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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Gezeiten zu varliren.!). Während der Sommerfahrt der ‚Vega‘ herrschten bis 
zum Kap Shelagskoj die von Westen kommenden Strömungen vor; östlich von 
diesem Kap trafen wir veränderliche, allgemein schwache Strömungen an, mit 
einer vorherrschenden Richtung aus Ost. In unseren Winterquartieren bemerkten 
wir kaum eine Spur von Strömung bis mehrere Seemeilen von der Küste. 
; Die Strömungen in dem Meerbusen zwischen dem Wrangel-Land, der 
Nordostküste von Asien und der Nordwestküste von Amerika gleichen wahr- 
scheinlich mehr denjenigen von Grönland und des Karischen Meeres. Ein war- 
mer, von Süden kommender Strom setzt hier, wie dort, längs den Ostküsten 
des. Meeres, also in unserem Falle von der Bering-Strafse bis Kap Baranow. 
Es ist daher auch im höchsten Grade wahrscheinlich, dafs in dem Meere nörd- 
tich von der Bering-Straße dieser südliche Strom, wie in dem Grönländischen 
uud Karischen Meere, durch einen kalten Strom contrebalancirt wird, welcher 
etwas westlich von Kap Baranow zuerst nach Süd und später nach SW setzt. 
Dieser kalte Strom führt beträchtliche Eisınassen mit sich, die sich in einer 
grofsen Entfernung von der Nordküste, bei der Ostküste von Wrangel- Land, 
gebildet haben, und dessen‘ Annäherung sie gefährlich machen. In der Nähe 
von 70° N-Br hindert das Land, dafs das Eis seinen Weg nach SW fortsetzt; 
os wird wahrscheinlich in der Richtung nach NW zurückgeworfen und durch- 
schneidet den Long-Sund, indem er die Südwest-Spitze von Wrangel-Land passirt. 
Dieser kalte Strom muls nothwendig einen wenig günstigen Einflufs auf den 
Zustand des Eises zwischen deın Kap Shelagskoj und der Bering-Strafse aus- 
üben. Andere Umstände tragen indessen dazu bei, die Menge des. Eises zu 
vermindern und Jäugs der Küste ein offenes Fahrwasser zu bilden, welches 
vielleicht jedes Jahr, wenigstens für Schiffe von geringem Tiefgang, passirbar ist, 
Diese Küste ist nämlich unter einer genügend niedrigen Breite gelegen, 
so dafs das im Winter an derselben neu gebildete Eis zum grofsen Theile wäh- 
rend des Sommers schmilzt und im Spätsommer nur die grofsen Eisstücke übrig 
bleiben, welche im Winter sich zusammengehäuft haben, oder mit den Winden 
und Strömungen aus den nördlichen und kälteren Gegenden heruntergekommen 
sind. Diese zerschellen aber beim Aufstofsen auf den Grund in Tiefen von 
5,3—8,9 m, und es bleibt, da die Tiefen nach dem Gestade des Meeres zu sehr 
gleichmäfsig abnehmen, in unmittelbarer Nähe desselben ein sehr breites freies 
Fahrwasser, welches von Schiffen mit nicht über 3,6 m Tiefgang ohne Gefahr 
päassirt werden kann. Nach deu Aussagen der Eingeborenen wird das Meer in 
der Bering-Strafse bis zu einer beträchtlichen. Entfernung westlich von der 
Koljutschin-Bucht schon im frühen Sommer eisfrei. In geringem Abstande von 
der Küste findet man fast immer offenes Wasser und das Küsteneis wird. im 
Winter häufig durch Südwinde in die See hinausgetrieben. 
Aus allen diesen hier angeführten Thatsachen und Beobachtungen geht 
hervor, dal fast in jedem Jahre (wenn nicht in allen) ein Dampfer von 3,6 —4,2 m 
Tiefgang von, der Bering-Strafse bis zur Lena-Mündung und umgekehrt eine 
Fahrt machen kann. Hinsichtlich der Frage, ob die Nordost-Passage in allen 
Jahren wiederholt werden könne, spricht sich Prof, Nordenskiöld in diesem 
Berichte (vom 6. April 1879) folgendermafsen aus: 
. „Kann die Reise, welche „ Vega“ jetzt vollendet hat, jedes Jahr wiederholt 
werden? Gegenwärtig ist es unmöglich, diese Frage mit einem unbedingten „Ja“ 
oder einem unbedingten „Nein“ zu beantworten. Die erstere Antwort könnte 
leicht manche vorzeitige und unbedachtsame Versuche hervorrufen, welche viel- 
leicht später ebenso vollständig durch die Erfahrung dementirt werden, gleich- 
wie die bekannten Schlufßsworte in dem Berichte über die erste Erdumseglung. 
Wohl aber glaube ich, dafs unsere Expedition häufig mit Erfolg wiederholt 
werden kann und wiederholt werden wird. Was ich auf Grund meiner Erfah- 
rung anführen kann, dürfte sich, wie folgt, zusammenfassen lassen: 
1) Dafs der Seeweg vom Atlantischen Ocean bis: zum Stillen Meer längs 
der Nordküste Sibiriens oft in wenigen Wochen von einem dazu geeigneten, 
mit‘ erfahrenen Seeleuten bemannten Fahrzeuge wird: zurückgelegt werden 
können, daß aber dieser Weg im allgemeinen, soweit die Verhältnisse im sibi- 
rischen Eismeere gegenwärtig bekannt sind, schwerlich von wirklicher Bedeu- 
1) Veber die Windverhältnisse an der Ostküste‘ von Sibirien von 60° N-Br bis zur Bering- 
Strafse, in dieser selbst etc, S. „Ann, d. Hydr.“ 1880, p. 141 ff, 
Ann. d. Hydr.. 1880. Heft V (Mail
	        
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