192
und hielt sich quer über die ganze Ddnemark-Strafse zwischen + 6,8° und
+9,5°. Am 13, Juli, 6'/2 p. m., ankerte der „Ingolf“ wicder im Grönnefjord,
In demselben Hefte der „Tidskrift for Sövwsen“ befindet sich pag. 48
bis 63 eine Abhandlung des Premierlicutenants Wandel über die bei den Tief-
seeuntersuchungen in der Dänemark - Strafse angewendeten Apparate und
Beobachtungsmethoden, auf welche hiermit die Aufmerksamkeit gelenkt wird.
Das Emporquellen von kaltem Wasser an meridionalen Küsten,
Von E, Witte.
Die Beobachtuug der Wassertemperatur ist seit längerer Zeit als ein
wichtiges Hülfsmittel für die Schiffahrt anerkannt. Ein plötzliches Fallen des
Thermometers läfst fast immer auf das Vorhandensein von Untiefen resp. auf
die Nähe von Land schliefsen. Anderseits aber bedingt die Nähe von Land
nicht immer einen auffallenden Temperaturwechsel. Es dürfte daher auch für
die Praxis von Wichtigkeit sein, klar zu stellen, in welchen Fällen mit
der Annäherung an die Küste ein Sinken der Wassertemperatur erwartet
werden darf.
Betrachten wir zur Untersuchung diesor Frage beispielsweise den Golf-
strom in der Nähe von St. Augustine, wo derselbe genau nach Norden fliefst.
Jedes Wassertheilchen hat in Folge der Achsendrehung der Erde eine gewisse
Geschwindigkeit in der Richtung nach Osten. Die Strömung kommt nun von
Parallelkreisen, welche wegen der gröfseren Nähe des Aequators einen gröfseren
Durchmesser und daher eine größere Rotationsgeschwindigkeit haben, und
erreicht auf ihrem Wege nach Norden fortwährend Parallelkreise von kleinerem
Durchmesser und kleinerer Rotationsgeschwindigkeit, Wegen des Beharrungs-
vermögens hat also jedes Stromtheilchen die Tendenz, der Drehung der Erde
vorauf nach Osten zu eilen oder sich von der Küste zu entfernen. Das Princip
ist dasselbe, welches für Luftströmungen allgemein anerkannt ist, und vermöge
dessen jede Bewegung die Tendenz hat, von der meridionalen Richtung auf der
nördlichen Halbkugel nach rechts, auf der südlichen nach links abzuweichen,.
Es wirkt mithin auf jedes Stromtheilchen aufser dem nach Norden ge-
richteten Gefälle und aufser der Schwerkraft noch eine aus der Achsendrehung
der Erde entspringende, nach Osten gerichtete Kraft. Warum der Golfstrom
dieser Kraft nicht folgt und sich nicht von der Küste entfernt, haben wir hier
nicht zu untersuchen, Es genügt, dafs die Kraft vorhanden ist, und dafs die
Strömung trotzdem zunächst die nördliche Richtung beibehält.
Die Rotationskraft mufs sich nun nothwendig in der Weise äufsern, dafs
das Niveau der Strömung nach rechts hin steigt, und zwar mufs sich dasselbe
auf der rechten Seite so weit heben, dafs in jedem Querschnitte die Oberfläche
normal gerichtet ist zu der Rezultante aus der Schwerkraft und der Rotations-
kraft, beiläufßg nach Herrn Colding’s Rechnung in unserm Beispiele etwa
um 50 cm.
Angenommen nun, es befinde sich unmitlelbar unter der betrachteten
Strömung eine ruhende kalte Wasserschicht, so erleidet dieselbe auf der rechten
Soite einen der Wassersäule von 50cm entsprechenden höheren Druck als links;
mithin mufs die Grenzfläche sich rechts senken und links heben. Die Neigung
dieser Grenzfläche, d. bh. das Emporlaufen der Isothermen nach der Küste zu,
hängt al von dem Unterschiede in dem absoluten specif. Gewicht der beiden
Wasserschichten und würde bei einem Unterschiede von 0,001 das Tauscndfache
von der ursprünglichen Hebung des Niveaus nach rechts betragen. Läge also
die kalte Wasserschicht in unserm Boispicle rechts in einer Tiefe von 500 m,
30 müfste dieselbe links, am Festlaude, zu Tage treten. Die Theorie ist aus-
geführt in „E. Witte: Ueber Meeresströmungen, VPleis 1878, bei Krummer.“