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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Befindet sich die unter der Strömung liegende kältere Wasserschicht 
nicht ip vollständiger Rule, sondern nur in langsamerer Bewegung, so wird 
hierdurch das erhaltene Resultat quantitativ insofern beoinflufst, als es nur auf 
die Differenz der Geschwindigkeiten der. beiden Schichten ankommt, Ebenso 
ist das Verhältnifs bei je zwei auderen Schichten von verschiedener Geschwindig- 
keit. Nur bei gleichen Geschwindigkeiten kann die Grenzfläche der Oberfläche 
parallel, d. h. im Wesentlichen horizontal "sein. . 
Diese Betrachtung läfst sich nun nach Analogie der für Luftströmungen 
bekannten Gesetze leicht auf alle mehr oder weniger meridionalen Strömungen 
ausdehnen, und es ergeben sich folgende Resultate: 
Hat eine mehr oder weniger meridionale Strömung: der nördlichen Halb- 
kugel die Küste zur linken Seite, wie an der Küste der Vereinigten Staaten 
und an der Westküste Afrıka’s, so wird man neben derselben auf der Landseite 
kälteres Wasser finden. Der Temperaturunterschied veranlafst- häufig dichte 
Nebel, über welche die Seefahrer an allen :in Betracht kommenden Punkten 
klagen. In diesem Falle kann unter Umständen das Thermometer: über die 
Nähe der Gefahr Aufschlufs geben. Für die südliche Halbkugel ist die rechte 
Seite mit der linken zu vertauschen. ; 
Es scheint sich nun aus der "Theorie mit Nothwendigkeit noch "eine 
andere, für die Praxis vielleicht nicht unwichtige Regel zu ergebeu, auf welche 
Verfasser. sich erlaubt die Aufmerksamkeit der Scefahrer hinzulenken. Dieselbe 
ist bis jetzt rein hypothetisch, indem nur eine einzige, von der Challenger- 
Expedition beobachtete und in den „Meeresströmungen“ S, 39 erwähnte That- 
sache zu ihrer Bestätigung angeführt werden kann. . . 
Ist nämlich die Richtung des Windes entgegengesetzt der Richtung der 
Strömung, wodurch nach einiger Zeit die regelmäfsige Bewegung der oberen 
Schichten gehemmt oder gar in die entgegengesetzte verwandelt wird, so mulfs 
nach der Theorie das kalte Wasser an der Küste mehr und mehr verschwinden. 
Aehnlich würde das Verhältunifs für jeden von der Seescite kommenden: Wind 
sein, und um so auffallender, je genauer die Windrichtung der Strömung entgegen- 
gesetzt ist. Ist dagegen dieselbe der Strömung gleichgerichtet, oder kommt 
der Wind von der Landseite, so tritt das Emporlaufen der Isothermen nach 
dem Lande zu noch deutlicher hervor, als bei Windstille. 
‘Der letzte Fall ist von der Challenger - Expedition in der Nähe der 
Kapstadt beobachtet worden.!) 
Ueber die Stürme an der Deutschen Küste zu Ende Februar und 
Anfang März 1880, 
(Mittheilung von der Deutschen Scewarte.) 
Der Winter 1879-80 kann als einer der. ruhigsten‘ bezeichnet werden, 
welche ‚seit langen Jahren in Centraleuropa vorgekommen sind. Aus diesem 
anomalen Verhalten der Witterung, wie ein Jeder es an seinem Wohnorte zu 
beobachten und beurtheilen in der Lage ist,-kann mit einem hohen. Grade von 
Wahrscheinlichkeit unmittelbar der Schlufs gezogen werden, dafs der Zustand 
der Luftdruckvertheilung und der damit zusammenhängenden Luftströmungen 
und Witterungserscheinungen über ganz Zuropa ein anomaler gewesen sein mufs, 
Gewöhnlich sind es die immensen Ländermassen Sibiriens und des europdischen 
Russlands, welche bei der ungünstigen Stellung der nördlichen Hemisphäre zur 
Einstrahlung der Sonne in unserem Winter am meisten der Abkühlung anheim- 
fallen und infolge dessen den Aufenthaltsort der barometrischen Maxima bilden, 
im welchen nicht nur der Frost, sondern auch der Barometerstand Werthe von 
So: excessiver Höhe erreicht, wie sie.bei uns. in Westeuropa kaum für denkbar 
‘) S. „Hydr. Mitth.“, 1374, pas. 83 u. 84, und Petermann’s „Geoezr. Mitth.“, 1874, pag. 294
	        
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