accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

251 
Australiens steuernd, erreichte das Kanonenboot am 7. Dezember 2% .p. m. 
Cooktown, für dessen Ansteuerung der Berg Cook (457m hoch) eine sehr gute 
Ansegelungsmarke bildet. 
3. Bemerkungen über Cooktown, 
„Cooktown, welches sein Entstehen der Ausbeutung der ca 20 Sm entfernt 
im Innern liegenden Goldfelder verdankt und, Anfangs rasch aufblühend, ein 
bedeutender Platz zu werden versprach, ist jetzt, nachdem die entdeckten 
Minen sich bei der Bearbeitung wenig ergiebig zeigten und bald bereits völlig 
erschöpft waren, in raschen Verfall gerathen. — Die noch vor Kurzem dort 
zusammengeströmte, nach Tausenden zählende Bevölkerung, ausschliefslich 
Weifse und importirte Chinesen, sind bis auf wenige Hundert fortgezogen, und 
nur die zahlreich leerstehenden und langsam dem Verfall preisgegebenen, oft 
recht hübsch, sämmtlich aus Holz gebauten Hötels, Kaufläden und Wohnhäuser 
lassen auf die frühere Bevölkerungszahl des immer mehr verödenden Ortes 
schließen. ; 
Der Besuch Cooktowns erweckt dadurch besonderes Interesse, dafs Kapt. 
Cook auf seiner ersten Entdeckungsreise nach der Südsee im Jahre 1770, bei 
der Fahrt durch .die- unzähligen Riffe des Ostaustralischen Küstenmeeres, mit 
seinem Schiffe „Endeavour“ am 17. Juni desselben Jahres in die Mündung des 
später nach ‚diesem Schiffe benannten Xndeavour-Flusses einlief, um dort, wo 
jetzt Cooktown liegt, sein kurz vorher und unweit davon durch Festkommen auf 
einem Korallenrif beschädigtes Schiff zu kielholen und auszubessern. 
Kapitän Cook lebte mit seiner Besatzung damals unter Zelten am Fufse 
des später nach ihm Mount Cook genannten Berges, an welchem jetzt das eben- 
falls nach jenem grofsen Entdecker benannte Cooktown liegt. 
Hier kann man auch in den bis dicht au die Stadt reichenden, von jeder 
Kultur unberührten Urwaldungen die nur Australien eigenthümlichen Baumarten 
und viele der ebenfalls hier nur vorkommenden Pflanzen kennen lernen, wozu 
sich in anderen Küstenplätzen Nord-Australiens nicht in dem Mafse, wie hier, 
Gelegenheit bietet. Die Waldungen, welche, oft undurchdringlich dicht, das 
Land fast überall bedecken, deren Laub aber jedes Glanzes und jeder Frische 
entbehrt, verleihen, neben der Einförmigkeit der Baumarten und dem in der 
trockenen Jahreszeit ausgedörrten Boden, der Scenerie ein eigenthümlich trübes, 
eintöniges und unwirthliches Aussehen. 
An Einrichtungen zur Vornahme von Reparaturen an Maschinen etc. 
mangelt es zur Zeit in Cooktown noch gänzlich, ebenso sind nur äufserst geringe 
Quantitäten von Materialien und Inventarien vorräthig. Dagegen können, zu 
jeder Zeit und in beliebigen Quantitäten Salz-Rind- resp. Salz-Schweinefleisch, 
Mehl, Reis, getrocknetes Öbst, Zucker und Rum zu mittleren Preisen beschafft 
werden. Vorzügliches frisches Rind- resp. Hammel- und Schweinefleisch wurde 
zum Preise von 4!/2 bezw. 8 d. pro. Pfund englisch offerirt, Weichbrot kostet 
das Pfund englisch 3 d., Grünzeug in hinreichenden Quantitäten 2 d. pro Pfund 
englisch. 
Infolge der telegraphischen Verbindung Cooktowns mit Sydney resp. 
Melbourne kann jedes.etwa requirirte gröfsere Quantum Proviant resp. Materialien 
in kürzester Zeit mit den, Cooktown regelmäfsig anlaufenden Dampfern dorthin 
geschafft werden, , 
Nur Fahrzeuge unter 3m Tiefgang können zu jeder Zeit über die Barre 
gelangen, während Schiffe von gröfserem Tiefgang das Steigen des Wassers 
(1,5 bis 2,7m) abwarten müssen. Es ist. daher unumgänglich nothwendig, sich 
bei der Einsegelung eines Lotsen zu hedienen, umsomehr, da auch die Gezeiten 
sowohl von dem Winde, wie namentlich auch von‘ den auf. den Aufsenriffen 
wechselnden Strömungen wesentlich beeinflufst sind. 
Ueber 5m tiefgehende Schiffe werden überhaupt nicht in den Hafen 
genommen, sondern müssen auf. der Rhede liegen bleiben,‘ Die Annäherung 
eines Schiffes wird von der Signalstation auf Grassy Hill, ca 174m hoch, an 
der Südseite der Endeavour-Mündung angezeigt, worauf auf Verlangen ein Lotse 
aufserhalb der Barre an Bord kommen wird. Kanm" letzterer jedoch nicht so- 
gleich kommen, so thut man am. besten, vor der Flufßsmündung in ca 11m 
Wassertiefe zu ankern.“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.