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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Das dänische Marine-Ministerium beschlofs, behufs Mitwirkung für die 
Lösung dieser Frage, das im Sommer 1877 nach Zsland abgehende Stationsschiff, 
den Kriegsschoner „Fylla“, mit den nöthigen Instrumenten und Apparaten aus- 
zurüsten, um in gröfserem Abstand von den Küsten Tiefseelothungen und 
Temperaturmessungen vorzunehmen, und befahl gleichzeitig dem Kommandanten 
des Schiffes, seine Aufmerksamkeit auf den schmaleren Theil der Dänemark- 
Strafse hinzulenken. 
Mehrere Umstände erschweren indessen.in nicht geringem Grade die 
Tieflothungen rings um Island. Erstens liegt das starke Grönlandeis selten 
weit ab von den nordwestlichen und nördlichen Küsten, und von einem KEin- 
dringen in dieses Eis kann in der Regel nicht die Rede sein; zweitens ist die 
Witterung in den isländischen Fahrwassern sogar im Sommer sehr unruhig und 
oft so rauhı und stürmisch, dafs z. B. die norwegische Expedition im Jahre 1876 
lie Forschungen in diesen Gegenden vollständig aufgeben mufste; drittens hatte 
das Stationsschiff noch andere Aufgaben zu erfüllen, welche wegen der wissen- 
schaftlichen Untersuchungen nicht versäumt werden durften. Desto höher ist 
die Energie anzuerkennen, mit welcher der Kommandant der „/ylla“, Kapitän 
Jacobson, im Sommer 1877 seine Aufgaben gelöst hat, ebenso auch die 
Genauigkeit und Umsicht, mit welcher der erste Offizier, Premier-Lieutenant 
Caroc, die nicht geringen Schwierigkeiten überwunden hat, welche besonders 
Jie Temperaturmessungen darbieten, und wodurch er gerade ihre wissenschaft- 
liche Zuverlässigkeit gesichert hat. 
Bevor wir näher in die Betrachtung der Ergebnisse dieser Messungen 
eingehen, wollen wir eine kurze Darstellung unserer bisherigen Kenntnifs der 
Verhältnisse in dem nördlichsten Theil des Atlantischen Oceans, besonders der- 
jenigen bei den Küsten /slandse, geben. 
Fast alles, was wir iu dieser Hinsicht wissen, verdanken wir den 
Arbeiten und der sorgfältigen Sammlung von Beobachtungen einiger weniger 
Forscher. Seit Admiral Irminger im Jahre 1843 seine erste Abhandlung über 
die Strömungen an der Oberfläche des Nordatlantischen Oceans in dem „Nyt 
Archiv for Sövgsenet“ geschrieben hat, ist er beständig für die Berichtigung 
anserer Vorstellungen und die Erweiterung unserer Keuntnifs dieser Strom- 
verhältnisse thätig gewesen. Mit Benutzung der alljährlich von den Grönlands- 
and /slands-Fahrern gemachten Beobachtungen hat er nachgewiesen, dafs das 
atlantische Wasser längs dem 59sten Parallel, zwischen den Orkney-Inseln bis 
zu 30° W-Lg, also in einer Ausdehnung von über 900 Sm, eine ziemlich gleich- 
[örmige und verhältnifsmäfsig hohe Temperatur an der Oberfläche, bei einem 
nach Nord gerichteten Oberflächenstrom,') besitzt; dafs ferner das warme Ober- 
Hächenwasser infolge dieser Stromung, wenigstens im Sommer, ziemlich un- 
verändert in seiner Temperatur die Südküste von /sland erreicht und von hier 
nach NW und alsdann nach Nord in die Dänemark-Strafse und längs der West- 
küste von Island fortgeführt wird; *) dafs dagegen längs der Ostküste von 
Grönland aus dem Eismeer ein kalter mit dichtem Treibeis angefüllter Strom 
Jurch die Dänemark-Strafse nach SW bis zum Kap Farewell sich hinzieht, so- 
wie auch, dafs dieser Eisstrom zuweilen so mächtig wird, dafs er bis zur NW- 
Küste von /sland hinüberreicht und die Fjorde derselben mit Eis anfüllt, wo- 
gegen er nie, selbst nicht im Winter, in die grofsen Buchten der Westküste 
(Brede- und Faze-Bucht) eindringt, so dafs die Fischerei hier das ganze Jahr 
hindurch betrieben werden kann.*) 
Da der Strom nordwärts von Island entschieden nach Ost setzt und nicht 
selten dichtes Grönland-Eis mit sich führt, welches während kürzerer oder längerer 
Zeit die ganze Nordküste blockirt, glaubte Admiral Irminger zunächst diesen 
Strom als einen Zweig des mächtigen ostgrönländischen Eisstromes betrachten zu 
müssen, welcher gegen den nach dem Kismeere umbiegenden "Theil der Nord- 
westküste von Island anprallt und dadurch gezwungen wird, als eine Art 
Reaktionsstrom, längs der Nordküste nach Osten zu setzen.?) . 
‘) „Temperaturen i det nordlige Atlanterhav og Golfströmmen“, Tidskr, for Sövaesen. 1870. 
) „Strömminger og Isdrift ved Island“, "Fidskr. for Söv, 1861, 
% Ibid, S. 6. 
4) Ibid. S. 7.
	        
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