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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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der. nördlichsten Spitze des Kap Tscheljuskin und des asiatischen Kontinentes 
überhaupt ist diese 77° 41‘ 0“ N-Br und 104° 1’ 0” O-Lg. Das Kap selbst ist 
nichts weiter als eine niedrige Laudzunge, welche durch die Tscheljuskin-Bucht 
in zwei Theile getheilt wird. Eine Hügelkette erstreckt. sich an der östlichen 
Seite des Kaps von Norden nach Süden, dem Laufe der Küste folgend. Weiter 
landeinwärts scheint dieser Bergzug die Höhe von 320 m zu erreichen, sowohl 
diese Auhöhen, wie das Flachland waren nahezu schneefrei; an den meisten 
Stellen des Strandes war aber ein Eisfufs zurückgeblieben. 
Der Boden des Flachlandes besteht nach den Untersuchungen von Nor- 
denskiöld aus Thonlagern; das Gestein des Höhenzuges ist Schiefer mit 
aufrechtstehender Schichtung, aber ohne Versteinerung, reich an Krystallen von 
Schwefelkies; an der Oberßäche sind die Schieferlagen von mächtigen Quarz- 
adern durchsetzt. 
Mittels des Schleppnetzes wurden vom Grunde des Meeres verschiedene 
Algen und eine grofse Menge niederer Thiere heraufgeholt. Auch hier bei der 
Westspitze wurde ein Steinberg errichtet, in welchem ein Dokument, enthaltend 
Aufklärungen über den Fortgang der Expedition und der Plan für die Zukunft 
niedergolegt war. 
Die Wassertiefen nördlich und östlich vom Kap Tscheljuskin sind bedeu- 
tend gröfßfser, als an der Ostseite desselben; während sie hier nur zwischen 
15-40 m (8—22 Fad.) betrugen, wurden nördlich von der Tscheljuskin- Bucht 
92 m (50 Fad.) und weiter östlich 134m (73 Fad.) gelothet. 
Die Ostküste der Taimyr-Halbinsel ist an einigen Stellen niedrig und 
sandig, an anderen Stellen zeigten sich einige vereinzelte, kegelförmige Anhöhen 
und weiter landeinwärts eine Reihe von düster aussehenden vogetationslosen 
Bergen, welche ca 1000 m hoch zu sein scheinen und deren Spitzen und Kämme 
— kleine Ansammlungen von Eis in den Klüften abgerechnet — schncefrei 
waren. Auch einige kleinere Gletscher scheinen hier vorzukommen, die nach 
Schätzung 250—300 m über dem Meere ihr Ende erreichten. Aufßer einer 
anscheinend unbewohnten Hütte am Strande, von derselben Form wie die bei 
Chabarowa vorgefundenen russischen Fischerhütten, wurden keine Anzeichen 
von irgend welcher Bevölkerung hier vorgefunden. 
Die Insel St. Preobraschenie oder Insel der Verklärung (am 18. August 
1739 von Laptew zuerst gesichtet), mitten in der Mündung der Chatanga-Bucht, 
liegt nach den Bestimmungen von Bove und Nordenskiöld 4° weiter west- 
lich als die bisherigen Karten ergaben, und damit ist die Lage und der Verlauf 
der Ostküste der Tarmyr-Halbinsel bis zur Chatanga-Bucht und der Nordküste 
Sibiriens zwischen der Nordwik-Bucht und der Olenek-Mündung wesentlich 
modificirt. !) 
Die Insel Preobraschenie hat 4—5 engl. Meilen im Umfange, ihre Nord-, 
Ost- und Südseiten fallen steil in das Meer ab.‘ Der nordöstliche Abhang der 
Insel, ca 100 m hoch, wimmelte von Millionen von Alken und Möven. Nach 
Westen zu flacht die Insel allmählich in zwei nicdrige und lange Landzungen 
ab, welche von der Strömung des Chatanga-Flusses gebildet werden. Das Innere 
der Insel und deren Südseite ist theils mit Gras bedeckt, theils mit einer für 
diese Strecke üppigen Vegetation von blühenden Ranunkeln, Potentillen und 
Saxifragen und anderen niedrigwachsenden Pflanzen. Auch mehrere Insektenarten 
and Arachniden wurden hier vorgefunden. Nirgend anderswo hatte die Expedition 
solchen Reichthum der Pflanzenwelt angetroffen, und ist dies aus der Lage der 
Insel, umspült von dem im Sommer warmen Wasser des Chatanga-Flusses, und 
aus der Beschaffenheit des Bodens zu erklären. Dieser besteht nämlich aus 
Kalkstein, in welchem ein Belemnit angetroffen wurde, ein Zeichen, dafs die 
Insel aus Gesteinsschichten der Sekundär-Periode besteht, welche ausgedehnte 
Theile des nordsibirischen Tieflandes einnehmen. 
Die Küste von der Mündung der Chatanga bis zu den Mündungen der 
Lena erwies sich als niedrig; längs derselben befinden sich eine Menge von 
Bänken und Untiefen; deshalb und weil die Küste sehr unsicher auf den Karten 
ausgelegt und das Meer so flach ist, dafs an den meisten Stellen bis zur Lena- 
Mündung nur 10-—16 um Wasser gelothet wurden, kann hier nur mit gröfster 
Vorsicht navigirt werden. Das Meer zeigte sich vollkommen eisfrei, in Folge der 
5 Vgl. hierüber Petermann’s „Geogr. Mitth.“ 1879, p. 12 und 17 und Taf. 2.
	        
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