accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

einmal zurückzulegen, nennt man die Periode der Welle, sie ist offenbar gleich 
der Zeit von einem Hochwasser zum nächsten. Ferner ist die Länge der Welle 
der lineare Abstand eines Hochwassers von dem nächsten. Bei sehr langen 
Wellen hängt die Länge derselben sowohl, wie die Geschwindigkeit, mit welcher 
die Welle sich vorwärts bewegt, wesentlich nur von der Tiefe des Wassers ab, 
wie wir später sehen werden. 
2. Die kreisförmige oder elliptische Bewegung der Wassertheilchen wird 
mit gleichförmiger Geschwindigkeit vollzogen, Denken wir uns diese gleich- 
/örmige Geschwindigkeit im Kreise in eine geradlinige horizontale und eine 
cbensolche verticale Bewegung zerlegt, deren Resultante also die Kreisbewegung 
ist, so werden die Componenten alle Werthe von Null bis zu der vollen Ge- 
achwindigkeit im Kreise haben, und zwar sieht man leicht, dass die grösste 
Geschwindigkeit in horizontaler Richtung dort stattfinden muss, wo die Be- 
wegung in verticaler Richtung gleich Null ist, d. h. auf dem Gipfel und im Thale 
der Welle, wo das Wasserthoilchen sich parallel zur Ebene des Horizonts 
bewegt, im ersten Falle vorwärts, im letzteren rückwärts gerichtet, — oder, wie 
wir es bei den Fluthwellen ausdrücken würden, die grösste Geschwindigkeit 
in horizontaler Richtung, d. h. der stärkste Strom, findet statt im Augenblicke 
des Hoch- und Niedrigwassers. Dagegen hat die verticale Bewegung ihr 
Maximum, wenn die horizontale gleich Null ist. Dies tritt ein, sobald die Be- 
wegung des Wassertheilchens senkrecht auf der Ebene des Horizonts ist, oder 
wenn das Wassertheilchen das mittlere Niveau passirt. In diesem Augenblicke 
hat das Partikel auch seine grösste horizontale Entfernung von der Ruhelage 
erreicht, und beginnt von nun an sich in der, sciner vorherigen Bewegung ent- 
zegengesetzten Richtung zu bewegen, d. h. im Falle der Fluthwellen, es ist 
Stromwechsel in dem Augenblicke, wo das Wasser sein mittleres Niveau passirt, 
und zwar strömt das Wasser nach vorwärts, so lange der Wasserstand höher 
ist wie Mittelwasser, nach rückwärts, so lange derselbe niedriger ist. Bezogen 
auf Hoch- und Niedrigwasser können wir das’ Vorhergehende auch so aus- 
sprechen: Der Uebergang des Fluthstroms in Ebbestrom (der Vorwärts- in die 
Rückwärtsbewegung) findet 3 St. 6 Min. (eine viertel Periode) nach Hochwasser, 
und der Uebergang von Ebbestrom in Fluthstrom (der Rückwärts- in die Vorwärts- 
bewegung) um ebenso viel nach Niedrigwasser statt. Dies ist so ziemlich das 
Gegentheil von der gewöhnlichen Vorstellung, nach welcher der Stromwechsel 
mit Hoch- und Niedrigwasser zusammenfällt und jede Abweichung hiervon als 
Ausnahme betrachtet wird; wir werden gleich sehen, dass diese Auffassung auch 
für beinahe alle Fälle, die gewöhnlich zur Beobachtung kommen, ihre Be- 
rechtigung hat. ; 
3. Das Vorhergehende bezieht sich nämlich auf solche Wellen, welche 
in ihrer Bewegung und Fortpflanzung keine Hindernisse finden. Jedes Hinder- 
hiss bringt Modificationen in der Gestalt der Welle sowohl, wie in der Bewegung 
der einzelnen Wassertheilchen hervor, von denen natürlich die ersten (Aenderung 
der Gestalt der Welle) eine Folge der Aenderungen der Bewegung der Wasser- 
partikel sind. Diese Modificationen bestehen darin, dass die vorher symmetrische 
Welle (symmetrisch mit Bezug auf eine durch ihren höchsten Punkt gedachte 
Verticale) nun unsymmetrisch, nämlich an der voranschreitenden oder vorderen 
Seite steiler, auf der hinteren flacher wird. Die Folge ist, dass, bei un- 
geänderter Periode, das Steigen des Wassers kürzere Zeit, das Fallen längere 
Zeit in Anspruch nimmt als in der ungestörten Welle, wo beides gleich lange 
dauerte. Gleichzeitig wird die Welle höher und nimmt mit der Steigerung der 
Hindernisse an Höhe immer mehr zu. Endlich, was für uns das Wichtigste ist, 
verschiebt sich die Zeit, wo die Wassertheilchen ihre Bewegung umkehren (die 
Zeit des Stromwechsels), mit steigenden Hindernissen immer näher nach Hoch- 
and Niedrigwasser, so dass das Zeit-Intervall zwischen Hochwasser und dem 
nachfolgenden Stromwechsel immer kleiner wird und in gewissen Fällen gleich 
Null werden kann, Letzteres, das Zusammentreffen von Hochwasser und Strom- 
wechsel, tritt dann ein, wenn .die Welle auf eine feste Schranke trifft. Dies 
ist der Fall bei allen Küsten, welche von der Fluthwelle senkrecht, oder bei- 
nahe senkrecht getroffen werden und da, wie wir sehen werden, ein allmählich 
zur Küste ansteigender Meeresboden auch eine parallel mit der Küste fort- 
schreitende Welle so beeinflusst, dass das Wasser schon aus gewisser Entfernung
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.