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verkeilten Steine im Umkreise von 3 bis 3'/zm aus den Lagern derart gehoben
und umgewälzt wurden, dafs es später nicht einmal der Zangen bedurfte, um
sie zu fassen, sondern dafs die Taucher diese Steine ohne Weiteres in Ketten
einschlagen konnten. Auf diese Weise wurde eine grofse Anzahl festgelagerter
Steine aus dem grofsen Riff gelöst und entfernt, was hier um so wichtiger war,
als sich der festgewachsene Thon bei diesem Riff schon auf 6m Wassertiefe
vorfand, so dafs es auf andere Weise überhaupt nicht möglich gewesen wäre,
die im Thon fest eingelagerten Steine zu fassen, viel weniger noch zu lösen.
Das Tonit war mit Paraffin überzogen, um die Feuchtigkeit abzuhalten,
und wurden anfangs die Ladungen in Segeltuch-Beuteln verlegt; das zur Zündung
erforderliche, mit Knallsilber gefüllte Zündhütchen, welches in eine eylindrische
Veffnung eines Prismas gesteckt wurde, wurde mit, einer Bigford’schen Zünd-
schnur versehen und so die Zündung bewirkt. Es stellte sich indefs heraus, dafs
die Isolirung durch Paraffin gegen Wasser einen genügenden Schutz nicht gewährte
und dafs die feucht gewordenen Prismen selbst dann nur selten explodirten, wenn
gröfsere Mengen von trockenem Tonit beigegeben wurden; infolge dieser Erfahrung
wurden zur Aufnahme der Ladung: Blechbüchsen verwandt, besondere in Blech
dicht eingeschlossene Zündprismen, welche das Zündhütchen aufnehmen, an-
gefertigt und die Zündung mittelst einer elektrischen Zündmaschine und isolirter
Drahtleitung bewirkt, wodurch bessere Resultate erzielt wurden; allerdings ver-
sagte an Tagen, wo der Feuchtigkeitsgehalt der Luft gegen Abend zunahm,
die Zündung auch öfter. Die Detonationen waren, trotzdem eine Wassersäule
von 6m über der Sprengmasse stand, schr stark und weithin vernehmbar,
die Erschütterungen im Wasser so bedeutend, dafs bei einer Sprengung noch
in einem Abstand von 2 Sm vom Sprengorte in den eisernen Schiffswänden des
vor Anker liegenden Dampfschiffes „Blitz“ starke Bewegungen bemerkbar waren.
Die auf dem Adler-Grund selbst während des Sommers beobachteten
Meeresströmungen scheinen ihre häufig wechselnde Richtung nur der lokalen,
flachen und unregelmäfsigen Ausbildung des Grundes zu verdanken ‘und be-
stimmten Gesetzen nicht zu unterliegen. Im Allgemeinen ist beobachtet, dafs
von SW und von SE her Hauptströmungen, deren Abhängigkeit von der Wind-
richtung meist nicht nachzuweisen war, auf den Adler-Grund absetzen und hier
bei der geringen Wassertiefe eine starke Kabbelsee erzeugen, welche das Liegen
vor Anker bei bewegter See ungemein erschweren. Beobachtungen, dafs südlich
vom Adler-Grund Strömung aus westlicher, nördlich davon zu gleicher Zeit
Strömung aus östlicher Richtung lief, sind wiederholt gemacht worden. Auf
dem Adler-Grund waren Richtung des Windes und der Wellen mit der Richtung
der Strömung selten gleich, wodurch das starke Schlingern der vor Anker
liegenden Fahrzeuge, welches den Arbeiten bei etwas bewegter See sehr hinder-
lich war, erzeugt wurde, da die Schiffe meist auf Strömung lagen und also
von Wind und Wellen quer getroffen wurden,
Ueber den Schiffsverkehr auf dem Adler-Grund sind während des Sommers
Beobachtungen gemacht worden, welche in nebenstehender Tabelle (s. pag. 291)
zusammengestellt sind.
Es wurden danach in der Zeit vom 11. Juni bis 29. September 1879 im
Ganzen 314 Schiffe gezählt, welche den Adler-Grund selbst passirten, darunter
50 gröfsere Segelschiffe und 11 gröfsere Dampfer, Die gröfseren Segelschiffe
fuhren meist in Ballast, ebenso die gröfseren Dampfer. Es geht hieraus hervor,
dafs die bei Weitem gröfsere Anzahl der grofsen Schiffe jetzt die Fahrt nord-
wärts von Bornholm benutzt, während südwärts von Bornholm nur die kleineren
Schiffe, und zwar meist kleinere Dampfer, den Kurs über den Adler-Grund nehmen.
Für diese Fahrzeuge wird es von grofsem Nutzen sein, dafs die ganz flachen
Stellen unter 5m beseitigt sind, da sie jetzt auch bei höherem Seegange über
den Adler-Grund fahren können. Soll indels auch für gröfsere Segelschiffe und
Dampfer der Adler-Grund ganz ungefährlich gemacht werden, so fragt es sich,
ob eine Tiefe von 8m, selbst wenn man annimmt, dafs es möglich würde, die
Wegräumung bis zu dieser Tiefe zu bewirken, auch für alle Fälle genügen
würde. Für die gröfseren Schiffe der Kriegs-Marine würde diese Tiefe noch
nicht genügen, und selbst für gröfsere Segelschiffe und Dampfer bleibt es sehr
dahingestellt, ob sie in allen Fällen ausreicht.