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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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tung für den Handel werden dürfte. 2) Dafs man schon jetzt behaupten kann, 
dafs der Verwendung der Seeverbindung zwischen Ob—Jenissei und Europa als 
Handelsweg keine Schwierigkeiten begegnen. 3) Dafs aller Wahrscheinlichkeit 
nach auch der Seeweg zwischen Jenissei und Lena und zwischen Lena und 
Europa als Handelsweg zu verwenden ist; jedoch dürfte die Hin- und Rück- 
reise zwischen Lena und Kuropa nicht in einem Sommer zu machen sein. 
1) Dafs fortgesetzte Untersuchungen nöthig sind, um zu entscheiden, ob eine 
‘ür den Handel bestimmte Seeverbindung zwischen der Mündung des Lena- 
Ausses und dem Stillen Meere möglich ist oder nicht. Die Erfahrungen, welche 
wir schon gesammelt haben, zeigen, dafs man unter allen Umständen auf diesem 
Wege vom Stillen Meere nach dem Flufsgebiete der Lena Dampfboote, schwere 
Geräthe und andere Waaren einführen kann, welche nicht gut auf Schlitten 
oder Fuhrwerken befördert werden können. Mancher dürfte denken, dafs die 
Ansichten, welche ich hier ausgesprochen, vielversprechender Art sind. Die 
Erfahrung, welche wir gegenwärtig bezüglich der zwischen dem Jenissei und 
der Bering-Strafse belegenen Theile des Eismeeres besitzen, ist an und für sich 
eine so geringe, dafs sie verschiedenartigen Auffassungen einen weiten Spiel- 
vaum lassen, — und klar ist, dafs die Frage nur durch weitere Wahrnehmungen 
antschieden werden kann. Um zu zeigen, wie unberechtigt eine unbedingte 
Verneinung ist, mag es mir gestattet sein, darauf hinzuweisen, dafs das 
dänisch-grönländische Handelsfahrzeug während seiner Fahrten nach der eis- 
bedeckten Westküste Grönlands weniger dem Untergange oder der Havario 
ausgesetzt ist, als die nach dem chinesischen Meere gehenden Schiffe, und dafs 
norwegische Fischerboote jährlich über den Breitengrad an der West- und Nord- 
küste Spitzbergens hinaussegeln, welchen Phipp’s und Tschitschagoff’s Fahr- 
zeuge, obgleich sie mit allen Hülfsquellen Englands und Russlands ausgerüstet 
waren, nur mit Mühe erreichten. Die Möglichkeit ist vorhanden, dafs einst 
ein gleiches Verhältnifs hinsichtlich der Schiffahrt an der Nordküste Asiens 
Platz greift.“ 
4. Beschreibung der Küste von Nord-Sibirien von der Mündung des Jenissei 
bis zur Bering-Strafse.*) 
Insel und Hafen Dickson.?) Bei der SW-Spitze der Halbinsel Taimyr 
und zur Rechten vor der Jenissei-Mündung liegt die Insel Dickson. 
An der Ostseite der Insel befindet sich der von Nordenskiöld am 
15. August 1875 zuerst mit einem Seeschiffe besuchte Dickson-Hafen und ist 
nach dessen Beschreibung ein von allen Seiten völlig geschützter und auch von 
mehreren Seiten zugänglicher Hafen, der auf der einen Seite vom Festlande 
und auf der anderen Seite von einer Menge größerer und kleinerer Felseninseln 
(Holme) begrenzt wird. Hinsichtlich seiner natürlichen Beschaffenheit läfst 
dieser Hafen nichts zu wünschen übrig, das Klima selbstverständlich aus- 
geschlossen. Schiffe jeder Gröfse können hier in der geringen Entfernung von 
wenigen Hundert Metern vor der Insel ankern und sind durch die zahlreichen 
Kleinen Inselchen gegen schlechtes Wetter und Eis, welches durch die Nord- 
winde gegen das der Insel gegenüber, auf dem Festlande gelegene (in früheren 
Karten Ssewero Wostotschnor benannte) Kap getrieben wird, von welchem die 
[nsel Dickson gleichsam eine Fortsetzung bildet. Dieser Hafen wird höchst- 
wahrscheinlich in Zukunft ein Hauptexport-Platz für die Produkte Sibiriens 
werden. Als Hafen ist er in jeder Hinsicht den weiter den Jenissei hinauf 
gelegenen Ankerplätzen vorzuziehen. 
Lieutenant Bove hat diesen Hafen aufgenommen und die Lage des Anker- 
platzes bestimmt zu 73° 28‘ N-Br und 80° 58‘ O-Lg. Die Strafse zwischen 
der Insel Dickson und dem Festlande ist in ihrem südlichen Theile die Lena- 
Strafse und in ihrem nördlichen die Lena- oder Pröven-Stralse benannt worden. 
Nördlich von der Insel Dickson liegt die Gruppe der König Humbert-Inseln, 
Die Inseln Süd- und Nord-Pjasina, die Minin- und viele andere kleine 
Inselchen, welche die „Vega“ auf ihrem Kurse vom Dickson-Hafen nach Kap 
Techeljuskin während zwei bis drei Tage antraf, sind höchst wahrscheinlich keine 
neuen Inseln, sondern mit den auf den bisherigen Karten verzeichneten Kammenie- 
‘) Nach den Berichten der Offiziere und Gelehrten der Vega-Expedition zusammengestellt. 
?}) S. Karton in der diesem Hefte beigegebenen Skizze.
	        
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