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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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klar und ihre Temperatur stieg in einer kurzen Zeit bis 8°, sank aber bald 
wieder zu 3°—4°. Es wurde hierauf wieder Kurs nach SW gesetzt, und um 
zh p. m. (am 7, Juli) bekam der „Ingolf“ die Blosseville-Küste in NW’ in Sicht 
and hielt. auf dieselbe zu, bis zur Kante des festen Eises, längs welcher nun 
wieder nach SW gesteuert wurde. Anscheinend war der „Ingolf“ der Blosseville- 
Küste näher gekommen, als dem Lande am Tage vorher, Die Küste erwies 
sich als sehr hoch und zerklüftet, und das Land sah aus, als ob es ganz mit 
Schnee und Eis bedeckt sei. Es war fast windstille und das Wetter so klar, 
dafs man eine Sonnen-Mitternachts-Breite nehmen und im Laufe der tageshellen 
Nacht verschiedene leicht kenntliche Punkte am Lande bestimmen konnte. 
Am 8. Juli wurde wieder nordwestlich gesteuert und gleichzeitig gelothet; 
und, da man um 8" a. m, bei 640m (350 Fad.) Tiefe und um 9* a. m. bei uur 
366 m (200 Fad.) den Boden erreichte, wurden die Scharrnetze heruntergelassen, 
welche Schlamm heraufbrachten. Von Mittag bis 6* p. m. wurde wieder nach 
SW. und West, längs der Ost- und Südkante des festen HEises, gehalten und bei 
dieser Gelegenheit verschiedene gut sichtbare Punkte des Landes bestimmt. 
Die alle zwei Stunden unternommenen Lothungen ergaben stetig eine geringe 
Tiefe, zwischen 183—366 m (100—200 Fad.) Am Abend steuerte das Schiff 
südlich von mehreren grofsen Eisbergen, in ca !/s Sm Abstand; die Höhe des 
zunächst befindlichen: wurde zu 53m (175 Fuss) bestimmt. In der Nacht.war 
es sehr nebelig, so dafs nach SO gehalten wurde; aber am nächsten Tage, am 
9. Juli, klarte es wieder auf, und der Kurs wurde SW. gesetzt. Das Eis kam 
bald wieder näher, und gegen Mittag befand. sich der „Ingolf“ zwischen zum 
Theil losem Eise und dicht südlich von einem mächtigen Eisfelde. 
Der Wind hielt sich, wie auch die Tage vorher, östlich als flaue Briese, 
Frischte aber im Laufe des Tages auf aus Westen; das Wetter blieb aber gleich- 
mäfsig schön und klar, so dafs man fortwährend das Land in Sicht behalten 
konnte. In der Nacht wurde wieder südwärts gesteuert und am nächsten 
Morgen (10. Juli) wieder Kurs nach Westen gesetzt; da der westliche Wind 
das Eis zum Theil von der Küste weggetrieben hatte, glückte es nun, der Küste 
sich bis auf 3—4 Sm zu nähern. Es wurden verschiedene hervortretende Punkte 
bestimmt; die Lothungen ergaben durchweg eine Tiefe von 310—330 m (170 
bis 180 Fad.). . Gegen 1° p. m. tauchten mehrere mittlerweile losgerissene Kis- 
massen in SW auf; da zu befürchten stand, dafs man bei einem weiteren Vor- 
dringen in westlicher Richtung vom Bise eingeschlossen werden könnte, so wurde 
der Kurs zuerst südlich und später südöstlich gesetzt. Das Land kam schnell 
aus Sicht und wurde darauf auch nicht mehr gesehen, denn am Abend war der 
Wind wieder östlich und brachte Nebel mit sich, weshalb das Schiff im Laufe 
der Nacht beigedreht lag und am 11, Juli östlich steuerte; um 1'/:» a. m. 
(am 11. Juli) sank die Temperatur unter den Nullpunkt, und man erhielt plötzlich 
im Nebel gerade voraus im wenigen Hundert Ellen Abstand vom Schiffe das 
feste Eis und einen Eisberg in Sicht; „Ingolf“ mufste mit voller Kraft rückwärts 
gehen, um vom KEise frei zu kommen, und steuerte einige Sm weit nach Westen 
und dann nach SO. Es wehte fortwährend ein frischer östlicher Wind, Nebel 
zeigte sich nicht und das Schiff fuhr fort, östlich und ostsüdöstlich. zu steuern, 
quer über die Dänemark-Strafse, wobei ab und zu gelothet wurde. Bei den 
Lothungen, welche gemacht wurden, während man das Land in Sicht hatte, 
schwankten . die Tiefen nur zwischen 274—512 m (150—280 Fad.); doch er- 
reichte man am Nachmittage des 7. Juli in 67° 35‘ N-Br und 24° 48‘ W-Lg süd- 
östlich von der Blosseville-Küste eine Tiefe von 1463 m (800 Fad.) 
Auf der Route quer über die Dänemark-Strafse erreichte man bald grofse 
Tiefen, nämlich am 11. Juli 9" p. m. in 65° 7‘ N-Br und 33° 13‘ W-Lg 923 m 
(505 Fad.), Schlammgrund, um Mitternacht in 65° 3‘ N-Br und 32° 52‘ W-Lg 
996m (545 Fad.), am 12, Juli 4" a. m. in 64° 58‘ N-Br und 32° 26‘ W-Lg 
1518 m (830 Fad.), um 9 a. m. in 65° 4‘ N-Br und 31° 45‘ W-Lg 1444 m 
(790 Fad.), um 4" p. m. in 65° 1‘ N-Br und 30° 27‘ W-Lg 1756 m (960 Fad.) 
Sand. und Schlick, und endlich um 7" p. m. in 64° 52‘ N-Br und 29° 37“ W-Lg 
1838 m (1005 Fad.) Mittags am 11. Juli war die Wassertemperatur +0,5°, 
als der „{ngolf“ aber um 1* p. m. dicht an den Eisberg gelangte, fiel sie bis 
zu —0,5° und betrug um 2" p. m. noch —0,1°; als man sich um 21h wieder 
vom Eise entfernte, stieg sie wieder bis + 1,1° und betrug um 5%2* p. m. +7,2° 
2%
	        
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