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der. nördlichsten Spitze des Kap Tscheljuskin und des asiatischen Kontinentes
überhaupt ist diese 77° 41‘ 0“ N-Br und 104° 1’ 0” O-Lg. Das Kap selbst ist
nichts weiter als eine niedrige Laudzunge, welche durch die Tscheljuskin-Bucht
in zwei Theile getheilt wird. Eine Hügelkette erstreckt. sich an der östlichen
Seite des Kaps von Norden nach Süden, dem Laufe der Küste folgend. Weiter
landeinwärts scheint dieser Bergzug die Höhe von 320 m zu erreichen, sowohl
diese Auhöhen, wie das Flachland waren nahezu schneefrei; an den meisten
Stellen des Strandes war aber ein Eisfufs zurückgeblieben.
Der Boden des Flachlandes besteht nach den Untersuchungen von Nor-
denskiöld aus Thonlagern; das Gestein des Höhenzuges ist Schiefer mit
aufrechtstehender Schichtung, aber ohne Versteinerung, reich an Krystallen von
Schwefelkies; an der Oberßäche sind die Schieferlagen von mächtigen Quarz-
adern durchsetzt.
Mittels des Schleppnetzes wurden vom Grunde des Meeres verschiedene
Algen und eine grofse Menge niederer Thiere heraufgeholt. Auch hier bei der
Westspitze wurde ein Steinberg errichtet, in welchem ein Dokument, enthaltend
Aufklärungen über den Fortgang der Expedition und der Plan für die Zukunft
niedergolegt war.
Die Wassertiefen nördlich und östlich vom Kap Tscheljuskin sind bedeu-
tend gröfßfser, als an der Ostseite desselben; während sie hier nur zwischen
15-40 m (8—22 Fad.) betrugen, wurden nördlich von der Tscheljuskin- Bucht
92 m (50 Fad.) und weiter östlich 134m (73 Fad.) gelothet.
Die Ostküste der Taimyr-Halbinsel ist an einigen Stellen niedrig und
sandig, an anderen Stellen zeigten sich einige vereinzelte, kegelförmige Anhöhen
und weiter landeinwärts eine Reihe von düster aussehenden vogetationslosen
Bergen, welche ca 1000 m hoch zu sein scheinen und deren Spitzen und Kämme
— kleine Ansammlungen von Eis in den Klüften abgerechnet — schncefrei
waren. Auch einige kleinere Gletscher scheinen hier vorzukommen, die nach
Schätzung 250—300 m über dem Meere ihr Ende erreichten. Aufßer einer
anscheinend unbewohnten Hütte am Strande, von derselben Form wie die bei
Chabarowa vorgefundenen russischen Fischerhütten, wurden keine Anzeichen
von irgend welcher Bevölkerung hier vorgefunden.
Die Insel St. Preobraschenie oder Insel der Verklärung (am 18. August
1739 von Laptew zuerst gesichtet), mitten in der Mündung der Chatanga-Bucht,
liegt nach den Bestimmungen von Bove und Nordenskiöld 4° weiter west-
lich als die bisherigen Karten ergaben, und damit ist die Lage und der Verlauf
der Ostküste der Tarmyr-Halbinsel bis zur Chatanga-Bucht und der Nordküste
Sibiriens zwischen der Nordwik-Bucht und der Olenek-Mündung wesentlich
modificirt. !)
Die Insel Preobraschenie hat 4—5 engl. Meilen im Umfange, ihre Nord-,
Ost- und Südseiten fallen steil in das Meer ab.‘ Der nordöstliche Abhang der
Insel, ca 100 m hoch, wimmelte von Millionen von Alken und Möven. Nach
Westen zu flacht die Insel allmählich in zwei nicdrige und lange Landzungen
ab, welche von der Strömung des Chatanga-Flusses gebildet werden. Das Innere
der Insel und deren Südseite ist theils mit Gras bedeckt, theils mit einer für
diese Strecke üppigen Vegetation von blühenden Ranunkeln, Potentillen und
Saxifragen und anderen niedrigwachsenden Pflanzen. Auch mehrere Insektenarten
and Arachniden wurden hier vorgefunden. Nirgend anderswo hatte die Expedition
solchen Reichthum der Pflanzenwelt angetroffen, und ist dies aus der Lage der
Insel, umspült von dem im Sommer warmen Wasser des Chatanga-Flusses, und
aus der Beschaffenheit des Bodens zu erklären. Dieser besteht nämlich aus
Kalkstein, in welchem ein Belemnit angetroffen wurde, ein Zeichen, dafs die
Insel aus Gesteinsschichten der Sekundär-Periode besteht, welche ausgedehnte
Theile des nordsibirischen Tieflandes einnehmen.
Die Küste von der Mündung der Chatanga bis zu den Mündungen der
Lena erwies sich als niedrig; längs derselben befinden sich eine Menge von
Bänken und Untiefen; deshalb und weil die Küste sehr unsicher auf den Karten
ausgelegt und das Meer so flach ist, dafs an den meisten Stellen bis zur Lena-
Mündung nur 10-—16 um Wasser gelothet wurden, kann hier nur mit gröfster
Vorsicht navigirt werden. Das Meer zeigte sich vollkommen eisfrei, in Folge der
5 Vgl. hierüber Petermann’s „Geogr. Mitth.“ 1879, p. 12 und 17 und Taf. 2.