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die Station bei Island und den Faröern und setzte am 24, Juni, nachdem sich
das grönländische Treibeis etwas zertheilt hatte, die im vorigen Jahre begonnenen
Untersuchungen (s. pag. 175) über die Strömungs- und Temperaturverhältnisse in
der Dänemark-Straße von der Oberfläche bis zum Meeresboden fort... Dem über
dieselben in der ‚,Tidskrift for Sövcesen‘““, 1879, pag. 50 ff. mitgetheilten Bericht
des Kapt. Buchwald entnehmen wir nachstehende Angaben, .
Am 24, Juni 1878 verließ „Fylla“ den Skutilsfjord (den ersten größeren
Einschnitt an dem südlichen Rande des Kisfjord) und setzte Kurs auf. Kap
Nord, welches um 4* p. m. in Sicht kam. Das Wetter war schön und kein
Eis in Sicht; es wurde deshalb beschlossen, eine Lothungslinie nach Norden zu
nehmen, um die Tiefen- und Temperaturverhältnisse .des Meeres nördlich von
Island, soweit als es die Witterungsverhältnisse gestatteten, zu untersuchen.
Das. Schiff war, wie im Jahre 1877, mit den nöthigen Tiefloth-Apparaten und
aufser mit Casella-Miller’schen '"Thermometern noch mit solchen von
Negretti & Zambra ausgerüstet. .
Von Kap Nord aus wurde der Kurs rw Nord gesetzt und in bestimmten
Zwischenräumen Lothungen und Temperaturmessungen bis zum Boden gemacht.
Kurze Zeit nach Beginn der Lothungen stellte sich der unvermeidliche Eisnebel
ein; die Wärme der Luft nahm sehr stark ab, die des Wassers dagegen ver-
hältnifsmäfsig viel langsamer; dies schien darauf hinzuweisen, dafs das Eis noch
nicht in unmittelbarer Nähe sei, und „Fylla‘“ dampfte nun mit etwas verminderter
Fahrt weiter, während der Nebel sich hartnäckig so dicht hielt, dafs man kaum
auf eine Schiffelänge weit sehen konnte. Am 25. Juni 7’/2* a. m. war die
Temperatur der Luft + 0,4° und die des Wassers zugleich auf + 0,1° gefallen;
die Weiterfahrt wurde jetzt bis auf das äufserste verlangsamt, da es augen-
scheinlich war, dafs man sich dem Eise sehr nahe befand, von welchem man
allerdings noch nichts erblicken konnte, dagegen zeigten sich viele Stücke Treib-
holz, von denen an manchen Stellen das Wasser ziemlich angefüllt war, und
welche nach Süden längs dem Schiffe trieben. ;
Endlich kam gegen 9* a. m. die erste Eisscholle in Sicht; es wurde nun
hier, 74 Sm nördlich von Kap Nord, gestoppt und bei 659 m (350 Fad.) Grund
gelothet; von der Oberfläche und einigen Metern unter derselben bis zum
Boden nahm die Wassertemperatur von — 0,5° bis. — 1,8° € ab; hiernach‘ war
das Schiff in den kalten Polarstrom eingedrungen und das eiskalte Wasser
konnte in allen Tiefen konstatirt werden. .
Da ein weiteres Vordringen kaum. möglich war, wurde wieder südwärts
gesteuert und am 26. Juni in dem O-Fjord bei Akureyri (dem einzigen sicheren
Hafen an der ganzen Nordlandsküste von sland) &geankert. Hier blieb das
Schiff bis zum 5. Juli, au welchem Tage das Wetter wieder günstiger wurde,
so dafs im Laufe des Tages und der darauf folgenden Nacht eine Reihe von
Lothungen und Vemperaturmessungen genommen werden konnte. Um. 4'/2* p. m.
passirte „Fylla“ 6 Sn westlich von Grimsey und gerieth um 6* in starke Strom-
kabbelungen. .
Die Lothungen wurden bis zu der 36 Sm in NNW von G-imsey vereinzelt
aufragenden Klippe Mevenklint fortgesetzt und von da bis nahezu derselben
Breite, wie bei dem ersten Vorstofse. Auf diesem ganzen Schnitte wurde
von der Oberfläche bis zum Boden warmes Wasser (2°—6° C) vorgefunden;
die gröfste gelothete Tiefe war 441 m (234 Fad.). Vom 6. bis 11. Juli dampfte
die „Fylla“* längs der Nordlandsküste um Kap Nord bis zum Snefjelde-Jökull;
von hier aus wurde der Kurs rw W'AN gesetzt, um bei dem mittlerweile oin-
getretenen günstigen Wetter in diesem Theile der Dänemark-Straßfse Tiefen-
and Temperaturmessungen anzustellen. Die Lothungen begannen am 11. Juli
7% p. m. und ergaben eine Tiefe von 300m (160 Fad.), welche aber bald bis
157m (94 Fad.) abnahm, um gleich darauf wieder bis zu 209 und 245m (110
and 130 Fad.) zuzunehmen,
Am 12. Juli, 8& p. m. in 65° N-Br und 28° 18‘ W-Lg wurden 1130 m
(600 Fad.), um 12* Mittags in 65° 2‘ N-Br und 29° 15‘ W-Lg 1358 m (775 Fad:)
und um 4* p.m, in 65° 5‘ N-Br und 30° 29‘ W-Lg 2237 m (1125 Fad.) Tiefe
gelothet. Hier, am letzteren Orte, in ca. 160 Sm Abstand von der Küste,
wurde die Temperatur an der Oberfläche zu 11° und am Boden zu 4 3,4° gemessen,
Noch 32 Sm weiter westlich betrug die Temperatur an der Oberfläche 10° und
Ann. &. Hydr., 1880. Heft IY (April). "