199
Als Kuriosum mag folgende Zeitungsnotiz hier eine Stelle finden:
„Stettin, den 3. März. Der gestern Vormittag 10% E0“ von hier nach Mecklen-
burg abgegangene Bahnzug wurde in Mecklenburg durch den Sturm auf freiem
Folde eine Stunde festgehalten; die Räder der Lokomotive drehten sich, ohne
fortzukommen, und mufste eine zweite Lokomotive requirirt werden.“
Lang anhaltende und starke Regenfälle, stellenweise mit elektrischen
Entladungen, begleiteten fast überall den Sturm vom 2. und 3, März, und viel-
fach kam es infolge derselben zu Ueberschwemmungen. Die „Leipziger Ilustrirte
Zeitung“ berichtet darüber Folgendes:
„Das Unwetter, welches am 2. März Morgens in Begleitung eines
„kurzen Gewitters über Leipzig hinwegzog, hat sich ‘auch in anderen Theilen
„Sachsens gezeigt. In Döbeln, Plauen, Chemnuitz, Freiberg etc. trat es auf, überall
„von heftigen Regen: und Graupelschauern, sowie von einigen Schneeflocken
„begleitet. Der an sich schon starke Wind erhob sich während des Phänomens
„zu vollem Sturm. Elektrische Erscheinungen sind aufser in Leipzig nirgends
„beobachtet worden. .
„Infolge eines Wolkenbruchs bei. Niederbrechen war am 4. März in der
„Provinz Hessen-Nassau die Lahn gewaltig angeschwollen und ausgetreten und
„hatte den Eisenbahndamm zwischen den Stationen Frohnhausen und Marburg
„überschwemmt, so dafs eine empfindliche Verkehrsstörung eintrat. In Nassau
„wurden die Unterstrafsen der Stadt überfluthet. — Auch am oberen Main bei
„Aschaffenburg, im Kinzigthal bei Gelnhausen, am Taunus bei Homburg und im
„Lorsbacher "Thal sind wolkenbruchartige Regengüsse niedergegangen.“
Ihr Ende erreichte die stürmische Wetterepoche für Norddeutschland mit
dem Auftreten eines undeutlich ausgebildeten Theilminimums im deutschen
Küstengebiete der Nordsee, welches im Laufe des 4. März schnell dem süd-
lichen Rufsland zueilte. Durch dasselbe war bereits am Morgen des 4. März
das Gebiet stürmischer Westwinde nach Mittel- und Süddeutschland verschoben
(ziemlich deutlich ist dieser Verlauf aus obiger Tabelle ersichtlich, welche auch
zeigt, dafs Breslau sich bereits am Nachmittag des 4. März im Rücken jenes
Theilminimums befand). Für die Deutsche Küste war die Gefahr vorüber, so
dafs am Vorfoittag des 4. März für alle Signalstellen das Senken der, Tags
zuvor verlängerten Signale angeordnet wurde,
Eigentliche Stürme sind seitdem an der Deutschen Küste nicht mchr
vorgekommen.
Aus den Reiseberichten S. M. Kbt. „Nautilus“, Korv.-Kapt. Chüden.
Reise von Auckland bis Apia im November und Dezember 1879.
„Am 27, November 1879 verließs „Nautilus“ den Hafen von Auckland.
Es war meine Absicht“, — berichtet der Kommandant — „auf der Fahrt nach
Apia die Kermadec-Gruppe, sowie Thompson’s-Riff an B. B. zu lassen, Savage-
Insel in Sicht ‚zu laufen, und dann erst nach Upolw hinüber zu halten, da der
sogenanute SE-Passat in der Gegend der Samoa- und Tonga-Inseln während
des gröfsten Theiles des Jahres nördlicher als Ost sein soll. Für diesen Fall
und wegen der später zu erwartenden westlichen Strömungen wählte ich den
östlichen Kurs. Am 1. Dezember, auf ca 32'4° S-Br und 1781%° W-Lg, setzte
der Passat ein; er wehte an diesem und am folgenden Tage aus der Richtung
SE—ESE, ‘zeitweise etwas stürmisch (5—7). Da wir nun auch am 3. und
4. Dezember, wider alles Erwarten, starke Versetzung nach West antrafen, mufste
ich meine Absicht, Thompson’s-Riff an B. B. zu lassen, aufgeben. Diese, gegen-
über den Angaben in den Stromkarten, vorgefundenen ungünstigen Stromverhält-
nisse hielten auch die folgenden Tage an, wie die untenstehende Tabelle zeigt.
|.
'y S. „Ann. d. Hydr, etc“, 1880, pag. 144.