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and welcher in der Weise vor sich geht, wie bei der Erörterung der Deviations-
verhältnisse an Bord der „Preufsen“ eingehender beschrieben worden ist. Die
Angaben über die beim Schiefsen gesteuerten Kurse und über die Stellungen
der Thürme während der Schiefsübungen sind bei weitem nicht genau genug,
um den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung festzustellen. Die
während der Schiefsübung am 26. August 1879 gemachten derartigen Beob-
achtungen, angeführt unter No. 54 der Tabelle, würden eine sichere Schlufs-
folgerung in dieser Hinsicht auch nur dann gestatten, wenn nach jedem einzelnen
Schusse der Kurs, die Richtung der Geschütze und die veränderte Deviation des
Thomson’schen Kompasses notirt worden wäre. Da während dieser Schiels-
äbung die Kompensationsmagnete abgenommen und nach Beendigung wieder
angebracht sind, kommt, durch die sehr nahe liegende Möglichkeit einer geringen
Aenderung der Magnetstellung bei der Neuanbringung, eine neue Unsicherheit in
die Rechnung. Wir sind deshalb gezwungen, die genaue Untersuchung der
Vorgänge, an der Hand von zuverlässigen Beobachtungsresultaten, hinauszu-
schieben, bis das nöthige Beobachtungsmaterial, zu dessen Gewinnung das dies-
Jährige Uebungsgeschwader Gelegenheit bieten wird, vorliegt.
Der Koefficient D des Thomson’schen Kompasses an Bord des „Friedrich
der Grofse“ weist in den zwischen Anfangs Juli und dem 12. September 1879
gemachten Deviationsbestimmungen, No. 51 bis 55 der Tabelle, Werthe nach,
welche in den Grenzen von 2,7° schwanken. Diese Verschiedenheit könnte
auch wohl auf Beobachtungsfehlern beruhen, da die Deviationsbestimmungen an
Bord der Schiffe des Uebungsgeschwaders in der Regel eilig gemacht werden.
Eine Trägheit des Thomson’schen Kompasses machte sich auf „Friedrich der
Grofse“ infolge des Schiefsens nicht bemerkbar, wodurch die Vermuthung be-
stärkt wird, dafs die bei dem gleichen Kompafs auf „Preußen“ entstandene
Trägheit zum Theil von den Verletzungen herrührt, welche Pinne und Hütchen
beim Schiefsen erlitten. Am Bord des „Friedrich der Grofse“ sind mit dankens-
werthem Interesse eine grössere Zahl von Beobachtungen der Horizontal- und
Vertikalintensität am Orte des Thomson’schen Kompasses und auf dem vorderen
Thurm gemacht worden. Das Beobachtungsmaterial genügt aber zur Ermittelung
des Koefficienten 2 und der einzelnen Theile des Koefficienten D nicht, weil in
keinem Falle Kurs und Deviation gleichzeitig genau ermittelt und angegeben
wurden. Die Feststellung der Werthe von a und e mufs deshalb hier ebenso wie
bei „Preufsen“ einer späteren Zeit vorbehalten bleiben.
Aus den vorstehenden Angaben und Erörterungen geht hervor, wie ganz
ausnahmsweise ungünstig der Aufstellungsort der Thomson’schen Kompasse
an Bord von „Preufsen“ und „Friedrich der Grofse“ ist. Wenn es gelang,
Kompasse an diesen Orten überhaupt zum Funktioniren zu bringen, so mufs
dies an und für sich als ein Erfolg bezeichnet werden. Andererseits sind diese
sehr schwierigen Verhältnisse gerade besonders geeignet, die Wechselwirkung
zwischen dem Eisen im und am Schiff und dem Kompafs kennen zu lernen und
einen. Einblick in das Wesen dieser Wirkung zu gewinnen, Erst wenn man
diese erkannt hat, wird man zu unterscheiden wissen, worauf es bei den Beob-
achtungen ankommt, und was dabei wesentlich ist. Um an Bord von „Preufsen“
und „Friedrich der Grofse“ den Ursprung des Schwankens der Koefficienten B
und Ö zu ergründen, sind, wie vorstehend nachgewiesen und wie ein genaues
Studium der Deviationsfrage noch weiter klar machen wird, folgende Beob-
achtungen unerläfslich:
1. Vor jedem Schufs ist der mifsweisende Kurs genau zu notiren.
2. Der Winkel, welchen die Geschütze bei Abgabe eines Schusses oder
einer Breitseite zur Kielrichtung hatten, ist für jeden Schufs bezw. für jede
Breitseite genau anzugeben, auch ist zu vermerken, ob bei einer Richtung nach
achteraus oder voraus der Wivpkel vom Bug oder Heck, oder von einer durch
den Thurmmittelpunkt gehenden Querschiffslinie ab gerechnet ist,
3, Nach jedem Schufs ist zwischen dem Thomson’schen Kompafs und dem
Regelkompafs ein genauer Vergleich vorzunehmen und das Resultat zu notiren.
Bei diesem Vergleich müssen die Geschütze womöglich in der Zurrstellung
(Mündungen nach vorne) stehen; ist dies nicht der Fall, so mufs die Stellung,
welche sie bei diesem Vergleich inne hatten, genau angegeben werden. Wün-
scheuswerth ist, dafs der Vergleich der Kompasse zunächst auf dem Kurse, auf