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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Nordamerika. 
1. Die bedeutende Anzahl und 
die langen Bahnen der barometrischen 
Minima, deren drei das ganze Gebiet 
von der-pacifschen bis zur atlantischen 
Küste durchzogen, drei vom Stillen 
Ocean sich näherten, aber am Felsen- 
gebirge verschwanden, vier aus britisch 
Amerika kamen und endlich zwei in 
der Gegend von Texas und drei an 
der atlantischen Küste . entstanden. 
Unter den barometrischen Maxima 
war namentlich dasjenige vom 22.—27. 
bemerkenswerth wegen der begleiten- 
den strengen Kälte. 
2. Ein in den atlantischen Staaten 
und der Seenregion zu hohes, in der 
Gegend der Felsengebirge zu niedriges 
Monatsmittel des Luftdrucks, also 
eine Abschwächung der normalen 
winterlichen Druckvertheilung. 
3. Das mit der Druckvertheilung 
in Uebereinstimmung stehende Vor- 
walten südlicher Winde im Osten und 
nördlicher im Westen vom Mississippi, 
ferner die ausgedehnten Stürme, welche 
die drei vom pacifischen nach dem 
atlantischen Ocean fortschreitenden 
Depressionen begleiteten, und die 
wiederholten lokalen Stürme(Tornados) 
in der Gegend des Felsengebirges., 
4. Die im südöstlichen Theile des 
Gebiets die normale übersteigende, im 
NW hinter derselben zurückbleibende 
Mitteltemperatur des Monats. In 
Minnesota und Dakota sank das 
Thermometer am 23. und 24, stellen- 
weise bis zum Gefrierpunkt des Queck- 
silbers, ja sogar bis — 50° (Pembina), 
in den östlichen Golfstaaten trat die 
gröfste Kälte des Monats drei Tage 
später ein und übertraf nicht — 9° C. 
Nachdem der Oberlauf des Missouri 
sich in den letzten Tagen .des No- 
vember mit einer festen Kisdecke be- 
zogen hatte, geschah dasselbe in den 
Tagen vom 8, bis 15. auf dem Missouri 
von Plattsmouth bis Kansas City und 
auf dem Mississippi von St. Paul bis 
Dubuque; in den folgenden Tagen 
bis zum 25. weiterhin bis zu ihrer 
Vereinigung; unterhalb St. Louis kam 
das Eis jedoch nur vorübergehend 
zum Stehen. Die Abweichungen des 
Temperaturmittels von seinem nor- 
malen Werthe betrugen in den einzelnen 
Distrikten: 
Centraleuropa. 
1. Die anhaltende Herrschaft 
eines barometrischen Maximums über 
Centraleuropa während der letzten 
beiden Dekaden und die Seltenheit 
fortschreitender Minima während des 
ganzen Monats daselbst. Der einzige 
bedeutende und rasch fortschreitende 
Wirbel, welcher Mitteleuropa durch- 
zog, war derjenige, welcher vom 4. 
bis 6. vom Biscayischen Busen nach 
Südrufsland vordrang. 
2. Der in Folge davon ungemein 
hohe mittlere Barometerstand des 
Monats, welcher den normalen allge- 
mein um 6—11 mm übertraf. 
3. Die gröfstentheils sehr ruhige 
Witterung. Starke bis stürmische 
Winde traten nur unter dem Einflusse 
des unter 1. erwähnten Wirbels und 
in den letzten vier Tagen des Monats 
auf, Vorwaltend waren: in den Nieder- 
landen S und SW, an der deutschen 
Küste SW und W (in der ersten 
Dekade E), im südöstlichen Deutsch- 
land W und NW, am Oberrhein, 
Neckar und Main NE und N. 
4. Die aufserordentlich intensive 
und anhaltende Kälte, namentlich in 
Süddeutschland. Im Süden war es 
der kälteste Dezember (ja selbst der 
kälteste Monat überhaupt) mindestens 
seit 1788, während in Norddeutschland 
Dezember 1788, 1812 und 1829 aller- 
dings noch bedeutend niedrigere 
Temperatur hatten. Doch erstreckte 
sich die intensive Kälte nur auf die 
relativ tieferen Ebenen- und Thal- 
Lagen, während auf den höheren 
Bergen in der zweiten Hälfte des 
Monats milde Witterung herrschte; 
auf dem Rigi, Chaumont und Gäbris 
z. B. vorwiegend Thauwetter, während 
an ihrem Fuße unter 500m Seehöhe 
die gleichzeitige Temperatur — 4° 
bis —9° betrug, auf dem St. Gotthard 
durchschnittlich fast dieselbe Tempe- 
ratur wie zu Lugano u. s, w. Am 
stärksten war die Kälte in Thalbecken 
mit durch Gebirge verengertem Aus- 
gang, wo die durch Ausstrahlung er- 
kaltete Luft sich sammelte, wie in 
Franken, Niederbaiern und Kärnten.
	        
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