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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Anfänglich war der Wind frisch SE, gegen welchen wir aus der Bai 
Peter des Grofsen hinauszukreuzen hatten; am Morgen des 26. holte er jedoch 
südlicher, und mit steifem SSW-Wind und hei gutem Wetter durchsegelten wir 
nun in 48 Stunden die ganze Breite der Japan-Sce. Am Nachmittage des 28. 
ankerten wir vor Hakodadi. Da: sich meine Erwartungen, hier eine Fracht nach 
China zu erhalten, nicht erfüllten, so begaben wir uns am 31. Mai auf die 
Weiterreise nach San Francisco. ; 
In der Tsugar-Strafse war der Wind zwischen E und S, frisch mit Staub- 
regen und sehr unbeständig in Stärke und Richtung. Der ziemlich stark in 
östlicher Richtung setzende Strom liefßs uns jedoch schon am Abend Kap 
Siriga-saki und am nächsten Mittage, dem 1. Juni, Kap Yerimo erreichen. Hier 
erhielten wir westlichen Wind. Derselbe war aber nur von geringer Stärke 
und von kurzer Dauer; schon nach 24 Stunden hatte sich der Wind nach NE 
verändert, und noch einen Tag später wehte eine mäfsige Briese aus S, 
Unter ähnlichen raschen Richtungsänderungen des Windes verlief die 
ganze Ueberfahrt, auf welcher wir uns zwischen den Breitenparallelen von 40° 
und 42° Nord hielten. Im Journal ist kein einziger Fall verzeichnet, in welchem 
der Wind von einer bestimmten Richtung nicht schon nach höchstens 36 Stunden 
von einem aus ganz anderer Richtung wehenden abgelöst worden wäre. Das 
begleitende Wetter war ruhig, doch im allgemeinen recht trübe und feucht 
von Nebel und Staubregen, so dafs der blaue Himmel nur selten zu sehen war, 
Der Seegang war mäfßig. Der Windstärke wegen hätten wir die Bramsegel 
während der ganzen Reise kaum festzumachen brauchen. 
. Eine Ausnahme machte das Wetter des 20. Juni 1879, an welchem Tage 
wir zwischen dem 40. und 41. Breitengrade und in 177° W-Lg einen orkan- 
artigen NE-Sturm mit Regen, schweren Böen und hohem Seegange hatten. Das 
Barometer fiel in der Zeit von 8° p.m. des 19. bis 9% p.m. des 20. Juni von 
760,7 bis 744,2mm (unverbesserte Ablesung), während der Wind stetig aus NE 
war und allmählich bis zur Stärke 10—11 zunahm. Wir lagen anfänglich auf 
B. B.-Halsen nach SO, aber befürchtend, dafs wir uns dem südlich vom Schiffe 
gelegenen Centrum des vermutheten Wirbelsturmes zu sehr nähern würden, 
brachten wir das Schiff um 8! p.m. des 20. auf St. B.-Halsen, worauf .es NW 
vorlag. Nachdem das Barometer seinen niedrigsten Stand erreicht hatte, liefe 
der Sturm um Mitternacht etwas an Stärke nach, die Böen wurden leichter und 
der Regen weniger dicht. Um 4* a. m. des 21. Juni hatte sich der Wind bis N 
gedreht und soweit gemäfsigt, dafs wir schon einige Segel setzen konnten. Am 
Nachmittage war das Schiff wieder unter vollen Segeln; es wehte ein mäfsiger 
Wind aus NNW bei rasch steigendem Barometer, 
Am 7. Juli, nach 38tägiger Reise, erreichten wir San Francisco. 
Die nächste Bestimmung des „”. H, Drews“ war Port Blakely am Puget 
Sound. Ueber die auf der Reise dahin, welche wir am 13. Juli 1879 antraten, 
einzuschlagende Route hatte ich in San Francisco bei verschiedenen, in der 
Küstenfahrt beschäftigten Kapitänen Erkundigung eingezogen und in Erfahrung 
gebracht, dafs die meisten Schiffe in dieser Jahreszeit bei dem vorherrschenden 
NNW-VWinde nach Westen stehen, bis sie in 138° bis 140° W-Lg, wo dies in 
der Regel der Fall ist, südliche oder doch einen Nordkurs erlaubende Winde 
antreffen. .Mit diesen steuern sie nördlich bis zur Breite der Juan de Fuca- 
Straße und nähern sich dann auf einem nahezu Ostkurse der Küste, Auf dieser 
Route wird Kap Flattery gewöhnlich in 18 bis 24 Tagen erreicht. Zwei alte 
erfahrene Kapitäne, welche die Reise alljährlich verschiedene Male machen, 
riethen mir jedoch, nicht so weit westlich zu gehen, sondern in 131° bis 
133° O-Lg mit kurzen Schlägen nach Norden zu Kkreuzen,.da man schon in 
129° W-Lg vollständig außerhalb der nach Süden setzenden Küstenströmung 
sei und da es sich schon häufig ereignet habe, dal der Wind, welcher. beim 
Verlassen von San Francisco NW war, allmählich durch N und NE nach E 
holte und nun die Schiffe, welche den weiten Umweg nach Westen gemacht 
hatten, genöthigt waren, in der Breite der Juan de Fuca-Strafse gegen Ostwind 
wieder aufzukreuzen. Infolge dieser Umstände wären sie von ihren Mitseglern, 
welche früher gewendet hatten, oftmals um 8 bis 10 Tage geschlagen worden, 
Ich beschlofs, diesem Rathe zu folgen und bin ganz gut dabei gefahren.
	        
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