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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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günstig. Bei den durch das Feuer mit schwerem Geschütz erzeugten viel 
heftigeren Erschütterungen hat er sich bis jetzt nicht genügend bewährt. Eine von 
Sir W. Thomson erfundene Einrichtung, welche den Zweck hat, diesen letzteren 
Erschütterungen und ihren Folgen entgegenzuwirken, wird in diesem Sommer 
versucht werden. Andere im Hydrographischen Amt konstruirte Vorrichtungen, 
welche denselben Zweck haben, sollen auf den Schiffen des diesjährigen Uebungs- 
geschwaders ebenfalls geprüft werden, da es absolut nothwendig.ist, dafs im 
Gefechte brauchbare Kompasse vorhanden sind. Die Aufhängevorrichtung in 
Messerschneiden ist jedenfalls viel empfindlicher, als die bisher verwendete; 
ihre Vorzüge würden erst bei sehr schlechtem Wetter, dem die Schiffe des 
rorjährigen Geschwaders nicht ausgesetzt waren, voll zur Geltung kommen 
können. Die Erfahrungen über diese Vorrichtung müssen deshalb vervoll- 
ständigt werden. Der Azimutspiegel, wie früher erwähnt, nur erfunden, um die 
mit der Verwendung von kugelförmigen Kompensatoren verbundenen Uebelstände 
zu beseitigen, ist die bisher auf See übliche Peilvorrichtung zu verdrängen 
nicht geeignet, kann aber neben derselben oft mit Vortheil benutzt werden. Da 
demnach die Hauptvorzüge allein in der Rose liegen, kann man sich dieselben 
zu Nutze machen, indem man einen gewöhnlichen Steuer- oder Azimutkompafs 
mit Thomson’scher Pinne und Rose versieht. In der kaiserlichen Marine sind 
Thomson’sche Rosen in gewöhnlichen Steuerkompassen auf mehrjährigen Reisen 
im Gebrauch gewesen und haben sich so gut bewährt, dal jetzt ihre Ein- 
führung in Stelle der bisher benutzten Sturmrosen stattfindet. 
Die Vorrichtung zum Kompensiren in und an dem Kompafshause hat sich 
sehr gut bewährt. Diejenige, welche nach den Angaben des Hydrographischen 
Amts konstruirt ist, hat der Thomson’schen‘ gegenüber den Vorzug gröfserer 
Einfachheit. 
Das Verhalten der Kompasse beim Schiefsen mit schwerem Geschütz ist 
von mehreren auffallenden Erscheinungen begleitet gewesen, die wir hier einer 
besonderen Betrachtung unterziehen wollen, An Bord des „Friedrich Carl“ und 
„Kronprinz“ wurden weder die Kompasse, noch die Kompensirungen derselben 
dadurch beeinflufst; die Mehrzahl wurde allerdings wie oft auch anderweitig 
der Fall ist, wäbrend des Schiefsens insofern unbrauchbar, als heftige Schwin- 
zungen eintraten, die mitunter in Kreisdrehungen ausarteten. An Bord von 
„Preufsen“ und „Friedrich der Grofse“ stehen sämmtliche Kompasse- für die 
Erschütterung gauz besonders ungünstig, weil das Sturmdeck, auf dem sie placirt 
sind, über den gepanzerten Drehthürmen liegt. Da die Vermuthung nahe lag, 
dafs die Deviation sämmtlicher Kompasse durch das Feuer mit den in den 
Thürmen aufgestellten schweren Geschützen!) beeinflufst werde, fand auf beiden 
Schiffen nach der Schießübung eine Bestimmung der Deviation des Regel- 
kompasses statt, Derselbe ist auf „Preu/sen“, wie in der vorstehenden Tabelle 
bereits bemerkt, nicht kompensirt. Da hier eine Aenderung durch das Schiefsen 
nicht. konstatirt wurde, war festzustellen, ob auf „Friedrich der Grofse“, wo 
eine Kompensirung stattfand, wie unter No. 37 der Tabelle angegeben ist, 
die unter No. 41 bis 44 angeführten Aenderungen der Deviation etwa dadurch 
entstanden sind, dafs der Kompensationsmagnet durch die Erschütterungen einen 
antsprechend grofsen Betrag seiner magnetischen Kraft verloren hat. Es ergab 
sich folgendes Resultat: ; 
Magnetisches Moment 
am 27. 2. 78 = 225,30 Millionen Gauss’sche Einheiten.?) 
am 22. 10. 79 = 220,96 do, 
Kraftverlust = 4,34 Millionen Gauss’sche Einheiten. 
Diese Abnahme des magnetischen Momentes liegt innerhalb der natür- 
lichen Grenzen, Kein Magnet läfst sich so vollkommen herstellen, dafs cr im 
Laufe der Zeit nicht etwas von seiner Kraft einbüfst. Die Größfe, um welche 
1) Die langen 26 cm Kanonen, deren jeder Thurm zwei hat, feuern Hartgufsgranaten von 
nahezu. 200 kg Gewicht mit 40 kg Pulverladung. 
2?) Eine Gauss’sche Einheit ist das Drehungsmoment von 1 mgr, welches an dem Ende eines 
Hebelarmes von 1 mm oder eines Wagebalkens von 2 mm Länge unter dem Einflufs einer Schwer- 
kraft wirkt, die einem fallenden Körper in einer Sekunde 1 mm Geschwindigkeit zu ertheilen vermag.
	        
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