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Bei längerer Zeit aus südwestlicher Richtung wehenden Winden, war der Fort-
yang der Reise, auch im Atlantischen Ocean, anfänglich nur ein langsamer.
Zufriedenstellend wurde derselbe erst, nachdem der Wind sich in etwa 37,5° N-Br
and 12,5° W-Lg von W durch N nach NNE gedreht hatte und in dieser Weise
das Gebiet des Nordostpassates erreicht worden war. Den frischesten Passat
fand man zwischen 33° und 26° N-Br; südlich von der letzteren Breite wurde
derselbe flauer und zwischen 24° und 17° N-Br war der Passat augenscheinlich
ganz gestört. Es herrschte hier zuerst südöstlicher, dann ganz leichter südsüd-
östlicher Wind und schliefslich Windstille. Als später noch wieder Passat durch-
kam erlangte derselbe keine Beständigkeit wieder. Das Barometer sank bei der
Störung auf 760,0 mm; man beobachtete hier Niederschlag von rothem Staube,
auch waren Landvögel, Schmetterlinge und andere Insekten beim Schiffe.
In 11° N-Br und 26° W-Lg nahm der Nordostpassat ein Ende; der ganz
schwach gewordene Wind drehte sich durch N und NW nach SW und frischte
aus letzterer Richtung bald auf. Mit dem Südwestmonsun wurde über B. B-Bug
gesegelt, bis man nach 5,5° N-Br in 21,2° W-Lg gelangte, wo am 13. September
bei rechtweisendem Südwind gewendet wurde. Westwärts segelnd raumte der
Wind allmählich und am 17. September, 34 Tage später als der Kanal verlassen
worden war, konnte in 26,5° W-Lg der Aequator überschritten werden. 40° N-Br
war am 22. August in 11,8° W-Lg, 30° N-Br am 27. August in 17,5° W-Lg,
20° N-Br am 1. September in 23° W-Lg und 10° N-Br am 10. September in
26.5° W-Lg gekreuzt worden. Den Südwestmonsun begleitete ein starker, in
2 Etmalen den Betrag von 81 Sm erreichender Oststrom; dagegen fand man
im Südostpassat, in der Nähe der Linie, während eines Tages eine West-
strömung von 60 Sm.
Im Südatlantischen Ocean wurde bis nach 13° S-Br frischer Passat an-
zetroffen. In der Nähe von 15° S-Br beschrieb der Wind, welcher mit einer
Abnahme des Luftdruckes um mehr als 3 mm ganz flan geworden war, einen
Rundlauf durch Nord und West nach Süd, um später bei rasch zunehmendem
Luftdrucke noch wieder für längere Zeit aus SE zu wehen. Die Grenze des
Südostpassates schien in 19,8° S-Br und 38,3° W-Lg zu liegen; der frische Wind
lief hier nordöstlich, bald nachher durch Nord nach NW und von 23° S-Br an
fand man südwestlichen Wind. „Gemma“ hatte 10° S-Br in 32,3° W-Lg am
21. September, 20° S-Br in 38,4° W-Lg am 28. September überschritten, sich
am 30. September in Sicht des Kap Frio befunden und erreichte am 4. Oktober
den Hafen von Rio. Die Reisedauer vom Kanale her betrug 5l Tage.
Am 7, November trat die Brigg von Rio aus eine Reise nach New- York
an. Während der ersten Tage derselben segelte man bei nordöstlichem Winde.
In 25° S-Br und 42° W-Lg wurde indessen südlicher, bald darauf nach Osten
amlaufender Wind angetroffen mit dem über B, B.-Bug gesegelt wurde. Als der
Wind daon aber nach einiger Zeit wieder nordöstlich lief, mußte gewendet und
abermals über St. B.-Bug gesegelt werden. Am 17. November beobachtete
„Gemma“ in 18° S-Br und 31° W-Lg, bei einem Luftdrucke von 759,7 mm für
kurze Zeit stürmischen Südwind, den eine auffallend unruhige Witterung beglei-
tete.*!) In 16,5° S-Br und 30° W-Lg wurde der Passat angetroffen. Derselbe
begann aus ENE und drehte sich allmählich, sowie das Schiff nach Norden hin
gelaugte, durch Ost nach SE. Leichte beständige Briese führte die Brigg dann
zur Linie. 20° S-Br war in 32° W-Lg am 16. November und 10° $-Br in 31,8° W-Lg
am 23. November überschritten worden, Am 28. November ging „Gemma“ in
38° W-Lg von der südlichen zur nördlichen Halbkugel über.
Das Gebiet des Südostpassates schien sich bis nach 4° N-Br in 43° W-Lg
zu erstrecken. Kine deutliche Grenze machte sich durch das Verhalten des
Windes nicht bemerkbar, denn der Uebergang zum Nordostpassat erfolgte, ohne
dafs Störung eintrat, in der Weise, dafs sich der Wind durch E nach NE drehte;
sie wurde indessen durch Regen und Gewitter angezeigt. Der zwischen 15° und
25° N-Br recht kräftig auftretende Passat wehte ungestört bis nach 29° N-Br
in 69,4° W-Lg. Hier lief der Wind hoch südlich. Bei Winden, die in ihrer
Richtung sehr veränderlich, aber nie stürmisch waren, wurde dann der letzte
Theil der Reise zurückgelegt. Man hatte 10° N-Br in 47,3°W-Lg am 4. Dezember,
') Siehe Heft III, Seite 171 des gegenwärtigen Jahrganges dieser Annalen.