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Mitte befindlicher Hohleylinder ist mit einer Skala versehen, welche Entfernungen
von der Rose angieht. Zwei Magnetpaare, von denen das eine querschiffs, das
andere längsschifis liegt, sind auch hier vertikal verschiebbar. Die quadrantale
Deviation kann durch Hohlkugeln, oder durch Cylinder aus weichem Kisen be-
seitigt werden. Die Kompensirung kann mit derjenigen Genauigkeit, welche,
wenn Eile geboten ist, ausreicht, in folgender Weise schr einfach erreicht
werden. ;
Man legt das Schiff magnetisch Nord oder. Süd an, verschiebt die Quer-
schiffsmagnete, bis die Deviation beseitigt ist, und wiederholt diese Prozedur auf
magnetisch Ost oder West, indem man die Längsschiffsmagnete bewegt. Jetzt
legt man das Schiff auf einen Interkardinalpunkt und verschiebt die Korrektoren
aus weichem Eisen, bis auch hier die Doviation verschwunden ist. Der Kompafs
ist hiermit kompensirt. Genauer wird die Kompensirung nach einer anderen
Methode ausfallen, welche von Sir William Thomson empfohlen wird, und
deren Anwendung in allen Fällen zweckmäfsig ist, bei denen es nicht an Zeit
für die Kompensirungsarbeiten ‘gebricht. Bei Anwendung dieser letzteren
Methode wird zunächst die Deviation genau bestimmt, aus derselben werden die
Koefficienten ermittelt und dann zuerst der Koefficient D oder die quadrantale
Deviation kompensirt. Erst nachdem dies geschehen ist, findet die Kom-
pensirung der Koefficienton B und C in der für die erste Methode beschriebenen
Weise statt. - 5 .
Wir gehen nunmehr zu den gewonnenen Erfahrungen über.
Die Thomson’schen Kompasse wurden überall da aufgestellt, wo die
magnetischen Verhältnisse besonders schwierig waren, an Bord der beiden
Schwesterschiffe „Preußen“ und „Friedrich der Grofßse“ vor dem Dampfruder, an
Bord des „Friedrich Carl“ im gepanzerten Kommandothurme und an Bord des
„Kronprinz“ auf der vorderen Kommandobrücke. Um die lokalen Verhältnisse
zu veranschaulichen, sind die Schiffsskizzen Figur IV, V und VI beigefügt und
die Kompafsorte in dieselben eingetragen. Für die Preufsen-Klasse war, der
Gleichheit beider Schiffe wegen, nur eine Skizze erforderlich.
Bevor wir die gemachten‘ Beobachtungen diskutiren, geben wir in der
folgenden Tabelle eine Uebersicht über den magnetischen Charakter der einzelnen
Schiffe, über die magnetischen Einflüsse an den verschiedenen Aufstellungsorten
der Kompasse und über die Einflüsse, welche die Zeit auf den Schifsmagnetismus
ausgeübt hat, soweit dies mit dem vorhandenen Beobachtungsmaterial möglich ist.
Es wurden in dieser Zusammenstellung die Koefficienten nur nach Graden
angegeben, weil die grofse Eile, mit welcher die Deviationsbeobachtungen an
Bord der Schiffe des Uebungsgeschwaders aus Zeitmangel in der Regel angestellt
werden mulfsten, eine Zuverlässigkeit höchstens in den Grenzen von einem Grad
garantirt. Eine Unsicherheit in dieser Hinsicht tritt besonders bei den auf
dem vorjährigen Geschwader gewonnenen Beobachtungsresultaten zu Tage und
charakterisirt sich durch die schwankenden Werthe des Koefficienten A.
Wo diese Werthe einen gröfseren Betrag, als einen Grad; erreichen, haben
aufser Beobachtungsfehlern andere, nachträglich leider nicht festzustellende
Ursachen mitgewirkt. Unter diesen Einflüssen stehen. die Gaussin’schen Nach-
wirkungen, verursacht durch zu schnelles Schwingen des Schiffes bei der
Deviationsbestimmung und ein verschiedenes Aufstellen der Kompassc, bei den
verschiedenen Indienststellungen, in Bezug auf die Parallelität mit der Mittschiffs-
linie, in erster Reihe.