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auch die Tiefe nimmt etwas, wenn auch nicht erheblich, ab; beides muss, wie
wir oben ausgesprochen haben, nach der Theorie eine Annäherung der Zeit
des Stromwechsels an die Zeit des Hoch- und Niedrigwassers zur Folge haben,
und da die Verengung der Kanäle beiderseits mit der Annäherung an Dover
zunimmt, so wird auch die Verschiebung des Stromwechsels nach Hoch- und
Niedrigwasser zu immer bedeutender werden, bis sie in der Strasse von Dover
ihr Maximum erreicht und hier nahe, aber nicht ganz mit Hochwasser zu-
sammenfällt. Hierdurch gewinnen wir eine ganz ungezwungene Erklärung dafür,
weshalb sich die Zeit des Stromwechsels nach der Fluth und Ebbe von Dover
richtet. Wir legen hierauf einiges Gewicht, weil jeder andere Erklärungs-
versuch entweder auf einen andern Küstenpunkt als Normalort führen wird,
oder es als zufällig erscheinen lässt, dass gerade die engste Stelle des frag-
lichen Gebiets der Punkt ist, nach dessen Gezeit sich die Strömungserschei-
nungen richten; hier erscheint dies als eine nothwendige Folge der Theorie.
Wären z. B. die fraglichen Strömungsverhältnisse die Folge ‚einer durch Inter-
ferenz entstandenen stehenden Welle, welche, wie wir sahen, im Allgemeinen
die Erscheinungen erklären würde, so müssten wir den Scheitel der Wolle dort
finden, wo die beiden interferirenden Wellen mit den gleichen Phasen zusammen-
treffen, d. h. vor der Themse, wo nach den „Cotidal lines“ beide Wellen zu-
gleich am Tage von Neu- und Vollmond um Mittag Hochwasser haben, und
müsste sich der Stromwechsel eher nach der Gezeit von Margate oder Sheerness,
als nach der von Dover, richten.
Dies genügt aber noch nicht, um die Gleichzeitigkeit des Strom-
wechsels in dem hier behandelten Gebiete zu erklären. Hierzu müssen wir
eine Hypothese zu Hülfe nehmen, welche indess nicht gerade unwahrscheinlich
ist, nämlich, dass dio Verkleinerung des Zeit-Intervalls zwischen Hochwasser
und Stromwechsel an auf einander folgenden Orten gleich ist der successiven
Verspätung der Hochwasserzeit an denselben Orten, Sei z. B. um 11" a. m.
bei Dover Hochwasser, so ergeben die Beobachtungen, dass innerhalb des oft-
genannten Gebietes, um dieselbe Zeit, d. h. um 11* a. m. der Stromwechsel
erfolgt. Damit dies möglich ist, muss an denjenigen Punkten, welche
um 8: a. m. Hochwasser haben, der Stromwechsel 3 Stunden
„ 9% a. m. P » $ 2
„ 10% a. m, » » » » 1 »
nach Hochwasser am Ort eintreten, d. h. es müssen die Verfrühung des Stau-
wassers und die Verspätung der Hochwasserzeit an auf einander folgenden
Orten einander gleich sein.
Man wird a priori geneigt sein anzunehmen, dass dies am ehesten ein-
treten werde in einem sich gleichmässig verengenden Kanale, dessen horizontale
Grundform also ein Dreieck sein würde. Theoretisch scheint ein ähnliches Resultat
zu folgen; doch ist es schwierig, hierüber etwas Bestimmtes auszusprechen,
weil die Verhältnisse zu complicirt siud; 'T’hatsache aber ist, dass sowohl der
englische Kanal, wie der betreffende Theil der Nordsee, welcher östlich durch
die vlämischen Bänke und die nach Norden fortschreitende Welle begrenzt ist,
annähernd diese Gestalt haben, und dass dori, wo Abweichungen von dieser
Gestalt anftreten, auch Abweichungen von der Gleichzeitigkeit des Strom-
wechsels beobachtet‘ werden. So haben wir schon oben nach Beechey an-
geführt, dass auf der Strecke von der Seine bis zur Somme der Stromwechsel
bis zu einer Stunde später eintritt, wie im übrigen Theile des Kanals, und wir
dürfen dies ohne Zweifel der Ausbuchtung zuschreiben, welche der Kanal von
Kap Barfleur bis zur Mündung der Somme und weiter zeigt, Wir fügen noch
nach den „Tide-tables“ hinzu, dass in der Mündung der Themse bei Mouse
Light-ship der Strom 2 Stunden und bei Sunk Light-ship 1 Stunde nach Hoch-
und Niedrigwasser wechselt, .
Was die Grenzen anlangt, innerhalb welcher die Gleichzeitigkeit des
Stromwechsels möglich ist, so folgt aus dem Vorhergehenden, dass dies höchstens
bis zu denjenigen Orten sich erstrecken kann, welche 3 Stunden früher wie
Dover Hoch- und Niedrigwasser haben, denn dies ist das Intervall, um welches
der Stromwechsel bei der ungestörten Welle dem Hochwasser folgt. Wir
dürfen daher erwarten, dass sich dies auch durch die Beobachtungen recht-
fertigen werde. -Wir haben aber bereits oben als Beobachtungsresultat an-
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