accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

184 
in der Regel zu dieser Jahreszeit’ nördlich von /sland eisfrei ist, so dafs die 
Fischerei in der Skagestrands-Bucht ungestört betrieben werden kann. Bis 
zu welcher Entfernung vom Lande sich dies offene Wasser erstreckt, kann 
für jetzt noch nicht angegeben werden, denn wegen der kurzen Tago 
im Winter und der häufigen und gewaltigen Schneestürme wagen sich 
die Fischer nicht weit von der Küste hinweg; die oben erwähnten Beob- 
achtungen zu Grimsey geben dagegen in dieser Hinsicht höchst interessante 
Aufschlüsse. Auf dieser Station war in den vier letzten Jahren die mittlere 
Wassertemperatur im Monat Januar 4'/2° und im Februar 3%° gewesen, eine 
Temperatur, welche ebenso hoch ist, wie die, welche man im Winter an der 
Oberfläche des Wassers weithin südöstlich von /sland bis zu den Faröern an- 
trifft, und die unter demselben Breitengrade und zu derselben Jahreszeit an 
der norwegischen Küste kaum höher anzutreffen ist. Es kann deshalb kein 
Zweifel sein, dafs man genöthigt ist, die Ansichten hinsichtlich der Wärme- 
verhältnisse in der Umgebung von /sland vollständig zu ändern. An Stelle 
der seitherigen Annahme, dafs die Insel Z/sland im Winter an ihrer nordwest- 
lichen und nördlichen Küste von dem aus dem Eismeer kommenden Polarstrom 
bespült wird, ist es nun klar und deutlich, dafs der mächtige warme nach 
Norden gerichtete Zug des atlantischen Wassers auch zu dieser Jahreszeit oinen 
Zweig nach Westen und Norden von /sland absendet, 
Nur auf diese Weise können wir uns den für diese Breiten verhältnifs- 
mäfßsig warmen Winter, welcher an den Küsten /slands und vorzugsweise an 
der Nordküste dieser Insel herrscht, erklären. Obgleich Grimsey unter dem 
Polarkreise liegt, hat die Luft im Monat Januar doch eine mittlere Temperatur 
von ——2°, ist also ebenso mild, wie an Norwegens Westküste unter derselben 
Breite (Bodö, %/4° nördlicher gelegen, hat eine mittlere Januar-Temperatur von 
—21%4°, Brönö, 1° südlicher, eine solche von — 2°) und wärmer, als an Orten 
im Innern Süd-Schwedens, welche 10° südlicher liegen. Eine so eigenthümliche 
Erscheinung, welche noch schärfer hervortritt, wenn wir bedenken, dafs alle 
Winde aus den Richtungen von West durch Nord bis NE im Winter die über 
dem ostgrönländischen Eisstrom stark abgekühlte Luft bis nach Grimsey führen, 
kann nur daraus erklärt werden, dafs das diese Insel umgebende Wasser 
eine sehr kräftige Wärmequelle ist; man kann daher mit Sicherheit be- 
haupten, dafs die Untersuchungen der Wärmeverhältnisse in den Meerestiefen 
nördlich von Zsland eine noch höhere Wärme ans Tageslicht fördern werden, 
als wir für jetzt an der Oberfläche kemnen. 
Fragt man nun, woher es kommt, dafs die nördlichen Gebiete von Zsland 
ungeachtet ihres verhältnifsmäfsig warmen Winterklimas von der Natur hin- 
sichtlich des Pflanzenwuchses!) doch so stiefmütterlich behandelt sind, so kann 
die Ursache hiervon namentlich in zwei Umständen gefunden werden. Zunächst 
ist der Frühling verhältnifsmäfsig sehr kalt?); eo ist März der kälteste Monat 
mit einer mittleren Wärme von — 3,5° und der April ist nur um 0,7° wärmer, 
als dor Januar; zu Anfang Mai steigt die mittlere Temperatur über 0°, aber 
die Wärmezunahme ist sehr langsam, so dafs die Temperatur in dem wärmsten 
Monat August im Mittel nicht höher ist, als 7,1°, entsprechend der Temperatur 
am Schlufs des Monats April in Kopenhagen. Freilich sind die Wärmeverhält- 
nisse. weiter nach dem Innern von Nordisland zu etwas günstiger, wo die 
Mittelwärme des August um einige Grade höher ist, aber auch nicht höher, als 
die Mai-Temperatur in Kopenhagen, Der sehr kalte Frühling und der voll- 
ständige Mangel an wirklicher Sommerwärme sind also die Ursachen, welche 
in dem nördlichen Zsland den Pflanzenwuchs hindern. 
:) „Ueber den Feld- und Gartenbau in den nördlichen Gegenden“ von Ad, Erslev (Geogr. 
Yidskr. 1877). 
%) Aus den 4',2jährigen Beobachtungen auf Grimsey und mit Anwendung der aus den 
32 jährigen Beobachtungen zu ‚S’ykkisholm gewonnenen Korrektionen ist die normale Wärme in °C 
für Grünsey, wie folgt, bestimmt: 
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Jahresmittel 
—21 —29 —35 —14 19 50 71 7,1 50 27 —0,1 —05 1,5 
Da die 4'/ Beobachtungsjahre mit dem aufsergewöhnlich strengen Winter 1873/74 schliefsen, 
welcher sich an der Nordküste von /slanıd besonders fühlbar machte, so würde man wahrscheinlich 
höhere Temperaturen für die Wintermonate erhalten. wenn- man eine längere Reihe von Jahren in 
Rechnung ziehen könnte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.