfüllung und 
Vertiefung hineingerathen. 
Nachdem in dieser Weise die Frago von verschiedenen Seiten beleuchtet 
ist, geht Herr Hoffmeyer zum positiven Theil seiner Schlufsfolgerungen über 
und legt als Resultat der Untersuchung sein Projekt zur Organisation eines 
telegraphischen Witterungsdienstes mit Bezug auf den Nordatlantischen Ocean 
auf rationeller Grundlage vor.
	        
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