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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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solches Gaukelbild, wie wir es hier sahen, leicht zu Verwechselungen und 
Yäuschungen Anlafs geben kann, so zwar, dafs die vermeintliche Sichtung 
giniger Punkte von Ost- und Südgrönland sich möglicherweise später als unrichtig 
erweisen kann, indem die Phantasie hier das Trugbild für das Land selbst 
annahın. Gegen Mitternacht wurde eine Mitternachts-Sonnen-Breite gewonnen; 
und,. da das Wetter ruhig war, steuerten wir nordwärts bis 12,2%, zu welcher 
Zeit gestoppt und gelothet wurde. . Das Schiff lag hier, dicht umgeben: von 
Eisschollen, in einer Bucht im Eise, und dieses erstreckte sich fast über den 
ganzen Horizont, von SW durch Nord bis SSO. 
Hierauf wurde südlich gesteuert und dann wieder Kurs auf /sland gesetzt, 
wobei fortwährend Lothungen gemacht wurden. Gegen 2 a. m., am 22. Juni, 
wurde das Wetter wieder bezogen, und kurze Zeit darauf fiel. ein ausserordentlich 
starker Nebel.“ ; 
Bei dieser Beschreibung ist zunächst die Erscheinung des starken Nobels 
zu beachten, welcher jedesmal an der Eiskante und zuweilen auch in einiger 
Entfernung noch. vor dem Erreichen derselben. angetroffen wurde. Es ist eine 
iu den isländischen Gewässern wohlbekannte Erscheinung, dafs eine am Horizont 
feststehende Nebelbank stets die Nähe des Eises und die Richtung, wo es liegt; 
anzeigt. Deshalb durfte auch die „Fylla“ nur mit der gröfsten Vorsicht sich 
der Kiskante nähern und machte ihre weiteste Lothung in See hinaus in einigem 
Abstande von derselben mitten im lockeren Treibeis, Diese Erscheinung erklärt 
sich ‚ohne Schwierigkeit durch die starke und oft plötzliche Abnahme der 
Temperatur an der Oberfläche des Wassers in der Nähe des Eises; das kalte 
Wasser wirkt nämlich abkühlend auf die verhältnifsmäfsig warme .und feuchte 
Luft, welche von dem Winde über dasselbe hinweggeführt wird, und diese 
Abkühlung bewirkt, dafs der Wasserdampf sich zum Nebel verdichtet; dies 
ist dieselbe Erscheinung, welche wir in gröfserem Mafsstabe bei den Neufundland- 
Bänken auftreten sehen, wo ein kalter und ein warmer Strom nebeneinander 
hinlaufen, und wo deshalb dichte Nebel sehr gewöhnlich sich bilden; wir 
kennen diese Erscheinung auch an der Ostküste von Grönland, wo der grofse 
Unterschied zwischen dem kalten Wasser zunächst der Küste und dem warmen 
Wasser weiter in See, besonders im Sommer, zu. starker Nebelbildung. Ver- 
anlassung giebt. 
; Ferner geht aus’ dieser Beschreibung hervor, dafs die Temperatur an 
der. Oberfläche des Wassers keineswegs eine gleichförmige Abnahme mit. der 
Annäherung an das Eis zeigt, sondern dafs man weiter draufsen in. der 
Dänemark-Strafse Streifen von warmem und kaltem Wasser antrifft. So hatte 
das Wasser am 18. Juni in 75 Sm Abstand von /sland. noch eine Wärme von 
512°, aber 2 Sm weiter in See nahm. die Wärme ab bis 2°, stieg in den darauf- 
folgenden 3 Sm wieder bis 6°, um unmittelbar darauf bis 2° abzunehmen, und 
in der‘ Nähe des Eises selbst bis 0°. Solche Streifen des Oberflächenwassers 
mit verschiedenen‘ Temperaturen müssen in einem Gewässer selbstverständlich 
leicht vorkommen können, wo ein Strom mit 8° Wärme neben einem anderen, 
der eine Temperatur von unter 0° hat und mit Eis angefüllt ist, hinläuft. 
Stürmisches Wetter wird gröfsere oder kleinere Wassermassen und ganze KEis- 
Aächen aus dem kalten Strom. in den warmen treiben, und das Kentern des 
Stromes. bei Ebbe und Fluth wird ähnliche Wirkungen ausüben; so fand, zu 
Ende des August 1876, Kapt. Nielsen, welcher mit der Yacht „Anna“ nicht 
weit vom KEise, nordwestlich vom Kap Nord, zum Fischen auslag, dafs mohrere 
Etmale hinter einander die von Süden kommende auf das Eis zu setzende Fluth 
regelmäfsig eine Wärme von 8°-—81/° hatte, während der vom Eise herkommende 
Ebbestrom an der Oberfläche nur eine Temperatur von 2'/2°—3° hatte. . 
. Die Resultate. der Tiefseeuntersuchungen der „Fylia“ sind in der diesem 
Hefte beigegebenen Tafel in 3 Profilen (Fig. 2—4) dargestellt, .in welchen die 
Vertheilung der Wärme in .dem östlichen Theile der Ddnemark-Strafse durch 
die eingezeichneten Linien der Isothermen deutlich in die Erscheinung tritt. !} 
1) Das. Wasser mit einer "Temperatur unter 0° ist in diesen Profilen durch einen, offen 
gelassenen Raum dargestellt, das Wasser mit einer Temperatur von 0°‘ bis 6° durch horizontale 
Striche, und dasjenige mit einer Temperatur von 6° und darüber durch schräge Striche gekenn- 
zeichnet, In der „ÜUebersichtskarte“ (Fig. 1) bedeuten die Pfeile mit stark ausgezogenen Linien den 
warmen, und die Pfeile mit unterbrochenen Linien den kalten Strom. A. a. R.
	        
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