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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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nordwärts setzenden Strömungen dagegen den Westküsten der das Meer um- 
schliefsenden Länder folgen, und dies wird seine Gültigkeit haben, selbst unter 
der alleinigen Voraussetzung eines vertikalen oceanischen Kreislaufes zwischen 
den Polen und dem Aequator; dieser Annahme gemäfs wird nämlich an den 
Ostküsten der kalte Unterstrom: der mächtigere sein und folglich der Oberfläche 
näher kommen, während der warme Oberflächenstrom an den Westküsten tiefer 
hinabsinkt. !) 
Die Nachweise dafür, dafs in der Wirklichkeit die Verhältnisse mit 
denen nach der erwähnten Theorie übereinstimmen, sind nicht schwer zu finden. 
In der Davis-Strafse setzt ein kalter Eisstrom längs der Küste‘ von 
Labrador nach Süden und ein verhältnifsmäfsig warmer längs der Westküste 
von Grönland nach Norden; ähnliche Zustände finden in dem Meere: zwischen 
Spitzbergen und Grönland statt, und, wie oben nachgewiesen ist, in der Dänemark- 
Strafse; längs der Ostküste von /sland ist ein südwärts setzender Strom mit 
kaltem Wasser nachzuweisen, ebenso an der Westküste von Norwegen ein: warmer 
Strom, nach. Norden setzend. Ja, selbst in Binnenmeeren finden sich dieselben 
Erscheinungen vor; so ist z. B, in der Nordsee mindestens im Sommer das 
Wasser längs den Ostküsten von England und Schottland kälter, als an der 
jütischen Westküste; im Kattegat strömt das süfsere von Süden herkommende 
Wasser oben längs der schwedischen, das salzigere Wasser in der Tiefe längs 
der jütischen Küste, 
Da, wo sich ein materielles Hindernifs, wie eine Küste, der Ablenkung 
eines Stromes nach rechts darbietet, ist der Strom an die Küste gebunden; 
hieraus folgt aber mit Nothwendigkeit, dafs bei solchen Stellen, wo eine Küste 
aufhört, oder pötzlich ihre Richtung bedeutend ändert, der Strom auch nicht 
seine frühere Richtung beibehalten, sondern nach rechts abbiegen und der 
Tendenz, welche ihm durch die Achsendrehung der Erde gegeben ist, folgen 
wird. Auch hierfür fehlt es nicht an Beispielen von thatsächlich stattfindenden 
Verhältnissen, 
Der kalte, südwärts setzende, aus der Davis-Strafßse kommende Strom behält 
seine Neigung zur Ablenkung nach West bei und staut sich an. den Küsten 
von Labrador und später von Neufundland auf, wo er gezwungen ist, nach 
SO zu laufen; sobald aber bei der Ostspitze von Newfundland die Küste 
schnell nach Westen hineinbiegt, ändert auch. der Strom seine Richtung und 
setzt nach Westen, bis er an der Ostküste der Vereinigten Staaten aufgehalten 
wird und dem Verlaufe derselben nach Süden folgen muls. 
Der kalte Strom, welcher längs der Grönländischen Ostküste nach SW 
läuft, setzt seinen Weg vom Kap Farewell nicht nach Neufundland fort, wie 
man früher glaubte, aber schon vom Admiral Irminger*) widerlegt worden 
ist, sondern dreht sich nach Westen und folgt vielleicht sogar eine Zeit lang 
der Westküste Grönlands nach Norden, bis er sich mit dem Labrador-Strom 
vereinigt, 
Der warme, längs der Westküste Norwegens nördlich setzende Strom 
dreht sich zugleich mit der Küste, bei dem Nordkap nach Osten und setzt 
seinen Lauf in dieser Richtung fort, bis er bei Nowaja Semlja wieder eine West- 
küste antrifit, welcher er in nördlicher Richtung folgt. Der an Jütlands Westküste 
nördlich setzende Strom biegt bei Hanstholmen zugleich mit der Küste nach 
NO um; bei dem Verlassen der Küste bei Skagen setzt cr hinüber nach der 
Küste von Schweden und folgt dieser nach Norden. Der Südstrom, welcher 
besonders durch den Grofsen Belt aus der Ostsee in das Kattegat setzt, dreht. 
sich, sobald er die Küste von Seeland verläfst, sofort nach Nordost bis Anholt 
and zur schwedischen Küste. 
1) Es ist hier nur die Rede von den Tiefen-Strömungen des Meeres, nicht von den durch 
eigenthümliche, lokale Verhältnisse verursachten Triftströmungen in den obersten Wasserschichten, 
wie z. B: dem stark erwärmten Golfstrom, welcher nach seinem Austritte aus der /"lorida-Strafse, 
trotz seiner nördlichen Richtung, doch Anfangs in dem westlichen Theile des‘ Oceans‘ angetroffen 
wird, Wenn man dagegen die Benennung „Golfstrom‘“ auch auf den tiefer gehenden, nach Norden 
setzenden warmen Wasserzug, welcher beinahe die ganze Breite des Nordatlantic einnimmt; aus- 
dehnen will, so erweisen alle Untersuchungen, dafs er im östlichen Theile des Oceans am mächtigsten 
ist und sich an den europäischen Westküsten aufstaut.‘ A 
2) „Den aretiske Strömning“ af C. Irminger. Nyt Archiv f. Söyvaesenet, 1854, 
Ann. d. Hydr., 1880, Heft 1V (April)
	        
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