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Australiens steuernd, erreichte das Kanonenboot am 7. Dezember 2% .p. m.
Cooktown, für dessen Ansteuerung der Berg Cook (457m hoch) eine sehr gute
Ansegelungsmarke bildet.
3. Bemerkungen über Cooktown,
„Cooktown, welches sein Entstehen der Ausbeutung der ca 20 Sm entfernt
im Innern liegenden Goldfelder verdankt und, Anfangs rasch aufblühend, ein
bedeutender Platz zu werden versprach, ist jetzt, nachdem die entdeckten
Minen sich bei der Bearbeitung wenig ergiebig zeigten und bald bereits völlig
erschöpft waren, in raschen Verfall gerathen. — Die noch vor Kurzem dort
zusammengeströmte, nach Tausenden zählende Bevölkerung, ausschliefslich
Weifse und importirte Chinesen, sind bis auf wenige Hundert fortgezogen, und
nur die zahlreich leerstehenden und langsam dem Verfall preisgegebenen, oft
recht hübsch, sämmtlich aus Holz gebauten Hötels, Kaufläden und Wohnhäuser
lassen auf die frühere Bevölkerungszahl des immer mehr verödenden Ortes
schließen. ;
Der Besuch Cooktowns erweckt dadurch besonderes Interesse, dafs Kapt.
Cook auf seiner ersten Entdeckungsreise nach der Südsee im Jahre 1770, bei
der Fahrt durch .die- unzähligen Riffe des Ostaustralischen Küstenmeeres, mit
seinem Schiffe „Endeavour“ am 17. Juni desselben Jahres in die Mündung des
später nach ‚diesem Schiffe benannten Xndeavour-Flusses einlief, um dort, wo
jetzt Cooktown liegt, sein kurz vorher und unweit davon durch Festkommen auf
einem Korallenrif beschädigtes Schiff zu kielholen und auszubessern.
Kapitän Cook lebte mit seiner Besatzung damals unter Zelten am Fufse
des später nach ihm Mount Cook genannten Berges, an welchem jetzt das eben-
falls nach jenem grofsen Entdecker benannte Cooktown liegt.
Hier kann man auch in den bis dicht au die Stadt reichenden, von jeder
Kultur unberührten Urwaldungen die nur Australien eigenthümlichen Baumarten
und viele der ebenfalls hier nur vorkommenden Pflanzen kennen lernen, wozu
sich in anderen Küstenplätzen Nord-Australiens nicht in dem Mafse, wie hier,
Gelegenheit bietet. Die Waldungen, welche, oft undurchdringlich dicht, das
Land fast überall bedecken, deren Laub aber jedes Glanzes und jeder Frische
entbehrt, verleihen, neben der Einförmigkeit der Baumarten und dem in der
trockenen Jahreszeit ausgedörrten Boden, der Scenerie ein eigenthümlich trübes,
eintöniges und unwirthliches Aussehen.
An Einrichtungen zur Vornahme von Reparaturen an Maschinen etc.
mangelt es zur Zeit in Cooktown noch gänzlich, ebenso sind nur äufserst geringe
Quantitäten von Materialien und Inventarien vorräthig. Dagegen können, zu
jeder Zeit und in beliebigen Quantitäten Salz-Rind- resp. Salz-Schweinefleisch,
Mehl, Reis, getrocknetes Öbst, Zucker und Rum zu mittleren Preisen beschafft
werden. Vorzügliches frisches Rind- resp. Hammel- und Schweinefleisch wurde
zum Preise von 4!/2 bezw. 8 d. pro. Pfund englisch offerirt, Weichbrot kostet
das Pfund englisch 3 d., Grünzeug in hinreichenden Quantitäten 2 d. pro Pfund
englisch.
Infolge der telegraphischen Verbindung Cooktowns mit Sydney resp.
Melbourne kann jedes.etwa requirirte gröfsere Quantum Proviant resp. Materialien
in kürzester Zeit mit den, Cooktown regelmäfsig anlaufenden Dampfern dorthin
geschafft werden, ,
Nur Fahrzeuge unter 3m Tiefgang können zu jeder Zeit über die Barre
gelangen, während Schiffe von gröfserem Tiefgang das Steigen des Wassers
(1,5 bis 2,7m) abwarten müssen. Es ist. daher unumgänglich nothwendig, sich
bei der Einsegelung eines Lotsen zu hedienen, umsomehr, da auch die Gezeiten
sowohl von dem Winde, wie namentlich auch von‘ den auf. den Aufsenriffen
wechselnden Strömungen wesentlich beeinflufst sind.
Ueber 5m tiefgehende Schiffe werden überhaupt nicht in den Hafen
genommen, sondern müssen auf. der Rhede liegen bleiben,‘ Die Annäherung
eines Schiffes wird von der Signalstation auf Grassy Hill, ca 174m hoch, an
der Südseite der Endeavour-Mündung angezeigt, worauf auf Verlangen ein Lotse
aufserhalb der Barre an Bord kommen wird. Kanm" letzterer jedoch nicht so-
gleich kommen, so thut man am. besten, vor der Flufßsmündung in ca 11m
Wassertiefe zu ankern.“