Eiemann: Beschreibung der Nordküste von Formosa, 415
Von hier aus erstreckt sich der Hafen noch ungefähr 1 Sm nach SW, ist
aber für Schiffe unbrauchbar, da-er sehr flach ist und nur Dschunken hier ankern
können, weshalb dieser Theil auch Dschunkhafen genannt wird. Hier. liegen noch
zwei kleine, sehr hohe, mit Busch bewachsene, felsige Inseln. Gerade gegenüber
von Ruin Point, auf dem anderen Ostufer, stehen die Zollhäuser, vier ziemlich
große, weils gestrichene Gebäude, die in Sicht kommen, wenn man Image Point
passirt hat. In dem ersten dieser Gebäude, vor welchem sich ein hoher Flaggen-
mast erhebt, wohnt der Commissioners Clark (damals ein Deutscher, Herr Düll-
berg). Aufserdem ist hier noch ein Tidewaiter stationirt. Will man hier
Chronometer reguliren, so muß man den künstlichen Horizont gebrauchen. Der
Flaggstock vor Herrn Düllberg’s Haus befindet sich auf 25° 8‘ 7“ N-Br,
121° 45‘. 25“. O-Lg v. Gr. (3 Mal beobachtet). Von hier etwas ostwärts führt
eine lange Steintreppe nach dem Gipfel der Berge hinauf, zu einem grofsen
chinesischen Fort. Etwas südlicher, dem Eingang des Hafens gegenüber, befindet
sich eine lange Sandbucht, an der ein Fischerdorf liegt. Das Einbringen eines
Schiffes in den Hafen ist sehr einfach, und man hat einen Lootsen kaum nöthig,
kann jedoch auch einen solchen bekommen. Hat man die Bake auf Bush Island
gesichtet, -so läfst man diese beim Hereinhalten in. den. Hafen etwa einen .halben
Strich an B.B., bis man die schwarze Boje sichtet, die bei Palm Island liegt.
Diese läfst man auf halbe Schifislänge an B. B. passiren und sichtet dann auch
schon die rothe Boje bei Ruin Point, die man auf Schiffslänge an St. B. passiren
läfst, Man vertäut das Schiff hier gewöhnlich mit 30 Fad. Kette an jeder Seite.
Gute Ankerplätze befinden sich für nicht zu tief gehende Schiffe (bis 15 -Fufs)
auf der Linie vom Zollhaus-Flaggstock nach Ruin Point, Doch ist es nöthig,
wenn hier mehrere Schiffe liegen, um durch Herumschwingen nicht in Havarie
miteinander zu kommen, hinten einen Warpanker mit Spring auszubringen,
so dafs das Schiff mit dem Kopfe nach aufsen liegt. Große, tiefgehende Schiffe
besuchen diesen Hafen äußerst selten, es müfsten‘ dann. schon englische -oder
chinesische Kriegsschiffe sein. Diese können‘ nur außerhalb der rothen Boje
ankern. Die Hauptfahrt ist mit Segelschiffen von Amoy, die im Ballast kommen
und hier Kohlen zurücknehmen.‘ Mitunter geht hier auch etwas Thee‘ oder
Kampferholz weg, doch wird dasselbe meistens von Tamsui exportirt. 3
Das Koblenladen geht bei gutem Wetter, wenn kein oder doch nur wenig
Seegang: im Hafen, ist, ziemlich schnell von Statten.. Die Kohlen. werden. in
kleinen Körben übergemannt und sind manchmal sehr nafls. Die Kelung-Kohle
ist von keiner besonders guten Qualität; sie ist sehr leicht und besteht fast nur
aus Gruß mit einigen größeren Stücken, Sie schmutzt sehr und erzeugt einen
solchen Rauch, dafs man Dampfern, die diese Kohle brennen, oft einen meilen-
langen Rauchstreifen folgen sieht. . Auch erzeugt. sie leicht Schornsteinbrand und
verlangt viel Zug. Es sollten darum Dampfer, die gezwungen sind, hier. zu
fahren, und diese Kohle benutzen müssen, mit einem weiten Schornstein ver-
sehen sein. . |
- Es-sind zwei chinesische Compradore in Kelung, und man: kann von den-
selben Proviant und Vegetabilien stets bekommen. Frisches Fleisch ist‘ mitunter
hier schwer zu erhalten, doch giebt es stets schöne Seefische. “1 5 08
Von Kelung-Hafen bis Fetou Point verläuft die Küste ungefähr OSO.
Sie ist stark zerrissen und hat viele kleine Felsen, die aber alle dicht am Ufer
liegen. Auch besitzt diese Küstenstrecke zwei kleine Seebuchten (Kohlenhafen
ungefähr 1 Sm SO von Palm Island und Chim mo Bay ungefähr 1 Sm süd-
östlich von der vorigen). Es liegen viele kleinere Felsen in diesen Buchten,
und ist es daher nicht rathsam; hier zu. ankern. Petou Point liegt. ungefähr
rw. 0801/40 7 Sm von Palm Island. Sie ist 120m hoch und. hängt: nur
mit einer niedrigen Stelle mit der Küste zusammen; so dafs sie, von Palm Island
aus gesehen, eine Insel zu sein scheint. Nach dem Innern zu erhebt sich das
Bergland bis zu 900 Fufs Höhe, doch sind hier, wie überall im Innern von
Nord-Formosa, Peilobjekte schlecht zu nehmen, da das Hochland meistens mit
Wolken bedeckt ist. Für Schiffe, die von Norden kommen, ist-es während des
Nordost-Monsuns ein ‘sicheres Zeichen, dal sie sich der Nordküste von Formosa
nähern, wenn sie bewölkte, schaurige Luft oder Regen bekommen. Auch. bei
klarer Luft sichtet man das Land gewöhnlich in Wolken und Dunst gelagert. -