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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Der südliche Schnitt (Fig. 2) zeigt sofort, dafs wir es in der Ddnemark- 
Strafse nicht mit einem warmen Öberflächen- und einem kalten Bodenstrom zu 
thun haben, wie solche die norwegische Expedition von 1876 im Eismeere nach- 
gewiesen hat, sondern dafs in dieser Strafse die Herrschaft sich zwischen einem 
warmen und einem kalten Strome theilt, welche beide von der Oberfläche bis 
zum Boden sich erstrecken, und zwischen denen der Uebergang verhältnifsmäfsig 
plötzlich erfolgt.‘ Zugleich ersieht man, dafs das kalte Wasser sowohl sich 
unter das warme Wasser am Boden hineindrängt, als auch sich über dasselbe 
an der Oberfläche ausbreitet. In der Vertikalen No. 3, 75 Sm vom Lande ent- 
fernt, erstreckt sich das warme Wasser von 6°—7° von der Oberfläche bis zu 
einer Tiefe von über 375m (200 dän. Fad.); am Boden in einer Tiefe von über 
565m (300 dän. Fad.) ist die Temperatur des Wassers noch 5°; bis 13 Sm 
weiter in See, in der Vertikalen No. 4, hat ein grofser Theil der Wassermasse 
ungefähr noch dieselbe Wärme, aber an der Oberfläche ist sie in No. 4 bis zu 
4° gesunken und am Boden bis zu 0°; noch 12 Sm weiter nach West treffen 
wir auf die Eiskante; in der Vertikalen No. 5, sowohl an der ‘Oberfläche als 
in den untersten Schichten am Boden hatte das Wasser eine Temperatur von 
0°, während die der dazwischen liegenden Schichten 2°—3° war. Diese letzteren 
hatten sich auch auf kurze Entfernung ziemlich plötzlich um ungefähr 4° ab- 
gekühlt (s. Fig. 2), und es kann deshalb kaum zweifelhaft sein, dafs das Wasser 
weiter in die Dänemark-Strafse hinein von der Oberfläche bis zum Boden eine 
Temperatur von 0° und darunter besitzt. Einen direkten Beweis hierfür zu 
finden, dürfte vielleicht schwer fallen, weil es den Anschein hat, als ob das 
Grönlandseis stets sich über den. äufsersten Theil des warmen Stromes aus- 
breitet und jedes weitere. Vordringen desselben verhindert; da aber der kalte 
Strom der Dänemark-Strafse aus dem westlichen, ebenfalls mit Eis angefüllten 
Theil des Eismeeres kommt, in welchem die Temperatur des Wassers, wie 
Mohn nachgewiesen hat,') in allen Tiefen unter 0° ist, so ist es im höchsten 
Grade wahrscheinlich, dafs hier dieselben Verhältnisse herrschen. 
In dem mittleren Schnitte (Fig. 3) breitet sich das Eis weit mehr über 
den warmen Strom aus, als in dem südlichen. Wasser mit 5°—6° erstreckt 
sich iu dem mittleren Schnitte nur bis zu einem Abstand von 50 Sm vom Lande 
and bis zum Boden in 375m (200 dän. Fad.) Tiefe, aber nur 2 Sm weiter, dicht 
vor der Eiskante, iu der Vertikalen No. 12, treffen wir schon Wasser unter 0° 
in 565m (300 dän. Fad.) Tiefe, während zugleich das kalte Wasser von — 1,5° 
bis zur Oberfläche hinaufdringt und auf dem warmen Strom von 6° ruht. 
In dem nördlichen Schnitte (Fig. 4) wurde die Eiskante schon in einem 
Abstande von ca 40 Sm von /sland angetroffen; und an derselben fand man 
den. warmen Strom, der bis zu einer Tiefe von 245m (130 dän. Fad.) verfolgt 
werden konnte (vgl. pag. 187). 
Die Hauptergebnisse der Untersuchungen innerhalb dieser Schnitte sind: 
1). dafs der warme Strom in der Dänemark-Strafse sich nicht auf die Ober- 
fäche allein beschräukt, sondern bis in gröfsere Tiefen hinabreicht, bis zu 
einem ' bestimmten Abstand von Islands Westküste sogar bis auf den Boden; 
2) dafs dieser Strom, weiter in die Strafse hinaus, sowohl nach oben, als nach 
anten, von dem kalten Wasser verdrängt wird, welches die warme Wassermasse 
wie mit einer Klammer umfafst; und 3) dafs diese kalten Schichten sich wahr- 
scheinlich nach und nach einander nähern und in dem westlichen Theile der 
Dänemark-Strafße einen kalten bis zum Boden gehenden Strom bilden. Ferner 
scheint aus den drei erwähnten Schnitten hervorzugehen, dafs die Quer- 
schnittsfläche des warmen Stromes nach Norden hin abnimmt, obgleich noch nicht 
mit Sicherheit zu bestimmen ist, wie grofs diese Abnahme ist, da, so weit 
838 nachgewiesen ist, das kalte mit Eis angefüllte Wasser sich fortwährend 
desto weiter hinein über den warmen Strom schiebt, je mehr die Straße nach 
Norden eingeengt ist und dadurch eine Untersuchung des Wassers in der Tiefe 
verhindert. Eine Abnahme des Querschnitts nach Norden giebt aber noch keine 
Sicherheit für eine wirkliche Verminderung der warmen Wassermasse; da 
nämlich ihre Stromgeschwindigkeit gänzlich unbekannt ist, kann man auch ebenso 
gut eine Vermehrung derselben annehmen. 
“7 5S. Petermann’s „Geogr. Mitth.“, 1878, pag. 7.
	        
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