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(olgende Zusammenstellung gemacht: Den Meridian 10° West schnitten unter
48 Bildungen dieser Art, deren Fortpflanzung auf dem Ocean in den 21 Monaten
verfolgt werden konnte, 9 (19 °%o) nördlich von 65° N-Br, 4 (8%) zwischen
65° und 60° N-Br, 23 (48 %) zwischen 60° und 50° N-Br, 9 (19%) zwischen
50° und 40° N-Br und 3 (6 %%) südlich von 40° N-Br. Fast die Hälfte aller
Theilminima hat demnach die britischen Inseln durchzogen, welche besonders
den seitlichen Bildungen am Südrande und den Theilminima von der Rückseite,
welche im S von Island entstehen, sehr ausgesetzt sind.
Die Theilminima, welche Europa erreichen, sind zwar durchschnittlich
schwächer als die anderen Minima, allein immerhin waren 12 unter den 48 stark
und 7 sogar sehr stark. 33 Theilminima haben an der europäischen Westküste
Stürme erzeugt, und zwar über Norwegen, den britischen Inseln und Frankreich
ziemlich gleich häufig, in Portugal hingegen nur selten.
Zur letzten Klasse (E) der spontanen Bildungen sind die wenigen
Fälle vereinigt, in welchen Minima selbstständig aufser allem Zusammenhang
mit bereits bestehenden sich auf dem Ocean auszubilden schienen; es sind dieser
Fälle 5, wovon 3 auf Island und 2 zwischen die Azoren und Irland fallen,
Herr Hoffmeyer ist geneigt, auch diese Fälle den oben erwähnten Bildungen
zwischen einer östlichen Depression und einem westlichen Maximum zuzurechnen;
zur sichern Entscheidung darüber würde indessen mehr als eine Karte per Tag
erforderlich sein.
Aus diesen Feststellungen über die Thatbestände zieht Herr Hoffmeyer
eine Reihe wichtiger Schlüsse für die Praxis, welche wir nunmehr in möglichster
Kürze wiedergeben wollen, denen wir indessen zum besseren Verständnifs die
allgemeinen Bemerkungen über die Wetterprognose vorausschicken müssen,
welche Herr Hoffmeyer auf S. 3 seiner Abhandlung ausspricht.
„Auf Grundlage der Regel, dafs in den meisten Fällen das schlechte
Wetter sich fortpflanzt, indem es die Richtung ostwärts verfolgt und stets in
derselben Form uns entgegeutritt, nämlich als barometrisches Minimum, das
von einem Luftwirbel im Sinne gegen die Sonne umgeben ist, hat man einen
Witterungsdienst eingerichtet zur Vorhersage der bevorstehenden atmosphärischen
Bedingungen, und die Berechnungen des praktischen Lebens, welche in so vielen
Hinsichten und in so hohem Grade vom Wetter abhängen, steigern fortwährend
lie Ansprüche, welche sie an die Meteorologen bezüglich dieser Seite ihrer
Thätigkeit erheben,
Die Wissenschaft könnte zwar mit gutem Recht sich gegen diese mindestens
sehr verfrühten Ansprüche ablehnend verhalten, denn sie zwingen die Meteoro-
logie, Anwendungen auf die Praxis zu machen, für welche man einer wirklichen
wissenschaftlichen Grundlage noch entbehrt; da man aber einmal auf die ab-
schüssige Bahn der Koncessionen gekommen ist, und die Leistungen bereits in
mehr als einer Hinsicht gute Dienste gethan haben, so würde es gegenwärtig
wohl kaum möglich oder auch gerathen sein, sich auf den Rückzug zu begeben
und seine Mitwirkung unter dem Vorwande der Wissenschaft zu verweigern.
Man mufs also so gut als möglich den Umständen gerecht zu werden
suchen; indessen gerade bei diesen Bemühungen halte ich es für von höchster
Wichtigkeit, dafs den Meteorologen wie dem Publikum die folgende Thatsache
klar sei: Bei den Wetterprognosen handelt es sich nicht um eine wissenschaft-
liche Arbeit und also auch nicht um eine wissenschaftliche Sicherheit, sondern
das Ganze hängt von einer empirischen Schätzung ab und ist deshalb allen
Irrthümern unterworfen, welchen eine solche Schlufsweise unterliegt. Ich glaube,
dafs es von besonderer Wichtigkeit ist, dafs diese Wahrheit nicht vergessen
werde, denn sie weist uns zugleich darauf hin, in welcher Richtung wir die
Mittel zur Erreichung des Zwecks zu suchen haben. So lange die Meteorologen
zugeben müssen, dafs die wahre Natur der atmosphärischen Störungen, die
Ursachen, welche sie erzeugen, entwickeln und zum Verschwinden bringen, noch
angelöste Räthsel sind; so lange wir nur die Frage: wie? aber nicht die Frage:
warum? zu beantworten vermögen, mufß nothwendig das Hauptgewicht im
Witterungsdienst auf die Organisation eines Systems möglichst ausgedehnter
und gründlicher Nachrichten gelegt werden; es handelt sich um einen Vorposten-
dienst: diesem Werke den Mantel der Wissenschaft umhängen wollen, ist nach