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Nordamerika.
1. Die bedeutende Anzahl und
die langen Bahnen der barometrischen
Minima, deren drei das ganze Gebiet
von der-pacifschen bis zur atlantischen
Küste durchzogen, drei vom Stillen
Ocean sich näherten, aber am Felsen-
gebirge verschwanden, vier aus britisch
Amerika kamen und endlich zwei in
der Gegend von Texas und drei an
der atlantischen Küste . entstanden.
Unter den barometrischen Maxima
war namentlich dasjenige vom 22.—27.
bemerkenswerth wegen der begleiten-
den strengen Kälte.
2. Ein in den atlantischen Staaten
und der Seenregion zu hohes, in der
Gegend der Felsengebirge zu niedriges
Monatsmittel des Luftdrucks, also
eine Abschwächung der normalen
winterlichen Druckvertheilung.
3. Das mit der Druckvertheilung
in Uebereinstimmung stehende Vor-
walten südlicher Winde im Osten und
nördlicher im Westen vom Mississippi,
ferner die ausgedehnten Stürme, welche
die drei vom pacifischen nach dem
atlantischen Ocean fortschreitenden
Depressionen begleiteten, und die
wiederholten lokalen Stürme(Tornados)
in der Gegend des Felsengebirges.,
4. Die im südöstlichen Theile des
Gebiets die normale übersteigende, im
NW hinter derselben zurückbleibende
Mitteltemperatur des Monats. In
Minnesota und Dakota sank das
Thermometer am 23. und 24, stellen-
weise bis zum Gefrierpunkt des Queck-
silbers, ja sogar bis — 50° (Pembina),
in den östlichen Golfstaaten trat die
gröfste Kälte des Monats drei Tage
später ein und übertraf nicht — 9° C.
Nachdem der Oberlauf des Missouri
sich in den letzten Tagen .des No-
vember mit einer festen Kisdecke be-
zogen hatte, geschah dasselbe in den
Tagen vom 8, bis 15. auf dem Missouri
von Plattsmouth bis Kansas City und
auf dem Mississippi von St. Paul bis
Dubuque; in den folgenden Tagen
bis zum 25. weiterhin bis zu ihrer
Vereinigung; unterhalb St. Louis kam
das Eis jedoch nur vorübergehend
zum Stehen. Die Abweichungen des
Temperaturmittels von seinem nor-
malen Werthe betrugen in den einzelnen
Distrikten:
Centraleuropa.
1. Die anhaltende Herrschaft
eines barometrischen Maximums über
Centraleuropa während der letzten
beiden Dekaden und die Seltenheit
fortschreitender Minima während des
ganzen Monats daselbst. Der einzige
bedeutende und rasch fortschreitende
Wirbel, welcher Mitteleuropa durch-
zog, war derjenige, welcher vom 4.
bis 6. vom Biscayischen Busen nach
Südrufsland vordrang.
2. Der in Folge davon ungemein
hohe mittlere Barometerstand des
Monats, welcher den normalen allge-
mein um 6—11 mm übertraf.
3. Die gröfstentheils sehr ruhige
Witterung. Starke bis stürmische
Winde traten nur unter dem Einflusse
des unter 1. erwähnten Wirbels und
in den letzten vier Tagen des Monats
auf, Vorwaltend waren: in den Nieder-
landen S und SW, an der deutschen
Küste SW und W (in der ersten
Dekade E), im südöstlichen Deutsch-
land W und NW, am Oberrhein,
Neckar und Main NE und N.
4. Die aufserordentlich intensive
und anhaltende Kälte, namentlich in
Süddeutschland. Im Süden war es
der kälteste Dezember (ja selbst der
kälteste Monat überhaupt) mindestens
seit 1788, während in Norddeutschland
Dezember 1788, 1812 und 1829 aller-
dings noch bedeutend niedrigere
Temperatur hatten. Doch erstreckte
sich die intensive Kälte nur auf die
relativ tieferen Ebenen- und Thal-
Lagen, während auf den höheren
Bergen in der zweiten Hälfte des
Monats milde Witterung herrschte;
auf dem Rigi, Chaumont und Gäbris
z. B. vorwiegend Thauwetter, während
an ihrem Fuße unter 500m Seehöhe
die gleichzeitige Temperatur — 4°
bis —9° betrug, auf dem St. Gotthard
durchschnittlich fast dieselbe Tempe-
ratur wie zu Lugano u. s, w. Am
stärksten war die Kälte in Thalbecken
mit durch Gebirge verengertem Aus-
gang, wo die durch Ausstrahlung er-
kaltete Luft sich sammelte, wie in
Franken, Niederbaiern und Kärnten.