275
Tiefen- und Bodenbeschaffenheit des Meeres ‘in der Nähe der
Mündung des La Plata und Bemerkungen über die Küste zwischen
der Ostspitze und Kap Castillo. Uruguay.
Während einer neueren Untersuchung der Ansegelung des La Plata-
Stromes durch Commander W. S. Schley, Kommandant vom V.St.S. „Essex“,
ist eine deutlich ausgeprägte Senkung des Meeresbodens zwischen der La Plata-
Bank einerseits und der Küste von Uruguay andererseits aufgefunden (bezw.
bestätigt) worden;!) der Boden dieser tieferen Rinne ist Schlamm von der
Beschaffenheit eines zähen Thones und an verschiedenen Stellen von verschiedener
Farbe, von blaugrau bis blauschwarz.
Diese Rinne, von Commander Schley „mud well“ genannt, beginnt süd-
lich vom Leuchtfeuer von Maldonado, in einem. Abstande von ca 1 Sm von der
Küste, und ist an dieser Stelle 11 Sm breit; sie behält dieselbe Breite, mit
Ausnahme an einem oder zwei Punkten nahe bei Kap Santa Maria und weiter
nach See zu in der Richtung nach Kap Castillo, wo die Entfernung von der
Küste bis zu 21 Sm zunimmt. Der Verlauf der Rinne ist nach NO0zO0.
Die in dieser Rinne ausgeführten Lothungen ergaben Tiefen, welche von
den. in den Karten. innerhalb derselben Grenzen angegebenen bedeutend ab-
weichen, wie nachstehender Auszug aus dem“ Lothungs-Journal des „Kesex“
angiebt.
Irt
Kap Jose Ygnacio VL
Maldonado-Leuchtthurm »
Kap Castillo. .
Peilt in
W148
NWZW1/aW'
WNW8/4W
NW
NzWIAW
NWSAN
NW3/N
Ent-
fernung
in
5m
30— 28
22—31
21-28
7—20
7—20
4—16
1—183
Lothungen
Fad. | m I
„Essex“
Karte
Fad. +!
m
0—37
>»9— 38
9—3€
9—30
I—22
7—19
16-920
5—68 20—26 | 37—48
583—70 20 87
3—66 | 14—20 | 26—37
54—55 | 21—22 | 38—40
442 1 17 81
1—34 | 20 87
9137 2 —_
Hat man von See aus diese Rinne (mud well) passirt und steuert man
auf die Küste zu, so ergeben sich folgende Veränderungen im Charakter des
Meeresbodens von der Rinne bis zur Küste. Zuerst trifft man Schlamm und
sandigen Kies’ an, alsdann Schlamm und Muschelschalen und endlich Sand und
Schalen; der Sand ist grob, von verschiedener Farbe und ist nahe an der
Küste mit Kies und gefärbten Muschelschalen vermischt; bis zu einer Entfernung
von ca 4 Sm von der Küste nehmen die Tiefen ziemlich regelmäfsig bis 26 und
22m (14 und 12 Fad.) ab. Bei dickem Wetter, oder wenn alle Punkte an der
Küste von dieser Entfernung aus nicht vollkommen deutlich ‚sichtbar sind, darf
man nicht weniger, als 27,4m (15 Fad.) tiefes Wasser lothen..: Nach der offenen
See zu besteht der Boden jenseits der Rinne zunächst gleichfalls, wie diesseits
derselben, aus Schlamm und Kies, dann aus Schlamm und Muschelschalen,
noch weiter aus feinem grauem oder weilsem Sande, vermischt mit zerbrochenen
Muschelschalen und jenseits der La Plata - Bank aus feinem weißem und
grauem Sand. . |
Die nach dem La Plata-Strom bestimmten Schiffe werden, nachdem sie
die Breite des Kap Castillo (in 34° 21‘ 19“ S-Br und 53° 46‘ 53“ W-Lg)
passirt haben, in dieser Rinne ein ausgezeichnetes Merkmal zur Besteckrechnung
für die Ansegelung der Küste finden.
Die Lothungen auf der La Plata-Bank, deren allgemeine Richtung von
NO0zO nach SWzW ist, in einem durchschnittlichen Abstande von 40 Sm von
der Küste, ergaben Tiefen von 18—26m (10—14 Fad.), nur wenig abweichend
von den in der Karte angegebenen. Das NO-Ende der Bank peilt von Kap
Santa Maria 080'/40, 40 Sm entfernt, und die westlichste Spitze nach den
Bestimmungen des „Essex“ von Maldonado-Leuchtthurm Sz0!/40, 40 Sm entfernt.
) S. „Hydrogr, Not,“ No. 61, Washington, 1879, und „Ann. d, Hydr. etc,“, 1878, pag. 430.
7%