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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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Figur I. und V. auf Seite 137. Eine einfache Ueberlegung der Induktionsver- 
hältnisse ergiebt nun Folgendes: 
Weiches Eisen des Typus -}- a vermehrt die Richtkraft der Nadel und er- 
zeugt eine positive quadraniale Deviation, wenn es die Position 1 oder 2 der 
Figur I, oder beide einnimmt. 
Weiches Eisen des Typus — a vermindert die Richtkraft der Nadel und 
erzeugt negative quadrantale Deviation. 
Weiches Eisen des Typus + e vermehrt die Richtkraft der Nadel und 
erzeugt eine negative quadrantale Deviation, wenn es die Position 4 oder 5 der 
Figur V, oder beide einnimmt, 
Weiches Eisen des Typus — e vermindert die Richtkraft der Nadel und 
erzeugt eine positive quadrantale Deviation. 
Es ist: 
a=21D-—(1—12) 
e= —29—aA— A) 
wenn © der Koefficient für quadrantale Deviation und A der Koeffieient für 
die Richtkraft der Nadel ist. Wären nun vor und nach der Schiefßsübung die 
zur Ermittelung von A erforderlichen Horizontalschwingungen mit dem 
Deviationsmagnetometer oder mit einer einfachen Schwingungsnadel auf der 
Kompafspinne beobachtet worden, so wären die Werthe von a und e, oder die 
Faktoren, aus denen sich die quadrantale Deviation zusammensetzt, leicht zu 
bestimmen und dadurch festzustellen, welche Aenderungen diese Faktoren durch 
das Schiefsen erlitten haben. Da diese Beobachtungen fehlen, müssen wir uns 
darauf beschränken, den Vorgang so darzustellen, wie er stattgehabt haben 
kann, um die beobachtete Erscheinung hervorzurufen. 
Die beiden Kompensatoren aus weichem Eisen üben offenbar dieselbe 
Wirkung auf den Kompafs, wie zwei Stäbe des Typus +e. Es ist zweifellos, 
dals diese Kompensatoren die Richtkraft der Nadel stets vermehren, auch wenn 
durch sie, wie in dem vorliegenden Falle, eine Ueberkompensirung hervorge- 
rufen wird. Wie bei einer Ueberkompensirung dennoch vermehrte Trägheit 
antstehen kann, leuchtet demnach nicht ohne weiteres ein, erklärt sich aber auf 
folgende Weise; 
Die quadrantale Deviation hatte — wie bemerkt — vor der Kompensirung 
den Werth von + 7,5, während der Kompals weit träger war, als man nach 
dieser nicht gerade grofsen Deviation hätte erwarten dürfen. Aus dem positiven 
Vorzeichen und der grofsen Trägheit mufs man unter Rücksichtnahme auf die that- 
sächliche Vertheilung bezw. Lagerung der Eisentheile des Schiffes in der Nähe des 
Kompafsortes den Schlufs ziehen, dafs die quadrantale Deviation vorzugsweise 
erzeugt wurde durch ein grofses — e, hervorgebracht durch die eisernen Balken 
der Kommandobrücke, und ein kleineres + a, hervorgebracht durch die Kommando- 
Ihürme nebst Lafettage, denn beides veranlafßst eine positive Deviation. Das 
— e muß aber größer, als das + a gewesen sein, weil die Richtkraft eine sehr 
geringe war. 
Durch die Kompensirung mittels der Korrektoren wurde die Deviation 
beseitigt, gleichzeitig aber auch derjenige Theil des — e der Kommandobrücke, 
welcher die Richtkraft schwächte und nicht schon durch das -+ a der Thürme 
kompensirt war. 
Hat sich nun infolge des heftigen Hämmerns der Geschütze auf die Kisen- 
theile des Thurmes und der Lafettage, wie es beim Scharfschiefsen eintritt, die 
Molekularstruktur des Eisens so verändert, dafs das Eisen nicht mehr in dem 
Mafse wie früher für Indueirung geeignet war, so mufste das + a verschwinden. 
Die Kommandobrücke ist direkten Schlägen beim Schiefsen nicht ausgesetzt, 
sondern nur dem Vibriren durch Gasdruck; hier mag also die Struktnr des 
Eisens nicht beeinflusst worden sein, also blieb das — e bestehen. 
Die Wirkung der Kugelkorrektoren mußte, nach Verschwinden des + a, 
also eine Ueberkompensirung erzeugen, gleichzeitig aber hatte das Verschwinden 
des + a eine Verminderung der Richtkraft zur nothwendigen Folge. Ein 
interessantes Gegenstück hierzu und den Beweis, dafs quadrantale Deviation 
einen Kompafs nicht immer träge macht, liefert das Verhalten des Thomson- 
schen Kompasses an Bord des „Friedrich Carl“, der, trotz einer quadrantalen
	        
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