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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

modificirt, aber än der dem Meere näher gelegenen Station Cuxhaven weniger, 
als an dem erheblich stromaufwärts gelegenen Deptford, und dies markirt sich 
auch darin, dass der in Cuxhaven beobachtete Unterschied zwischen Hoch- und 
Niedrigwasserzeit und Stromwechsel erheblich grösser ist, als der für Deptford 
yefundene. Wir können noch hinzufügen, dass nach drei im September 1879 
mit einem hydrometrischen Flügel von Amsler-Laffon angestellten Beob- 
achtungen der Stromwechsel bei Wilhelmshaven um 48 Minuten dem Hochwasser 
und um 29 Minuten dem Niedrigwasser folgt; letztere Zahl ist indessen sehr 
unsicher, 
Für die Wellen in freier See, in der Nordsee oder im Eingang des 
Kanals, sind dem Vf. keine Beobachtungen zugänglich gewesen, und muss der- 
selbe auf die von Airy und Beechey angeführten sich beziehen. Es wird sich 
am Schlusse dieses Aufsatzes zeigen, dass die hier behandelten Kanalströmungen 
und ihre Eigenthümlichkeiten selbst den bündigsten und besten Beweis für die 
Behauptung, dass die Gezeitenwelle sich wie eine gewöhnliche Wasserwelle 
verhält, und dass daher Hochwasser und Stromwechsel bei der unbeeinflussten 
Welle 3 Stunden auf einander folgen, abgeben. 
Airy führt („Tides and waves“, Art. 522 und 523) folgende Beobachtungen 
an: In den „Phil. Trans.“, 1819, giebt Kapt. Anderson einen Bericht über die 
Gezeiten des englischen Kanals und führt als ein merkwürdiges Resultat seiner 
Beobachtungen an, dass der Strom im oberen Theile des Kanals noch nahezu 
3 Stunden nach Hochwasser Kanal-aufwärts (nach Dover hin) und noch 3 Stunden 
nach Niedrigwasser Kanal-abwärts setze. Weit ausgedehntere Beobachtungen 
von Monnier (in „Memoire sur les courants de la Manche etc.“) lassen es als 
allgemeine Regel für den Kanal erscheinen, dass überall in grösserer Entfernung 
vom Ufer der Strom noch ungefähr 3 Stunden nach Hochwasser Kanal-aufwärts 
und 3 Stunden nach Niedrigwasser Kanal-abwärts setze. Aus demselben Werke 
von Monnier citirt Beechey folgende Stelle: „On conclura de ce qui vient 
d’etre dit que l’heure de la haute mer doit coineider avec celle ou le courant 
de flot acquiert sa plus grande vitesse. .... On concevra de la meme maniere 
que le courant de jusant doit atteindre sa plus grande vitesse au moment de la 
basse mer“ (Monnier: „Memoire etc.“, p. 15). Ferner verweist Beechey auf 
den „Pilote frangaise“, worin viele Beobachtungen sich finden, welche nahe 
dasselbe Resultat geben. 
Von der vorgefassten Meinung, dass Hochwasser und Stromwechsel 
überall gleichzeitig seien, ausgehend, verwirft Beechey die in den citirten 
Worten Monnier’s ausgesprochene Ansicht als irrthümlich, weil die Zeiten des 
Stromwechsels nicht mit dem Hochwasser des richtigen Küstenpunktes ver- 
glichen seien (nämlich mit dem Hochwasser an dem nächsten Küstenpunkte, oder 
am Orte selbst, statt, wie Beechey will, mit dem von Dover). Wir glauben 
aber in diesen, ohne jedes Vorurtheil und zum Theil zur grossen Ueberraschung 
des Beobachters erhaltenen Resultaten eine Bestätigung dafür finden zu müssen, 
dass die Bewegung der Ebbe und Fluth als echte Wellenbewegung aufgefasst 
werden könne und müsse, 
Der zweite Punkt, den wir hier nachweisen wollen, nämlich, dass die 
rein aus der Theorie für die Fluthströmung berechneten Geschwindigkeiten mit 
den beobachteten übereinstimmen, lässt sich befriedigender lösen, wie der erste, 
wo immerhin nach dem vorliegenden Material leichte Zweifel übrig bleiben 
können. 
Die Theorie giebt („Tides and waves“, Art, 161) für die Horizontal- und 
Verticalyerschiebung des Wassertheilchens bei seiner elliptischen Bewegung um 
seine Ruhelage die folgenden Ausdrücke: 
2nk _2nk 
za +e 1) cos (st) 
2nk _2n% 
al — e %) sin (nt B) 
welche Ausdrücke für die Oberfläche des Wassers und einen bestimmten Ort 
yelten. Es bedeuten hierin X die horizontale und K die verticale Verschiebung
	        
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