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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 8 (1880)

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vorgreifend bemerken, .die in der Kaiserlich Deutschen Marine inzwischen ge- 
wonnenen Erfahrungen nicht gerade bestätigt, wennschon man zugeben mufs, 
dafs ein genauer Peilkompafs nach der bisherigen Konstruktion von dem 
Thomson’schen nicht ‚ersetzt wird. 
Die Thomson’sche Aufhängung des Kompafskessels in Messerschneiden 
und seine Beschwerung mit Rieinusöl, anstatt mit dem sonst üblichen Bleigewicht, 
hat nur den Zweck, die Balaneirung feiner zu machen. Außer dieser Auf- 
hängung ist noch einiger Einrichtungen Erwähnung zu thun, welche nicht den 
Kompafs selbst, sondern dessen Zubehör betreffen, aber als Neuerungen von 
Interesse sind. Hierher gehört zunächst die Verwendung eines Kompafshauses !) 
mit verstellbaren Magneten, dessen Zweck ist, ein Festnageln oder Einlassen 
der Kompensationsmagnete neben oder in dem Nachthause zu vermeiden und 
eine Verstellung der Kompensationsmagnete zu jeder beliebigen Zeit zu ermög- 
lichen. Diese Ideo liegt schr nahe und ist nicht neu. Airy hat sie schon vor 
Jahren geäufsert; wäre sie früher ausgeführt worden, so würde die Airy’sche 
Kompensirungsmethode sich unter praktischen Seoleuten bereits mehr Eingang 
und bessere Würdigung verschafft haben, als bis jetzt der Fall ist. Sir William 
Thomson hat die Airy’sche Idee auf zwei verschiedene Arten ausgeführt, ein- 
mal indem er in der Mitte des hohlen und von aufsen durch eine Thür zugäng- 
lichen Kompafshauses einen vertikal stehenden Hohleylinder aus Messing 
angebracht hat, an welchem ein Magnetpaar in der Längenrichtung, ein zweites 
in der Querrichtung des- Schiffes, in vertikaler Richtung verschiebbar, befestigt 
ist. Bei der zweiten Anordnung ist ein Rahmen, welcher sechs Kompensations- 
magnete aufnehmen kann, so an dem vertikalen Hohleylinder befestigt, dafs er 
in vertikaler Richtung bewegt und auch in horizontaler Richtung um den Cylinder 
als Mittelpunkt gedreht werden kann. Die Magnete können also in beiden 
Fällen in beliebiger Entfernung unter dem Kompafs, in dem letzeren Falle 
außerdem auch in beliebigem Winkel, eingestellt werden; es ist dadurch möglich, 
alle beliebigen Größen semicirkulärer Deviation leicht und schnell zu kom- 
pensiren. Zur Beseitigung der quadrantalen Deviation wendete Thomson nicht 
Cylinder,*) sondern Hohlkugeln®) von weichem Eisen an, deren Durchmesser, je 
nach der Gröfse der zu Kkompensirenden Deviation, zwischen 11 und 25 cm 
beträgt. Die Krängungsdeviation wird durch Einhängen eines Magneten in den 
erwähnten vertikalen Hohleylinder bewerkstelligt, an welchem die Magnete zur 
Kompensirung der semicirkulären Deviation verschiebbar, bezw. verschiebbar 
und drehbar, angebracht werden. 
Da die Anbringung grofser Eisenkugeln neben der Kompafsrose zur Be- 
seitigung der quadrantalen Deviation das Peilen mit dem kompensirten Kompafs 
beschwerlich macht, hat Thomson seinen Kompafs endlich noch mit einer 
besonderen Peilvorrichtung versehen, welche nach dem Prinzip der Camera 
Jucida konstruirt und so beschaffen ist, dafs man durch einen in der Mitte des 
Deckelglases stehenden Spiegel sicht, ohne beim Peilen durch die Kugeln ge- 
hindert zu werden. Eine weitere Beschreibung dieser für den Kompals selbst 
nicht wesentlichen Vorrichtung würde uns hier zu weit führen, 
Erwähnt sei endlich noch, dafs der Kompafs nebst Nachthaus, Kompafs- 
haus und allem sonstigen Zubehör von der Firma James White in Glasgow zu 
folgenden Preisen zu beziehen ist: 
1) Kompafs mit einer Rose und Pinne ..... 0... 200 
2) Kompafshaus mit verstellbaren Magnetträgern und zu- 
gehörigen Magneten . . . . . + ‚4. 590 
3) Ein Paar eiserne Hohlkugeln. . . . 0... 40 + ++ 15 
Beschreibungen des Kompasses, seiner Zubehörstücke und des Kom- 
pensirungsverfahrens in englischer Sprache werden unentgeltlich mit verabfolgt. 
Ein dem Thomson’schen ähnliches Kompafshaus ist im Hydrographischen 
Amt konstruirt und ebenfalls im Sommer 1879 erprobt worden. Ein in der 
1) Wir verstehen hier unter Kompafshaus den Untersatz, auf welchem der Kompafs nebst 
Nachthaus ruht. Derselbe wird in der Kaiserlichen Marine bis jetzt „Kompafsnachthausuntersatz“ 
genannt, 
Z) Siehe Handbuch der Navigation, Seite 106. 
. 3) Ob sich Kugeln zur Kompensirung der quadrantalen Deviation im allgemeinen mehr als 
Cylinder empfehlen. ist noch eine offene Frage, zu deren Entscheidung es weiterer Versuche bedarf.
	        
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