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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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die für die Seewarte und das „Meteorological Office“ Journal führen, benutzt 
and so zum ersten Male seit dem ähnlichen Versuche des Pariser Observatoriums 
eine durch viele Monate fortlaufende Reihe von täglichen Darstellungen der 
Witterungsvorgänge auf dem Atlantischen Ocean bringen können, Die Resultate 
seiner Untersuchungen. an 21 Monaten solcher Witterungskarten (September 
bis November 1873 und Dezember 1874 bis Mai 1876) legt der Verfasser in 
vorliegender Schrift dar und zieht daraus mit überraschender Klarheit eine 
Reihe praktischer Folgerungen von grofser Tragweite. . 
Im Laufe dieser Zeit sind auf dem Ocean zwischen 30° und 70° N-Br 
und 10° und 60° W-Lg 285 verschiedene barometrische Minima oder ecyklonale 
Wirbelcentren zu verfolgen gewesen, von welchen: . | 
(A) 23, oder 8%, in der Baffins-Bai oder der Davis-Strafse erschienen 
und wahrscheinlich aus dem arktischen Amerika kamen, 
(B) 126, oder 44%, aus den Vereinigten Staaten oder Canada kamen, 
(C) 25, oder 9%o, sich zuerst zwischen deu Azoren und Neufundland 
zeigten und wahrscheinlich aus den tropischen Theilen des Oceans herstammten, 
(D) 106, oder 37%, auf dem Ocean selbst durch Spaltung schon. be- 
Sehen Depressionen sich bildeten und also den Charakter von Theilminima 
atten, . 
(E) 5, oder 2 %, endlich selbstständig auf offenem Meere entstanden zu 
sein scheinen. . 
In 21 Monaten oder 638 Tagen traten also auf diesem Theile des Oceans 
285 Minima auf, und da jedes derselben durchschnittlich etwa 3 Tage Existenz 
hatte, so kommen im Allgemeinen 1 bis 2 Depressionen über diesem Gebiet an 
jedem Tag vor. Die Ausdehnung dieser Depressionen war aufserordentlich 
verschieden; manche unter ihnen nahmen die ganze Breite des Oceans ein, die 
europäischen und amerikanischen Küsten gleichzeitig berührend, während andere 
von weit geringerer Gröfse waren; doch waren sie alle ausgedehnt genug, um 
gleichzeitig ‚an mehreren Stationen oder Schiffen in beträchtlicher Entfernung 
von einander bemerkt zu werden; es handelt sich also bei dieser Untersuchung 
nicht um Böen und Windstöfse kleinen Umfanges, sondern um gröfsere Stürme. 
Auf die Jahreszeiten vertheilen sich die Wirbelcentren ziemlich gleichförmig, 
der viel stürmischere Charakter des Winters wird nicht durch die gröfsere Zahl 
der Wirbel, sondern‘ durch den gröfseren Umfang und die weit stärkere Aus- 
prägung der einzelnen Wirbel bedingt. Uebrigens bilden im Sommer die auf 
dem Ocean selbst entstehenden Theilminima mehr als die Hälfte aller Wirbel- 
centren, in den übrigen Jahreszeiten hingegen nur !/s der Gesammtzahl, 
Von der Gesammtzahl der Wirbelcentren, welche auf dem Nordatlantischen 
Ocean erscheinen, sind dem Obigen zufolge 61 % aus dem Westen — NW bis 
SW — gekommen, während. 39 %0 auf dem Ocean selbst entstanden sind. 
Nur die Hälfte dieser Wirbel, nämlich 145 von 285, erreicht 10° W-Lg, 
und zwar sind unter diesen letzteren Minima 12 %%o ihrer Herkunft nach arktische, 
47 % aus Nordamerika stammend, 5°%o tropische, 33 % Theilminima und 3% 
selbstständig entstandene, also überhaupt sind von den Wirbelcentren, welche 
der Atlantische Ocean Europa sendet, 64% von ihm seinerseits aus Westen 
empfangen, 36 °% dagegen auf ihm gebildet. Diese Verhältnifszahlen sind, wie 
man sieht, nahezu dieselben, wie sie für die Gesammtzahl der barometrischen 
Minima auf dem Ocean gelten, es verhalten sich demnach die Minima ver- 
schiedenen Ursprungs ziemlich gleich in Bezug auf ihr Fortschreiten nach Europa. 
Von den 126 Minima, welche der Ocean vom gemäfsigten Nordamerika empfängt, 
erreichen nur 68, oder etwas mehr als die Hälfte, den 10ten Meridian oder 
die Nähe Europa’s, wo sie, untermischt mit einer noch größeren Zahl anderer 
Wirbel, die erst auf dem Ocean entstanden oder den polaren Gegenden entstammt 
sind, auftreten; man sieht schon hieraus, dafs die Warnung der europäischen 
Küsten vor Wirbeln, welche Nordamerika verlassen haben, und von deren 
weiterem Schicksale nichts bekannt ist, auch in dem Falle von sehr beschränktem 
Werthe wäre, wenn die Zeit, welche sie zum Ueberschreiten des Ocoans brauchen, 
eine ziemlich feststehende wäre; thatsächlich aber schwankt diese Zeit zwischen 
2 und 7 Tagen und beträgt zuweilen noch mehr, ohne dafs diese Differenzen 
sich aus dem verschiedenen Verhalten der Wirbel vor Verlassen des amerika- 
nischen Kontinentes irgendwie vorauserkennen hHefsen.
	        
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