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Dünung; gegen 5ö* p. m. nahm die aus letzterer Richtung kommende in solcher
Weise zu, dafs der Bug des Schiffes fortwährend unter Wasser gesetzt wurde,
und sahen wir uns aus diesem Grunde gezwungen, alle Segel bis auf die Unter-
marssegel festzumachen. Im Nordosten sah die Luft sehr drohend aus; Böen
zogen von dort her gegen die Richtung des zur Zeit aus Süd wehenden Windes,
ohne viel Regen zu bringen. Der Wind veränderte sich unterdessen von SSE
durch S nach SW und WSW und wurde stürmisch. Um 6* p. m. wehte Sturm
in Stärke 9 aus SW. Nach 8 p. m, ging der Wind auf WSW und flauto etwas
ab. Um 9!/2* p. m. trat plötzlich Windstille ein; die See lief alsdann hoch,
pyramidenförmig, und stürzte wild aus allen Richtungen zusammen. Von Zeit
zu Zeit kamen aus SW starke Windstöfse, auf welche wieder Stille folgte.
Einen starken Windstofs beobachtete ich aus nördlicher Richtung, der nur in
einiger Höhe über dem Meere auftrat; denn während am Deck totale Wind-
stille herrschte, heulte der Wind in der Takelung und gegen die backliegenden
Marssegel. Die merkwürdige Erscheinung dauerte etwa 1 Minute. Um 12*p. m.
setzte eine flaue nordwestliche Briese ein, auch nahm von dieser Zeit an die
Dünung ab. Bis 2% a. m. am 18. November blieb der Wind NW, später lief
er allmählich nach SW zurück und nach 4* a. m. herrschte aus letzterer Richtung
frische Briese.“
Der Barometerstand wurde durch dieses Wetter nicht nennenswerth be-
einflufst. Der mittlere Stand war am 17. November auf 0° Temperatur reducirt
760,6mm, also nur wenig niedriger als am 16., wo er zu 76l,7mm, und am
18. November, wo er zu 762,8mm beobachtet wurde. Die tägliche Periode in
der Veränderung des Luftdrucks erlitt keine Unterbrechung.
1l. Weitere Berichte über das Antreffen von Eis im Süd-
atlantischen Ocean. Kapitän Ziemann vom belgischen Schiffe „General
Brialmont“, von Manta auf der Elbe angekommen, berichtet: „Am 2. November
1879 um 9* a. m., in 50° 30‘ S-Br und 50° 20‘ W-Lg, sahen wir einen Eisberg
in Lee von uns; wir passirten denselben um 10* a. m. in 3 Sm Abstand. Er
war oben ganz flach und etwa 90m hoch; als er SO peilte, sah er wie ein
abgeschnittener regelmäflsiger Würfel aus, mit senkrechten Seiten und scharfen
Kanten, ich vermuthe aber, dafs seine Grundfläche ein Dreieck bildete, dessen
lange Seite von uns abgewandt war. ‚Jede der uns zugewandten Seiten war
2 Sm lang. Die Temperatur des Wassers war um 10* a. m. in 3 Sm Abstand
vom KEise 4° C., um Mittag in etwa 16 Sm Abstand 6,4° C, Das Thermometer
in der Kajüte fiel bei der Annäherung an das Eis um 1°.“
Das Eis trieb damals recht in der Route der um das Kap Horn zurück-
kehrenden Schiffe. Nach der Beschreibung ist zu vermuthen, dafs es sich noch
längere Zeit erhalten wird,
Gedruckt und in Kommission bei E. S. Mittler & Sohn,
Königliche Hofbuchhandlung.
Kochstrafse 69/70.